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Hagenower Kreisblatt

13. Dezember 2017 | 00:38 Uhr

Aufbruchstimmung am großen Strom

vom

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erstellt am 20.Jan.2012 | 10:43 Uhr

Hamburg/Dömitz | Bisher hat die Elbe meist nur bei Hochwasser oder Eisgang als gefährlicher Fluss für Schlagzeilen gesorgt, hat mehr getrennt als verbunden. Künftig soll das auf der Oberelbe zwischen Wittenberge und Hamburg anders werden, soll der einzig noch naturbelassene Fluss Deutschlands als das wahr genommen werden, was er für viele schon ist: eine touristische Attraktion, eine wunderschöne Landschaft.

Bisher gibt es aber in diesem Bereich fast nur Kleinstaaterei, Stückwerk, Anfänge. Nun soll auf den 180 Elbkilometern viel Neues entstehen, sollen die Kräfte gebündelt werden, um deutlich mehr Menschen in die Region zu holen.

Beschlossen und besiegelt wurde das neue Elbe-Bündnis in dieser Woche im prächtigen Hamburger Rathaus. In dem Projekt mit dem Titel "Hauptsache Elbe" sind die Hansestadt mit ihrem Bezirk Bergedorf, die Landkreise Harburg, Lüneburg, das Herzogtum Lauenburg, Ludwigslust-Parchim und auch das Land Brandenburg vereint.

Das Ganze wird von Lüneburg aus koordiniert, es gibt ein Büro, es gibt 300 000 Euro und es gibt sehr ehrgeizige Pläne. "Wir in Hamburg denken bei der Elbe meist nur an Hafenrundfahrten oder an den Weg zur Nordsee. Was wir schaffen wollen ist ein Pendant zur Lüneburger Heide", hatte Dr. Rolf Barnim Foth vom Hamburger Senat, Stabsbereich Norddeutsche Zusammenarbeit, erklärt. Süddeutsche, auf die Elbe angesprochen, würden derzeit sagen: "Ja nach Dresden wollte ich auch schon einmal." Diese Bekanntheit müsse die Oberelbe nun auch anstreben.

Es ist nicht der erste Anlauf, den Tourismus auf diesem Flussabschnitt wieder so zu beleben, wie es vor dem Weltkrieg war. Doch das Vorhaben Urstromtal Elbe kam nicht recht voran. Jetzt kommt ein neuer Versuch, umfassender als vorher und mit klaren Vorgaben.

Bereits in diesem Herbst sollen konkretere Planungen über das vorliegen, was geschafft werden könnte. Am Ziel lassen die Beteiligten keine Zweifel:

Die Großlandschaft am Fluss soll erlebbarer werden, man möchte deutlich mehr Menschen in die Region holen, ohne gleich einen Massentourismus anzetteln zu wollen.

Ziel dieser Bemühungen, die sich nicht nur unmittelbar auf die Elbe konzentrieren, sind zunächst die Menschen in der Metropolregion Hamburg, und das sind schon einmal 4,3 Millionen. Diese an den Fluss und in Richtung Oberelbe zu locken, aus den vielen kleinen Angeboten, die es schon gibt, ein Netz zu knüpfen, das ist der Anspruch.

Begonnen wird bereits in diesem Jahr mit der Schifffahrt auf dem Fluss, wo sich z. B. die Reederei Heckert (mit Sitz in Dömitz und Hitzacker) sowie Barkassen-Meyer aus Hamburg zusammengetan haben. Beide Unternehmen bieten jetzt schon eine Verbindung von Hamburg bis Dömitz an und wollen das in diesem Jahr noch ausbauen. Fernes Ziel wären regelmäßige Verbindungen auf dem Fluss, einem Liniendienst vergleichbar. Das soll jedoch nur der Anfang sein, der Reiz liege in der Kombination der Angebote, deckte Projektleiter Jens Kowald schon mal die Karten auf. Für die meisten Touristen wäre eine Flusskreuzfahrt allenfalls als Hinweg oder Rückweg denkbar.

Bootsfahrer, Radler, Wanderer, das sind wichtige Zielgruppen. Viele Häfen am Fluss sind jedoch gar nicht für einen größeren Ansturm ausgerüstet, viele Schiffe, die auf der Elbe verkehren, müssen auch für Radfahrer attraktiv gemacht werden. Am Ende wird man an vielen Stellen zwischen Wittenberge und Hamburg an Investitionen gar nicht vorbeikommen. Die sind mit dem vergleichsweise bescheidenen Budget des Projektes natürlich nicht zu stemmen.

Viel schneller werden jedoch Ergebnisse bei den so genannten Synergien erwartet, weil jetzt z. B. vorhandenes Kartenmaterial oder Informationen für Bootfahrer schnell gebündelt werden können. Bisher mussten sich Interessenten das alles mühsam zusammensuchen.

Dass gerade der Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt zum offiziellen Projektauftakt dazu aufrief, das Briefmarkendenken zu überwinden, wundert nicht. Schließlich hat sein Kreis mit dem Amt Neuhaus ein Fünftel seiner Fläche hinzugewonnen. Der Fluss soll hier keine Grenze mehr sein, ist es aber im Alltag immer noch. Landrat Rolf Christiansen kann in dem Elbeprojekt auch nur Chancen entdecken, zumal er gleich mit zwei Biosphärenreservaten punkten kann. Für den Altkreis Ludwigslust ist es zugleich das erste Projekt als Fast-Mitglied in der Metropolregion Hamburg. Von der Millionenstadt, vom Durchdringen in die Herzen und Hirne der Hamburger werde viel abhängen, ob das Ganze ein Erfolg wird. Die Beteiligten gelobten in Hamburg den Willen zu langem Atem.

Für die Regionen stellen sich nun die konkreten Fragen: Was passiert mit der alten Eisenbahnbrücke in Dömitz? Wie schafft man es, dass Touristen vom Fluss schnell zum Ludwigsluster Schloss kommen? Was macht man aus dem schon eröffneten Biosphärenbahnhof in Brahlstorf und wann kann ich mich als Tourist darauf verlassen, dass ich per Schiff von Darchau aus wieder nach Hamburg komme? Diese und viele andere Fragen müssen in den kommenden Jahren beantwortet werden.

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