Auf den Kopf gedreht

Im Rettungssimulator zeigt Willi Winter, wie Kinder nach einem Überschlag aus ihren Sitzen befreit werden können. Fotos: Role
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Im Rettungssimulator zeigt Willi Winter, wie Kinder nach einem Überschlag aus ihren Sitzen befreit werden können. Fotos: Role

Verkehrssicherheitstag in Hagenow: Mitarbeiter der Verwaltung, des Bauhofs und der Kitas trainierten Rettung im Überschlagsimulator

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11. September 2019, 05:00 Uhr

Ganz langsam dreht sich ReSi zur Seite. Zumindest erscheint es so von außen. „Solch einen Überschlag simulieren wir natürlich nicht mit der realen Geschwindigkeit“, sagt Willi Winter, während sich der Wagen des Überschlags- und Rettungssimulators (ReSi) auf das Dach legt. „Wir wollen den Leuten damit zeigen, wie sie sich nach einem Unfall mit Überschlag selbstständig aus dem Gurt befreien können. Das ist nicht so ganz einfach, weil der Verschluss dann blockiert. Außerdem können wir die Rettung eines Kleinkindes aus dem Kindersitz simulieren“, erklärt der Trainer der Verkehrswacht Celle, der gleich einen Tipp parat hat. „Die meisten machen es gleich von Anfang an falsch und wollen bäuchlings in das auf dem Dach liegende Auto kriechen. Man muss aber auf dem Rücken liegen, damit man den Gurt aufmachen und das Kind sicher aus dem Sitz befreien kann.“

Diese erste Station beim Verkehrstag der Stadt Hagenow sei vor allem für die Erzieherinnen der Kindertagesstätte gedacht, meint Karin Rühlicke von der Verkehrswacht Ludwigslust, die den Tag in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und der Freiwilligen Feuerwehr Hagenow organisiert hat. „Der Bürgermeister hatte uns im ersten Halbjahr persönlich für eine Verkehrsteilnehmerschulung angefordert. Dabei sind wir mit den Mitarbeitern der Stadt, des Bauhofs und den Erziehern aus den Kitas die Theorie durchgegangen. Aus dieser Veranstaltung ist die Idee für diesen Praxistag entstanden.“

An verschiedenen Stationen konnten dabei nicht nur die Mitarbeiter der Stadt, sondern auch andere Interessierte, ihr Wissen überprüfen. „Sie können sehen, wo sie stehen, ihr Reaktionsvermögen testen oder auch erleben, welche Auswirkungen Alkohol und Drogen auf die Fahrtüchtigkeit haben“, sagt Karin Rühlicke, beispielsweise mit Hilfe von sogenannten Cannabis- und Schläfrigkeitsbrillen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Verkehrstages war das Thema Ablenkung. An der zweiten Station hatte die Landesverkehrswacht einen Aufprallsimulator aufgebaut. „Darin können wir mit Hilfe eines Tablets zeigen, was passiert, wenn sich Autofahrer durch ihr Handy ablenken lassen“, erzählt Fred Fritsche, der den Simulator bediente. Die Testfahrer mussten dabei während einer Fahrsimulation verschiedene Aufgaben am Handy erledigen, was in den meisten Fällen nach kurzer Zeit zu einem Unfall führte und den Aufprallsimulator mehrere Meter nach hinten schleudern ließ. „Der Abschuss simuliert einen Aufprall mit einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde. Es soll den Leuten zeigen, dass sie die Finger beim Fahren vom Handy lassen sollen.“

Jeder zehnte Verkehrstote gehe laut Allianz Ablenkungsstudie auf einen Unfall durch Ablenkung zurück, meint Axel Schirmeister, der an der dritten Station auf die Teilnehmer wartet. An einer Multimediasäule können sie dort Wissen in kurzen, interaktiven Videoclips testen. Anschließend warten auf sie an weiteren Stationen noch ein Reaktionsmessgerät, ein Fahrradsimulator, die Präventionsbeamten der Polizeiinspektion Ludwigslust sowie ein Fahrsimulator des „Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ (BADS).

„Wir sind ein ergänzender Part“, sagt Rainer Röper vom BADS Landessektion Schleswig-Holstein. „Mit unserem Fahrsimulator können wir Alkoholfahrten darstellen, bieten aber auch Reaktionsfahrten für ältere Verkehrsteilnehmer zum Testen an.“ Bei beiden Simulationen seien die Teilnehmer oft erstaunt über die Ergebnisse, die dann im Gespräch ausgewertet würden.

Eine sinnvolle Ergänzung für den Verkehrstag, wie Karin Rühlicke meint. „Wir konnten somit die gesamte Bandbreite an Unfallschwerpunkten aufzeigen.“

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