Studie räumt (fast) alle Zweifel an neuer Munition aus dem Weg : Auf der Jagd nach giftfreiem Fleisch

<strong>Ab April 2013</strong> darf in Teilen von Lübtheen und Hagenow nur noch mit bleifreier Munition (M.) auf die Jagd gegangen werden.<foto>Archiv</foto>
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Ab April 2013 darf in Teilen von Lübtheen und Hagenow nur noch mit bleifreier Munition (M.) auf die Jagd gegangen werden.Archiv

Debatte um giftfreies Wildfleisch: Der Widerstand von hiesigen Jägern gegen bleifreie Munition legt sich. Trotzdem spricht der Naturschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern (NABU) von einer reínen Verzögerungstaktik.

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20. Januar 2013, 05:18 Uhr

Hagenow | Debatte um giftfreies Wildfleisch: Der Widerstand von hiesigen Jägern gegen bleifreie Munition legt sich. Trotzdem spricht der Naturschutzbund in Mecklenburg-Vorpommern (NABU) von "reiner Verzögerungstaktik", weil noch immer kein Verbot der Bleimunition im Bundesjagdgesetz festgehalten ist. Es sei ein Skandal, dass das Thema Ende November 2012 komplett vom zuständigen Ministerium ausgeklammert wurde, so Stefan Schwill, NABU-Landesvorsitzender. Und das, obwohl jetzt eine Studie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vorliegt, die alle Zweifel gegen die Einführung bleifreier Munition widerlege. Fast alle.

Denn noch sei nicht nachgewiesen, wie giftig - oder eben nicht - die neue Munition wirklich ist, sagt Wilfried Röpert, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Ludwigslust, auf Nachfrage. Die Jäger der Region seien generell offen für die Pläne. Sie hätten sich nur solange dagegen gesträubt, weil nicht feststand, wie schonend bleifreie Patronen töten. Dass die in Sachen Tierschutz unbedenklich sind, hat die Studie nun gezeigt. Bleibt die Frage nach der Lebensmittelsicherheit. "Das muss genau geprüft werden, damit der Verbraucher Klarheit hat", sagt der Hagenower Wildhändler Ingo Spindler. Um genaueres nachzuweisen, liefert sein Betrieb seit letztem Jahr Fleischproben aus beiden Jagdmethoden an das Bundes-Forschungsprojekt.

Doch viele wollen das Ergebnis gar nicht erst abwarten. Einige Händler bestehen schon jetzt darauf, dass das Fleisch mit bleifreien Patronen erlegt wurde, so Wilfried Röpert. Auch etliche Jäger schießen bereits freiwillig mit neuer Munition. In Lübtheen und Hagenow darf man ab dem 1. April diesen Jahres gar nicht mehr mit Blei erlegen. Zumindest auf Flächen des Bundes wie dem Truppenübungsplatz Lübtheen und dem Standortübungsplatz Hagenow. Laut Matthias Weber vom Bundesforstbetrieb Trave in Lübtheen eine selbst auferlegte Verpflichtung, weil die Bundesforst die Probleme, die sich durch Bleigeschosse ergeben könnten, sehr ernst nehme. Der NABU verweist seit langem darauf, dass das umstrittene Material "das hochwertige Lebensmittel Wildfleisch belastet und bedrohte Tiere wie den Seeadler vergiftet", weil sie den Aufbruch nach der Jagd fressen.

Bis zum Frühjahr soll das Gutachten vorliegen, ob bleifreie Munition wirklich weniger toxisch ist, als ihr Pendant. Die Entscheidung müsse schnell, aber auch wissensbasiert fallen, heißt es dazu aus dem Ministerium von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Man müsse die Ergebnisse des Projektes zur Lebensmittelsicherheit abwarten.

Bis dahin wird es unter den Jägern des Altkreises Ludwigslust noch "hier und da Diskussionen" geben, schätzt Wilfried Röpert. Denn: Die Umstellung der Munition kostet. Allein die Patronen sind doppelt so teuer. Und noch passen sie längst nicht zu allen alten Waffen. "Darauf sollten sich die Munitionshersteller einstellen", so Röpert. Ansonsten müssen Jäger 5000 Euro und mehr für ein neues Kaliber ausgeben.

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