20 Fragen : Arzt, Tierfilmer und Segler

Der Tierfilmer Dr. Michael Paasch beim Filmen im Schilfrohr.
Der Tierfilmer Dr. Michael Paasch beim Filmen im Schilfrohr.

Dr. Michael Paasch ist mit Leib und Seele Mediziner und hat sich nebenbei noch einen Namen als Tierfilmer gemacht

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22. August 2015, 14:10 Uhr

Als er 1979 mit seiner Frau nach Boizenburg kam, wollte der frisch studierte Allgemeinmediziner und Betriebsarzt Dr. Michael Paasch eigentlich so schnell wie möglich wieder weg von hier. Nun ist er immer noch da und beabsichtigt auch weiterhin zu bleiben. Geboren wurde der Mann in Halle, aufgewachsen ist er in Magdeburg. Viele Boizenburger kennen ihn aus seiner Arztpraxis in der Reichenstraße, doch über die Region hinaus hat er sich einen Namen als Tierfilmer gemacht. Aktuell arbeitet er an einem 45-Minutenfilm mit dem Titel „Irgendwo in Mecklenburg“, der von der Stiftung Wald und Wild gefördert wird. Die Bilder sollen unter die Haut gehen und Achtung vor der Natur wecken. „Von 100 Filmminuten bleibt gerade mal eine Minute übrig, die man für einen Film verwenden kann“, erklärt Paasch.

Katja Frick von der SVZ hat ihm die 20 Fragen zum Wochenende gestellt.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Das ist ein Spruch meiner Mutter: „Konflikte, die man nicht lösen kann, sollte man mit dem Mantel der Liebe zudecken.“ Daran versuche ich mich zu halten. Mich ärgert es sehr, dass es zwischen Menschen so viele unnötige Streitereien gibt, für die einfach keine Lösung in Sicht ist. Dann sollte eine Partei nachgeben und den Konflikt mit Liebe zudecken.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Auf dem Hochsitz oder am Steuer eines Segelbootes. Ich bin kein Jäger, aber ich bin Naturfilmer. Die Hochsitze nutze ich für mein Hobby aber nur nach Absprache mit den Jägern. Segeln ist eine Leidenschaft von mir von Kindesbeinen an. Ich habe keine eigenes Segelboot, sondern chartere die Boote. So war ich schon in der Karibik, auf dem Indonesischen Meer, auf dem Indischen Ozean, auf der Ostsee und im Mittelmeer.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Schüler, mit drei Arbeiten gleichzeitig: Mit Kulissenschieben im Stadttheater Magdeburg, mit dem Nageln von Kisten in einem Schwermaschinenbaubetrieb und als Aushilfe in einer Röntgenarztpraxis.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für einen Fotoapparat. Damit habe ich Tierfotos gemacht. Ich habe die damals letzten in Deutschland lebenden Biber in und um Magdeburg beobachtet.

Wo findet man Sie am ehesten?
In meiner Arztpraxis. Und wenn nicht dort, dann auf meinem Hof in Groß Bengerstorf oder im Wald.

Was stört Sie an anderen?
Mangelnde Toleranz. Und bei Politikern: Bevormundung. Ich habe ein liberales Menschenbild. Die Frage ist doch, ob man an die Kraft des Einzelnen glaubt oder nicht. Wenn man nicht daran glaubt, muss man alles regulieren und erstickt die Kraft des Einzelnen.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
So etwas habe ich nicht. Es gibt natürlich Helden. Mir sind die kleinen Helden wichtiger als die großen, z. B. die, die mit einer schweren Krankheit fertig werden müssen oder die, die in der Pflege arbeiten. Die, die jeden Tag kämpfen müssen und zu wenig Beachtung finden.

Was würden Sie gerne noch können?
Ich würde gern wieder Gitarre spielen können. Ich habe mal Konzertgitarre gelernt und würde das gern wieder auffrischen. Die Gitarre steht schon bereit, die Noten sind schon aufgeschlagen.
Außerdem würde ich gern moderieren können, im Sinne von Vermitteln zwischen streitenden Parteien. Ich bin ja auch noch nebenbei ehrenamtlicher Richter. Es gibt ja oft mehrere streitende Parteien, die ihr Ziel entweder gar nicht oder nur auf Umwegen erreichen. Wenn ich es als Moderator schaffen könnte, die Egoismen der einzelnen Parteien auszugleichen, dann würde ich mir gern das Fachwissen dafür aneignen und im Gesundheitsbereich und im Naturschutz anwenden.

Was bedeutet Ihnen persönlich Glück?
Ein Leben mit der Familie und Enkeln in Norddeutschland. Ich habe einen Enkel, aber meine Kinder leben in Süddeutschland. Die sind Mathematiker und Biologe und würden gern wieder in den Norden kommen, aber sie finden hier keine passende Arbeit.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Albert Schweitzer, wenn er noch leben würde. Ich habe mich viel mit ihm beschäftigt. „Kultur ist, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Stand zu bringen“, das ist ein Zitat von ihm, das ich gut finde. Von den Lebenden würde ich schon gern einmal Angela Merkel treffen. Weil sie als Naturwissenschaftlerin und Politikerin vielleicht eine Antwort darauf hat, wie so viel Unverstand Einzug in die Politik halten konnte.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Das Übliche, nichts Besonderes. Ich esse eigentlich alles.

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Ein Tag länger als ein Leben“ von Dschingis Aitmatow. Ich lese ständig, ohne Buch kann ich nicht einschlafen. Das Buch habe ich nach langer Zeit mal wieder hervor gekramt. Es erinnert an die Diktatur, in der wir gelebt haben. Ich habe ja seinerzeit hier in Boizenburg das Neue Forum mit gegründet. Das war die aufregendste Zeit meines Lebens.

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Deftige Hausmannskost mit Bratkartoffeln. Genauso gern esse ich italienische Antipasti und Mittelmeerküche. Ist ja auch gesünder.

Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Frau.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Mit dem Segelboot um die Ostsee zu fahren. Dazu muss ich aber erst einmal Rentner werden, man braucht dafür ungefähr drei Monate.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Liberal.

Wo ist für Sie Heimat?
Da folge ich dem Ausspruch von Cicero „Ubi bene ibi patria.“ „Wo du dich wohl fühlst, ist Heimat.“ Also hier.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Mir sind vier Wünsche eingefallen.

1. Wunsch: Nach 35 Berufsjahren und unzähligen Gesundheitsreformen würde ich mir eine wünschen, die wirklich eine ist. Dazu einen passenden Praxisnachfolger, der auch schon in Aussicht ist.
2. Dass alle Menschen, die sich für den Naturschutz einsetzen, ihre Zwistigkeiten und Egoismen vergessen und sich auf ihr eigentliches Ziel besinnen.
3. Dass meine Kinder weitere Kinder bekommen und nach Norddeutschland ziehen.
4. Dass die zwölf Apostel, vollplastische Schnitzfiguren aus dem 16. Jahrhundert, die wahrscheinlich das bedeutendste Kunstwerk der Region sind und die in der Boizenburger Marienkirche in einem Kämmerlein unbeachtet herumstehen, restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Verraten Sie uns etwas, was kaum jemand über Sie weiß?
Nein.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Meinem alten Segelfreund seit über 20 Jahren: Frank Jehring aus Dodow. Er ist Geschäftsführer von Wesergold und der Firma „Schwechower Obstbrand“.

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