Schwerin/Hagenow : Attraktivität gestiegen: Mehr Jobs, aber noch viele Pendler in MV

Exklusive Analyse von Arbeitsagentur und SVZ: Steigende Angebote im Land, Fahrten zum Geldverdienen in den Westen bleiben konstant. Pohle
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Exklusive Analyse von Arbeitsagentur und SVZ: Steigende Angebote im Land, Fahrten zum Geldverdienen in den Westen bleiben konstant. Pohle

Exklusive Analyse von Arbeitsagentur und SVZ: Steigende Angebote im Land, Fahrten zum Geldverdienen in den Westen bleiben konstant

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06. April 2019, 05:00 Uhr

Einmal im Jahr wird aus Vermutung harte Wahrheit. Dann nämlich wenn die Schweriner Bundesagentur für Arbeit die Meldedaten vieler Arbeitnehmer vergleicht. Seit Jahren sorgt diese bundesweit fast einmalige Pendleranalyse für großes Interesse. Wer wohnt wo und wer arbeitet an welchem Ort?

>> Lesen Sie hier die ganze Pendleranalyse (pdf)  

Auffällig in diesem Jahr: Es gibt immer mehr Menschen, die in Westmecklenburg wohnen und auch arbeiten. Im Vergleich zum Vorjahr sind das immerhin 1054 mehr. Die andere Nachricht, die Zahl der Auspendler ist weiter stabil. Dafür ist die Zahl der Einpendler leicht gestiegen. Auch derer aus dem Westen. Doch alle positiven Entwicklungen im Land ändern nichts an der harten Tatsache, dass die Auspendler nach wie vor in der Übermacht sind. Von den 43 366 Menschen, die zur Arbeit Westmecklenburg verlassen, pendeln 36 670 in andere Bundesländer. Nur 6 696 bleiben zur Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern, müssen aber auch oft weit fahren. An der Spitze der Ziele liegen weiterhin Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Diese Zahlen haben sich im vergangenen Jahr kaum verändert. Die Region Lübeck liegt mit 8235 Auspendlern noch vor Hamburg (7291), Bad Oldesloe (6297) und Lüneburg-Uelzen (2407).

 

Attraktiver für Arbeitssuchende

„Wir in Westmecklenburg sind für Arbeitssuchende ein Stück attraktiver geworden, doch die Unterschiede zu den alten Ländern schließen sich nur ganz langsam. Positiv ist, dass immer mehr Menschen hier Arbeit finden. Das ändert jedoch nichts daran, dass unsere Region ein Auspendlergebiet ist“, schätzt Guntram Sydow als Chef der Schweriner Bundesagentur für Arbeit die Lage ein. Er hat die erneute Pendleranalyse veranlasst, die wieder mit großem Aufwand erhoben wurde.

Schwerin und die beiden Kreise Nordwestmecklenburg sowie Ludwigslust-Parchim sind trotz allen Abstandes zum nahen Westen über die Jahre immer attraktiver geworden für Arbeitskräfte aus anderen Regionen. Dafür spricht zum einen die steigende Zahl der Beschäftigten vor Ort. Aber auch bei der Zahl der Menschen, die zur Arbeit nach Westmecklenburg kommen, geht es vorwärts, wenn auch nur leicht. Dabei geht es insgesamt um 20546 Menschen. Auffallend ist dabei, dass die Zahl der Einpendler aus den alten Bundesländern zugenommen hat, um fast 500 im Jahr. Nimmt man die letzten Jahre unter die Lupe, so ist die Zahl der Einpendler aus den alten Ländern alle zwei Jahre um 1000 gestiegen.

>> Hier sehen Sie den interaktiven Pendler-Atlas mit Statistiken

Enorme Bewegungen im Pendlerbereich

Zu den Pendlerbewegungen über die Grenze Westmecklenburgs hinweg gibt es aber auch die so genannten Binnenpendler. Auch da gibt es enorme Bewegungen. So wohnen 13 232 Arbeitnehmer im Landkreis Ludwigslust-Parchim, ihr Arbeitsort ist aber Schwerin. Umgekehrt fahren 3981 Schweriner zur Arbeit in den Landkreis. Interessant ist auch der Blick auf andere Zahlen. Schwerin hat im Vergleich zum Vorjahr 217 Beschäftige mehr zu bieten, der Landkreis NWM hat hier ein Plus von 393, und der Landkreis LUP sogar 745. Es gibt folglich mehr Arbeit vor Ort. So können 52 678 Beschäftigte innerhalb der Grenzen des Landkreises Ludwigslust-Parchim bleiben, weil sie dort Arbeit finden.

Weiterlesen: Zahl der Berufspendler in andere Bundesländer weiter gewachsen

Angesichts der riesigen Ausdehnung des flächenmäßig zweitgrößten Landkreises in Deutschland bedeutet das aber auch Pendeln in der Region. In der Analyse wurde auch geprüft, wer sich die größten Pendlerstrecken zumutet: 70,6 Prozent der Auspendler haben einen anerkannten Berufsabschluss, 11,3 Prozent sind Akademiker. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Altersstruktur der Menschen, die zur Arbeit pendeln. Die Zahl der älteren Pendler steigt an. Im Jahr 2013 gab es 7371 Auspendler im Alter zwischen 55 und 65 Jahren, 2018 waren es 9714. Aktuell gibt es sogar 365 Auspendler, die älter als 65 sind. Für die Bundesagentur ein klares Indiz dafür, wie unterschiedlich noch Entlohnung, aber auch Wertschätzung sind.

An Grenzen am meisten gependelt

Wie stark die Pendler in Westmecklenburg wirklich sind, zeigt der Blick auf die erstmalige Gemeindestatistik. Zwar wird direkt an der früheren Grenze am meisten gependelt, doch auch weiter östlich stellen die Auswärts-Arbeiter eine starke Gruppe, die hier Steuern zahlt.

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