Fachleute warnen : "Asphalt-Mafia" schlägt wieder zu

Wenn Mängel auftauchen, kann man die Teer-Pfuscher nicht mehr belangen, weil sie sich längst aus dem Staub gemacht haben. Archiv
Wenn Mängel auftauchen, kann man die Teer-Pfuscher nicht mehr belangen, weil sie sich längst aus dem Staub gemacht haben. Archiv

An der Haustür bieten sie Privatleuten oder kleinen Unternehmern an, ihnen Hof oder Einfahrt frisch zu teeren. Wer auf dieses Angebot eingeht, hat vermutlich bald das Nachsehen. So wie in Vellahn und Umgebung.

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03. Mai 2012, 07:53 Uhr

Vellahn | Ihre Masche ist immer die gleiche: An der Haustür bieten sie Privatleuten oder kleinen Unternehmern an, ihnen Hof oder Einfahrt frisch zu teeren. Natürlich zu einem besonders günstigen Preis... Und zwar fast umsonst, weil sie gerade von einer anderen Baustelle kämen und noch Asphalt und Split übrig hätten, den sie sonst wegwerfen müssten. Wer auf dieses freundliche Angebot der sich häufig als Engländer oder Iren ausgebenden Männer eingeht, hat vermutlich bald das Nachsehen. So geschehen derzeit auch wieder in Vellahn und Umgebung.

Dabei gehen diese Trupps immer gleich vor: Die der deutschen Sprache mächtigen Kolonnenführer stellen sich als Mitarbeiter einer großen ausländischen Straßenbaufirma vor, die ganz in der Nähe an einer öffentlichen Straßenbaumaßnahme beteiligt seien und zufällig noch Asphalt übrig hätten. Dabei locken sie mit extrem niedrigen Preisen von sieben bis acht Euro pro Kubikmeter. Obwohl der reguläre Preis um die 30 Euro liegt. Die von den Kolonnen verwendeten Briefköpfe und Rechnungsvordrucke enthalten oftmals nur fingierte Firmennamen. Ermittlungen über das britische oder irische Handelsregister ergeben meist, dass es sich um Scheinfirmen handelt. Die Arbeiter sind oft weder im Besitz der erforderlichen Papiere, noch haben sie in Deutschland ein Reisegewerbe angezeigt. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat auch gezeigt, dass die Arbeiten ausnahmslos mangelhaft ausgeführt werden. Eine Gewährleistung durch die Teerkolonnen ist nicht gegeben, da diese sofort nach Erhalt des Bargeldes verschwinden. Wenn Mängel auftauchen, kann man die Teer-Pfuscher nicht mehr belangen, weil sie sich längst aus dem Staub gemacht haben.

Die "Teeroristen" mit ihren vielen Arbeitstrupps haben einen sehr großen Aktionsradius und können in wenigen Tagen überall in der Region in Erscheinung treten. Die Polizei warnt in dem Zusammenhang davor, Dienstleistungen dieser Art unüberlegt zu beauftragen. "In Zeiten der Geiz-ist-geil-Mentalität sollte man schon sehr genau hinschauen, was für eine Leistung man erhält", sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Man wisse aus der Vergangenheit, dass sich viele Kunden übers Ohr gehauen fühlten und sich deshalb an die Polizei wandten. "Doch letztendlich ist das eine zivilrechtliche Geschichte", betont Wiechmann. Wie bei allen Haustürgeschäften sollte man sehr skeptisch sein, rät er nochmals. Im Zweifelsfall sei es richtig, die Polizei, die Handwerkskammer oder den Zoll einzuschalten und um Rat zu fragen.

"Es gibt innerhalb der EU eine Dienst- und Niederlassungsfreiheit, die jeder nutzen kann. Jeder Kunde sollte also immer hinterfragen, ob die rechtlichen Reglungen in Deutschland beachtet werden", erklärt Ralf Bittner von der Schweriner Außenstelle des Hauptzollamtes Stralsund.

Birgit Ludwig, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg-Süd, informiert auf SVZ-Anfrage, dass handwerkliche Leistungen immer auch in der Handwerksrolle eingetragen sein müssen. Sollte ein Anfangsverdacht der unberechtigten Handwerksausübung bestehen, könne und sollte sich jeder Privatkunde auch an das Dezernat Ordnung des Landkreises wenden. "Diese Behörde prüft dann den Vorgang."

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