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Streit um Gehälter : AWO in Nöten: „Zahlen zu nennen, wäre unseriös“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Geschäftsführern der AWO stehen schwierige Verhandlungen zum Entgelttarif bevor

von
erstellt am 31.Okt.2017 | 20:45 Uhr

„Den Frust der Mitarbeiter kann man verstehen. Die Art und Weise, wie er geäußert wird nicht“, meint Bernd Tünker, Geschäftsführer des AWO Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern e.V.. Zusammen mit Dr. Caroline Bockmeyer, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbandes Ludwigslust e.V., möchte er den Mitarbeitern die aktuelle Situation erklären. Nach der Betriebsversammlung des Kreisverbandes Ludwigslust, Mitte Oktober in Boizenburg, hatten einige Angestellte den Unmut über ihre Bezahlung öffentlich gemacht und eine Gehaltssteigerung von sechs Prozent im kommenden Jahr gefordert. Unverständlich für die Geschäftsführerin, die auf der Versammlung ein Plus von drei Prozent verkündete. „Die Steigerung haben wir uns nicht selbst ausgedacht, sondern mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelt. Für drei Prozent müssen wir uns nicht schämen und machen es auch nicht“, so Caroline Bockmeyer.

Nachdem sich sieben der insgesamt 15 Kreisverbände in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Landesverband zu einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossen und einen Manteltarifvertrag ausgehandelt hatten, waren die Erwartungen der Mitarbeiter aber deutlich höher. Denn Ziel, darauf haben sich Gewerkschaft und AWO schon geeinigt, soll die Angleichung des Tarifs an den im öffentlichen Dienst sein. „Am 1. Januar 2018 soll der Manteltarifvertrag an den Start gehen“, so Bockmeyer. Darin habe man erstmal die allgemeinen Arbeitsbedingungen, wie den Urlaubsanspruch, geregelt. Diese waren vorher in den einzelnen Kreisverbänden unterschiedlich. Ab Mitte November würde dann über einen Entgelttarifvertrag verhandelt. „Das wird wesentlich schwieriger.“ Im Sommer kommenden Jahres, so das Ziel, möchte man die Eckpunkte festgelegt haben.

„Danach geht die Arbeit erst richtig los. Wir müssen jeden Kollegen einzeln betrachten und gucken wo wir ihn dann eingruppieren. Auch für uns müssen wir sehen, wie wir es finanzieren können“, meint Bockmeyer. Deshalb könne sie noch keine Zeitspanne nennen, in der die Angleichung erfolgen kann. „Das wäre auch unseriös“, sagt dazu Bernd Tünker. „Der Kreisverband Rostock ist dabei schon weiter. Dort hat man vor rund sieben Jahren angefangen, mit ver.di eine Angleichung an den TVöD zu verhandeln. 2019 soll es soweit sein.“ In Rostock habe es alleine ein Jahr gebraucht bis jeder Mitarbeiter in den neuen Tarifvertrag eingruppiert war. „Und erst wenn das passiert ist, können wir sagen wo wir stehen.“

Caroline Bockmeyer und Bernd Tünker wissen aber auch: Ewig Zeit können sie sich mit der Angleichung nicht lassen. „Es ist natürlich klar, dass die Kollegen zum TVöD gucken. Wir wollen ihn auch zügig erreichen und nicht erst in 50 Jahren. Allerdings müssen wir auch schauen, wo wir herkommen“, so Bockmeyer. Seit 2008 hätten sich die Gehälter im Kreisverband Ludwigslust um 26 Prozent erhöht. Außerdem seien er und Rostock die einzigen Kreisverbände in Mecklenburg-Vorpommern, die schon jetzt einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft haben.

Das Grummeln der Mitarbeiter im Kreisverband wird das wohl aber nicht verstummen lassen. Auch wenn man die Steigerungen der vergangenen Jahre betrachtet. 26 Prozent seit 2008, sind im Schnitt nicht ganz drei Prozent mehr Geld pro Jahr. Zum TVöD klafft teilweise eine Gehaltslücke von 30 Prozent. Die Angestellten haben daher die Sorge, dass es zehn Jahre und länger dauern könnte, bis die Gehälter angeglichen sind. „Es wird eine stufenweise Annäherung an den TVöD geben“, sagt dazu Caroline Bockmeyer. „Und irgendwann gibt es auch eine Ansage, wann das Niveau erreicht werden kann.“

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