Hagenow : Aus der Schule ins KZ verschleppt

Teresa Kluczek (66), Jacek Zatrieb (67) und Marianna Bogusz (87), v.l.n.r., waren Gesprächspartner der Schüler.  Fotos: dihi
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Teresa Kluczek (66), Jacek Zatrieb (67) und Marianna Bogusz (87), v.l.n.r., waren Gesprächspartner der Schüler. Fotos: dihi

Schüler der Heincke-Schule sprachen gestern mit den Zeitzeugen Marianna Bogusz, Teresa Kluczek und Jacek Zatrieb

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03. Mai 2017, 21:00 Uhr

Im Raum wurde es gestern immer leiser. Aufmerksam folgten die Schüler der zehnten Klasse der Hagenower Heincke-Schule den Ausführungen von Marianna Bogusz. Die 87-jährige Polin ist eine Überlebende des Todesmarsches des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück. Sie lebte 1944 zusammen mit ihrer Schwester und mit ihren Eltern in Warschau. „Der 1. August 1944 war für uns ein ganz normaler Schultag“, übersetzt Jacek Zatrieb die Worte der Polin, die sie in ihrer Landessprache an die Zehntklässler richtet.

Am 1. August des Jahres 1944 beginnt der Warschauer Aufstand. Rund 25000 polnische Männer und Frauen kämpfen gegen die deutsche Besatzung. „Noch an diesem Tage wurden wir von den deutschen Besatzern gezwungen, unsere Schule zu verlassen. Danach marschierten wir in einen Warschauer Vorort, wo sich ein Übergangslager befand.

Erinnerungskultur in der Heincke-Schule

Nach zwei Tagen wurden wir in Viehwagen nach Oranienburg gebracht, wo die erste Selektion stattfand. Dann verschleppten uns die Deutschen ins KZ Ravensbrück. Nach etwa zwei Monaten wurden wir nach Eberswalde in eine Munitionsfabrik zur Zwangsarbeit verlagert“, erfahren die Hagenower Schüler.

In jedem Jahr haben die Schüler der Heincke-Schule die Möglichkeit, mit Überlebenden der Nazi-Barbarei zu sprechen. Wie Schulsozialarbeiterin Gudrun Scheel gestern im SVZ-Gespräch sagte, waren in diesem Jahr Marianna Bogusz, Überlebende des Todesmarsches, mit Teresa Kluczek (66), Tochter einer Zwangsarbeiterin aus Eberswalde und mit Jacek Zatrieb (67), Sohn von Wanda Zatryb, einer Überlebenden des Todesmarsches des KZ Sachsenhausen, die Gesprächspartner. Die Zeitzeugen bzw. die Angehörigen erzählten u.a. von den Lebensumständen und von alltäglichen Situationen in der Nazi-Zeit, von den Entbehrungen und vom rechtlosen Leben der Häftlinge. Im Frauen-KZ Ravensbrück kamen 28000 Häftlinge ums Leben kamen.

Jan wollte u.a. wissen, wie die Umstände im KZ Ravensbrück waren, wie viele Häftlinge in einer Baracke hausten? Kevin interessierte sich dafür, wie lange die Überlebenden brauchten, um all das Schreckliche zu verarbeiten? Immer wieder mahnten die Gesprächspartner, alles dafür zu tun, dass es nie wieder Krieg gibt, der so viel Elend über die Menschen bringt.

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