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Hagenower Kreisblatt

24. November 2017 | 07:01 Uhr

Gesundheit : Apotheker wollen Zeichen setzen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Mit Unterschriften-Kampagne haben Kunden für den Erhalt der flächendeckenden Versorgung durch Präsenzapotheken unterschrieben

von
erstellt am 06.Mär.2017 | 08:27 Uhr

„Unser Gesundheitssystem orientiert sich, anders als in vielen anderen Ländern, am Wohl des Patienten“, stellt Brigitte Czerannowski im SVZ-Gespräch klar. Es fuße auf Leistung, Qualität und Sicherheit, nicht auf Gewinne und Renditen. Und meint damit die aktuellen Entscheidungen der europäischen Union, die es ausländischen Konzernen noch einfacher machten, sich durch den Versandhandel zu bereichern. Internationale Unternehmen wollten sich nur die Rosinen aus dem System picken, ohne einen wesentlichen Beitrag für die Patienten zu leisten. „Das gefährdet die Apotheken vor Ort“, sagt die 53-Jährige, die seit 1986 als Apothekerin tätig ist und seit 22 Jahren in Zarrentin ihre Dienste anbietet. Nachdem sie fünf Jahre lang studiert habe. Mit einer Unterschriftensammlung, die von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V initiiert worden ist, und Anfang des Monats zu Ende gegangen war, solle nun ein starkes Zeichen an die Politik gesendet werden, betont die gebürtige Französin. Dass der Europäische Gerichtshof die deutsche Preisbindung für Arzneimittel kippt, behagt ihr gar nicht. Sie sieht das Gesundheitssystem in Gefahr.

Brigitte Czerannowski: „Wir brauchen ein Gesetz, dass den Versandhandel auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente begrenzt. Wird diese Art der Geschäftemacherei nicht gestoppt, entfallen vielleicht bald schon die Nacht- und Feiertagsdienste, gibt es keine persönliche Beratung, keine Kontrollen mehr zum Schutz vor gefälschten Arzneimitteln, keine flächendeckende Versorgung der Patieten vor Ort, keine schnelle Lieferung von Medikamenten und keine Therapiebegleitung für chronisch Kranke.“ Deshalb sei es jetzt an der Zeit, sich zu wehren.

Das sieht offensichtlich auch Dietrich Monstadt so. Der Bundestagsabgeordnete setzt sich für den Erhalt von Apotheken ein: „Sie sind für die medizinische Versorgung der Menschen wesentlich. Sie bieten ihren Kunden viele Serviceleistungen, wie Blutdruck- oder Blutzuckermessungen sowie eine qualitative Beratung direkt von Mensch zu Mensch. So können z. B. Unklarheiten bei der Verordnung beseitigt, als auch Arzneimittelrisiken reduziert werden“, betont der CDU-Gesundheitspolitiker kürzlich bei einem Treffen mit Apothekern aus dem Raum Hagenow und Zarrentin.

Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, kurz EuGH, aus dem Herbst vergangenen Jahres, sind die in Deutschland geltenden, verbindlichen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente für Versandapotheken aus dem Ausland nicht bindend. Danach müssten die örtlichen Apotheken in einen Wettbewerb mit Versandapotheken treten, die Arzneimittel zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten können. Viele Apotheker, gerade im ländlichen Bereich, fürchten nun um ihre Existenz. Eine persönliche und wohnortnahe Versorgung, die vor allem ältere Patienten schätzen, wäre dann nicht mehr wie bisher gegeben. Auch die kurzfristige Verfügbarkeit von Notfallmedikamenten vor Ort wäre damit gefährdet.

Das von der Union geführte Bundesgesundheitsministerium wolle deshalb per Gesetz festschreiben, dass der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verboten werden solle und damit ein klares Signal für den Erhalt von inländischen Apotheken setzen.

„Es geht hier um Schutz von Leben und Gesundheit von Patientinnen und Patienten, gerade in Akutsituationen“, betont Mohnstadt weiter. „Deshalb wollen wir am bestehenden System einer flächendeckenden, wohnortnahen und gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimittel auch weiter festhalten.“

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es übrigens ungefähr 400 öffentliche Apotheken und neun in Krankenhäusern, die eine Arzneimittelversorgung rund um die Uhr garantieren.

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