Lübtheen : Aus „Dornröschenschlaf“ geweckt

Als Postort nach dem 30-jährigen Krieg kamen zahlreiche Besucher nach Lübtheen.
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Als Postort nach dem 30-jährigen Krieg kamen zahlreiche Besucher nach Lübtheen.

Lübtheen wird nach dem 30-jährigen Krieg als Hauptpostamt bekannt. Ausstellung im Bürgerhaus zeigt die ganze Geschichte

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13. Januar 2016, 11:45 Uhr

Reisende aus weiter Ferne, Amtsleute und bekannte Persönlichkeiten wie Wilhelm von Humboldt kamen einst nach Lübtheen. Sie fuhren in dem kleinen Ort ein und aus, machten hier Rast und verhalfen der heutigen Lindenstadt so zu großer Bekanntheit. „Als Postort nach dem 30-jährigen Krieg wurde das unbedeutende Dorf aus seinem Dornröschenschlaf geweckt“, erzählt Marlies Bünsch vom Lübtheener Museum.

In einer kleinen Ausstellung im Bürgerhaus „Dat Olle Amtsgericht“ arbeitet die Lübtheenerin die Postgeschichte der Lindenstadt auf, zeigt auf sieben Anschauungstafeln, welche große Bedeutung die einst durch den 30-jährigen Krieg verwüsteten Gegend durch die kurfürstlich brandenburgische Fahrpost an der Strecke Berlin - Hamburg zukam. Während des gesamten 18. Jahrhunderts wurde die Entwicklung Lübtheens durch die Fahrpost geprägt, was sich auf die wirtschaftliche Entwicklung positiv auswirkte. Durch Instandhaltung und Reparaturen von Wagen und Gerätschaften entwickelte sich eine lohnende Einnahmequelle für die ortsansässigen Handwerker und die Versorgung der Reisenden verbesserte die Einnahmen der Lübtheener Einwohner.

Den ersten schriftlichen Beweis für den Postort, der später sogar ein Hauptpostamt erhielt, fand Marlies Bünsch im Schweriner Archiv aus dem Jahr 1692. „Eine Kopie des Schreibens ist in der Ausstellung zu sehen“, so die Lübtheenerin.

Weiter werden zahlreiche Nachweise, Belege und Bilder über die Lübtheener Postgeschichte gezeigt. Wilhelm von Humboldt schrieb beispielsweise in einem Reisebericht von 1796 über Lübtheen: „Es ist so gut als durchaus sandig und von Boizenburg an auch unglaublich häßlich. (...) Die erste Nacht blieben wir in Lübtheen, wo wir ein herzlich schlechtes Nachtlager hatten...“ Doch auch positive Nachweise werden gezeigt, die die Lindenstadt bis heute prägen. „Einhundert Jahre später ist Postmeister Kentzler hier tätig. Er war 1806 für den Bau des neuen Postgebäudes verantwortlich“, berichtet Marlies Bünsch – das heutige Bürgerhaus von Lübtheen. Rund 25 Jahre wurde das Posthaus noch als solches genutzt. Doch mit einer neuen Route von Berlin nach Hamburg, wurde 1827 das Hauptpostamt von Lübtheen nach Redefin verlegt und die Lindenstadt machte mit anderen Geschehnissen Geschichte – so bestimmten im 19. Jahrhundert dann die Errichtung des Gipswerkes und der Gipsabbau die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.

Die Ausstellung zur Postgeschichte ist noch einige Wochen im Foyer des Bürgerhauses zu sehen und soll danach in die alte Poststube umziehen.

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