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Wölfe in Jessenitz : „Auf diese Nachbarn könnten wir verzichten“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In Jessenitz werden Wölfe jetzt schon fünf Meter vor der Haustür gesichtet. Angst um Hofhunde und Nutztiere

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 20:55 Uhr

Lübtheener und vor allem auch Jessenitzer sind sich der Tatsache bewusst, dass es in der Region ein immer größer werdendes Wolfsrudel gibt. Doch wenn so ein Tier dann tatsächlich kurz vor der eigenen Haustier steht, ist aus diesem Bewusstsein schnell auch mal ein richtig ungutes Gefühl geworden. So ging es am Sonntag zur besten Kaffeezeit Familie Kilinc in Jessenitz. Mutter Mandy wollte ihren Augen nicht trauen und stand erst unter Schockstarre am Küchenfenster des Ferienhauses. Keine fünf Meter entfernt von ihr war ein Wolf vor dem Gartenzaun und schaute sich in aller Seelenruhe um. „Das dauerte bestimmt zwei Minuten. Nach ein paar Sekunden jedoch schrie ich schon los und rief meinen Mann, der mit unseren fünf Kindern und dem Hund hinter dem Haus spielte. Als dann alle um die Ecke kamen, ergriff das Jungtier die Flucht“, so Mandy Kilinc, die mit ihrem Handy noch schnell ein Foto schießen konnte. Es sei nicht das erste mal gewesen, dass sie Wölfe gesehen hätten. „Beinahe hätten wir auf der Landstraße mal einen überfahren. Aber dass die so dicht kommen, macht uns schon etwas Angst. Vor allem um den kleinen Chihuahua, der jeden Eindringling furchtlos angreift“, so Mandy Kilinc, die mit ihrer Familie in Jessenitz gern zur Erholung weilt.

In der näheren Umgebung hätten die Teilzeit-Jessenitzer schon mehrfach von Übergriffen auf Schafe gehört, allerdings auf dem eigenen Anwesen bis auf diesen vermeintlich ersten Besuch noch keinen Kontakt zu den Wölfen der Lübtheener Heide gehabt. „Auf diese Nachbarn könnten wir verzichten. Das ist klar“, so Mandy Kilinc. Allerdings sei sie auch froh gewesen, dass sich das noch nicht ausgewachsene Wolfsjunge so schnell verscheuchen ließ.

Jüngst kam es in der Region zu mehreren Wolfsrissen, die vom Landwirtschaftsministerium auch bestätigt wurden. Sogar ein junger Ochse wurde von den Wölfen zerfleischt - immerhin fast eine halbe Tonne schwer. Im gleichen Atemzug berichteten Bauern von frühmorgendlichen und regelmäßigen Besuchen von Wölfen auf ihren Höfen. Der Landesbauernverband fordert daraufhin schon mehr Regulierungsmaßnahmen. An Bilder wie das aus Jessenitz sollten sich allerdings Anwohner gewöhnen. Einen interessanten Fakt zur Wolfssichtung liefert Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau. „Wir wissen ja, dass sich mehr als ein Dutzend Wölfe in unserer Heide angesiedelt haben. Wichtig ist aber, dass sich die Menschen, die solche Beobachtungen machen wie jetzt in Jessenitz, auch an die richtigen Stellen wenden. Wenn das in der Zeitung steht, ist das noch nicht genug. Das Wolfsmonitoring muss informiert werden. Dazu muss man bei der Bundesforst anrufen. Gerade wenn es speziell um solche Fälle geht, wenn Wölfe sich Häusern und Höfen ungewöhnlich nahe zeigen. Die Spezialisten müssen alles archivieren und können daraus später entsprechende Maßnahmen ableiten.

 

>>>UPDATE: Heute erreichten unsere Redaktion viele Zuschriften per Mail und in den sozialen Netzwerken, die sich mit dem Wolf in Jessenitz bei Lübtheen befassten. Das Gros der Botschaften war, dass es Zweifel an der „Echtheit“ des Wolfes gab. Vielmehr wollten Anwohner einen wolfsähnlichen Hund der Region erkannt haben. Genau zu identifizieren war das Tier im Nachgang nicht. Der Wolf bleibt Thema. Fakt ist, selbst wenn es nur ein wolfsähnliches Tier war, reicht das offenbar aus, um derartige Ängste zu wecken über die wir berichtet haben.  Für die weitere Recherche wäre es hilfreich, wenn wir konkrete Hinweise zu dem Wolfshund und seinem möglichen Halter bekommen könnten.

 

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