Groß Zecher : Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Wenn es die begrenzte Freizeit erlaubt, zieht es Hans-Hermann Scheel zuweilen auf sein Segelboot, um zu einem Törn auf dem Schaalsee zu starten.
Wenn es die begrenzte Freizeit erlaubt, zieht es Hans-Hermann Scheel zuweilen auf sein Segelboot, um zu einem Törn auf dem Schaalsee zu starten.

Hans-Hermann Scheel kann seinen Jahresurlaub erst im November nehmen, weil er vorher keine Zeit dafür hat

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13. August 2016, 12:00 Uhr

Dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist das große Privileg von Hans-Hermann Scheel (54). Auf dem Campingplatz in Groß Zecher, der unweit von Zarrentin direkt am Schaalsee liegt, ist er als Platzwart für die großen und kleinen Probleme der Campingfreunde zuständig. Camper aus dem norddeutschen Bereich, aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Berlin und Hamburg suchen gern das idyllische Örtchen auf, um dort zu entspannen. Tages- und Kurzgäste gehören ebenso dazu wie Saisoncamper, die von März bis Oktober dort ihre Wohnwagen nutzen. Seit 25 Jahren macht Hans-Hermann Scheel das nun schon. Der Platz ist ausgebucht, die Tagesgäste geben sich die Zeltstange in die Hand. Eigentümer des Platzes ist Harald von Witzendorff.

Hans-Hermann Scheel kennt die Gegend im westlichen Bereich des Schaalsees wie seine Westentasche, weil er in Salem aufgewachsen ist. Auf dem Campingplatz ist er zuständig für die 110 Dauercamper und 30 Touristenplätze, auf denen auch Mietwohnwagen stehen. Seine Saison auf dem Platz beginnt Mitte März mit der Vorbereitung und endet schließlich Ende Oktober mit der Winterfestmachung. Im November geht er in den Urlaub, den er den gesamten Sommer ja nicht nehmen kann, und fängt dann im Januar im Forstwirtschaftsbetrieb von Witzendorff an zu arbeiten, bis zum Start der Campingsaison im März.

Die sieben Monate Camping im Jahr seien für ihn toll, aber er brauche auch die drei Monate im Wald für sich als Ausgleich. Im Vergleich zur Arbeit auf dem Campingplatz hat er dann eine geregelte Arbeitszeit. Zum ausgefüllten Job kommt das Ehrenamt als Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Groß Zecher sowie als stellvertretender Gemeindewehrführer von Seedorf und zweiter stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Seedorf. Seine Familie und vor allem seine Frau Meike stärken ihm den Rücken. Kurz nach der Wende hatten beide geheiratet, seine Frau kommt aus dem benachbarten Lüttow in Mecklenburg.

Hans-Hermann Scheel beantwortet SVZ-Redakteur Dieter Hirschmann zwischen zwei Camping-Anmeldungen die beliebten Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto? Lebe und genieße jeden Tag und mache das Beste draus.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz? Meine Vorfahren kommen von der Küste aus Fehmarn, da ist Küste und Wasser. Meine Lieblingsplätze müssen immer am Wasser sein. Am Schaalsee ist es schon schön, aber ich bin auch gern an der Küste, auf Usedom und Rügen, meinetwegen auch auf Sylt. Da fühle ich mich wohl. Es muss also immer in Verbindung mit Wasser sein.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient? Das war als Schüler, da war ich 15 Jahre jung, habe Kartoffeln in die Trommeln geschaufelt, damit sie gereinigt werden. Das habe ich den ganzen Tag über gemacht.
Und wofür haben Sie das Geld ausgegeben? Das war vor 40 Jahren, ich kann heute gar nicht mehr sagen wofür, wahrscheinlich für mein Fahrrad oder mein Moped.
Wo findet man Sie am ehesten? Im Sommer von Montag bis Montag auf dem Campingplatz Groß Zecher und im Winter im Wald.
Was stört Sie an anderen? Das ist einfach gesagt. Jeder hat ja so seine Eigenheiten und wir können ja auch nicht alle gleich sein. Aber es gibt Grundregeln. Mich stört aber, wenn sich jemand nicht benehmen kann. Das fängt beim Grüßen an, wenn man in einen Raum kommt und hört nicht bei der Hilfe für Senioren auf.
Wer ist Ihr persönlicher Held? Helden sind für mich Menschen, die ein Ehrenamt übernehmen und sich uneigennützig für das Gemeinwohl einsetzen, das sind die Kameraden in den Feuerwehren, das sind Menschen, die sich um die Flüchtlinge kümmern oder in ihrer Freizeit behinderte Menschen betreuen.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen? Was ich noch einmal machen will? Ich werde bestimmt mit meiner Frau im Wohnmobil nach Norwegen fahren. Vor 22 Jahren haben wir das schon einmal gemacht, und das war so schön, dass wir das noch einmal machen wollen.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück? Dass in der Familie alles in Ordnung ist, denn das ist die Basis für alles andere.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank? Unser Kühlschrank ist über die Woche von Montag bis Freitag eigentlich recht übersichtlich. Am Wochenende allerdings herrscht dort Luxus. Die Woche ist der Kühlschrank so mager bestellt, weil meine Frau in ihrer Firma isst. Und mich bekocht meine Chefin, Marie von Witzendorff mit ihren 81 Jahren. Das empfinde ich als angenehm. In der Firma essen wir zusammen Frühstück und Mittag und besprechen dabei gleich die anliegenden Arbeiten. Am Freitag fährt meine Frau einkaufen und dann gönnen wir uns schon einen Becher Fleischsalat oder Krabben oder Hackepeter beispielsweise.
Welches Buch lesen Sie gerade? Ich bin kein Mensch der Bücher liest, da bin ich kein Typ für. Aber in Fachliteratur, zum Beispiel für die Feuerwehr, da kann ich mich reinsteigern und finde einen guten Zugang. Einen Roman würde ich nicht so lesen. Aber ich lese gern die Zeitung. Am Montag nehme ich immer die Schweriner Volkszeitung aus Zarrentin mit, um zu lesen, was es in unserer unmittelbaren Nachbarschaft so gibt.
Worauf könnten Sie niemals verzichten? Auf meine Familie.
Könnten Sie sich mit nur einem Wort beschreiben? Nein, mit drei Worten: Pünktlich, herzlich, rustikal.
Wo ist für Sie Heimat? Hier am Schaalsee und auf Fehmarn, weil dort meine Wurzeln sind.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten? … Dann wünsche ich mir für meine Familie und mich Gesundheit, das nötige Kleingeld in der Geldbörse und dass wir weiterhin friedlich miteinander leben können.
Verraten Sie uns, was kaum jemand über Sie weiß? Nein, denn das braucht auch heute keiner wissen.
Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen? Meinem Schwager Heiko Frank aus Valluhn. Als langjähriger ehrenamtlicher Bürgermeister von Lüttow-Valluhn kann er sicherlich so allerhand erzählen.


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