Wittenburg : Aus für beliebte Sonntagsbörse?

Die Sonntagsbörse im Mai, hier wird gehandelt, hier treffen sich einmal im Monat Tausende.
Die Sonntagsbörse im Mai, hier wird gehandelt, hier treffen sich einmal im Monat Tausende.

Eine Fortsetzung des beliebten Landmarktes in Wittenburg ist in Gefahr. Grund: Behörden pochen auf eine teure Nutzungsänderung für das Grundstück.

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15. Juli 2015, 06:30 Uhr

Der mit Abstand größte Land- und Flohmarkt der Region, die Sonntagsbörse von Wittenburg, steht kurz vor dem Aus. Grund dafür ist ein seit Jahren andauernder Streit mit den Behörden um die richtige Nutzung des Grundstückes an der Landesstraße zwischen Wittenburg und Zarrentin. Offiziell wird das Gelände nämlich noch immer als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Jetzt soll eine rein formale Nutzungsänderung her. Da das Areal aber im Außenbereich liegt, ist das nicht so einfach und vor allem nicht billig. Ein neuer B-Plan müsste sein, und der könnte einige Zehntausend Euro kosten. Zu sehen wäre dann auf dem Platz nichts, nur die Papiere wären in Ordnung. In der Konsequenz denken Christian Strube und René Kirche, die beiden betreiben jetzt den Markt, über ein sofortiges Ende nach. „Das können wir nicht bezahlen“, fällt Strube dazu ein.

Formaler Gegner in dem Verfahren ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit seinem Bauordnungsamt. Doch der Streit geht schon seit Jahren. Walter Strube, der engagierte Obstbauer, der einst den Markt aus der Taufe hob und seine ganze Familie berichten von einem Marathon an Auseinandersetzungen. Oft ging es um die Parkplatzordnung, sehr lange um die ordentliche Beschilderung und zum Schluss um das Grundstück. Vor allem versteht niemand, warum die Behörden, also Stadt und Landkreis diesen Markt doch viele Jahre an der Stelle geduldet haben. Andreas Wißuwa, Leiter des Bauordnungsamtes im Kreis, verweist auf die rechtliche Aspekte. „Diese Nutzungsänderung ist nötig, wir haben das mit dem Eigentümer lange besprochen. Es hat ja alle möglichen Nutzungen dort gegeben von Goa-Partys über Stoppel-Cross-Rennen bis hin zu den Märkten. Für dieses Jahr gibt es die Zulassung,  an zehn Tagen Veranstaltungen durchzuführen. Aber irgendwann muss das Ganze einmal geklärt werden.“

Wißuwa bekommt in der Frage auch die Unterstützung des Landrates, der die zusätzliche Belastung der Betreiber für zumutbar hält. Ähnlich sieht es auch Margret Seemann, Wittenburgs Bürgermeisterin. In Ruthen nahe Lübz, dort betreiben die beiden jungen Männer einen ähnlichen Markt, gibt es mehr Unterstützung von der Stadt. Aber auch dort pocht der Kreis auf eine Nutzungsänderung der dortigen 6 Hektar. In Wittenburg geht es um 10 Hektar.

Bis zuletzt hatte vor allem die Familie Strube, Vater Walter ist für die CDU in der Stadtvertretung Zarrentin und im Kreistag, gehofft, den Streit irgendwie lösen zu können. Vergeblich. Formal wäre jetzt in Wittenburg Schluss, weil zehn Tage erlaubt waren, und sonnabends und sonntags werden extra gerechnet.

Die beiden Betreiber haben sich jetzt rechtlichen Beistand in Schwerin bei der Kanzlei von Dietrich Monstadt gesucht. Der hat schon im Gespräch mit der SVZ den Kopf geschüttelt, wie man ein so beliebtes Fest der Menschen auf dem Land kaputt machen könne. Auch die Industrie- und Handelskammer will nun helfen, die Sonntagsbörse doch noch zu retten. Am vergangenen Wochenende waren in Wittenburg gut 5000 Besucher gezählt worden.

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