Herzliche Worte in Berlin : Anna und der Bundespräsident

Joachim Gauck (l.) nahm sich Zeit für herzliche und persönliche Worte.
Joachim Gauck (l.) nahm sich Zeit für herzliche und persönliche Worte.

Joachim Gauck lud Buchautorin aus Neu Zachun anlässlich des Frauentages ins Schloss Bellevue

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10. März 2015, 16:24 Uhr

Dieser Märztag  in der Hauptstadt war sehr aufregend für Anna Palinski, Autorin des Buches „Mein Leben gehört mir“.  Eine Einladung beim Bundespräsidenten sei schließlich das Größte, was einem im Leben passieren könne, findet die 47-Jährige aus Neu Zachun. Bundespräsident Joachim Gauck hatte anlässlich des Internationalen Frauentages gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation „Terre des Femmes“  zu einem Symposium unter dem Titel „Gemeinsam gegen Gewalt an Mädchen und Frauen“ ins Schloss Bellevue eingeladen . „Terre des Femmes“ stellte im Rahmen der Veranstaltung gleichzeitig ihre neue Kampagne „Schaust du hin?“ vor.  In Deutschland ist oder war schon jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen.

Buch als Befreiungsschlag
So wie Anna Palinski. Sie schrieb 2011 ein Buch über ihre Erlebnisse.
„Dieses Buch war der absolute Befreiungsschlag“, erzählt die ehemalige Ostberlinerin. Es mache sie sehr stolz, dass   sich so viele Frauen in ähnlicher Situation durch ihr Buch ermutigt fühlten.  Sie erhalte auch heute noch, vier Jahre nach Erscheinen des Buches, zahlreiche Mails  sowie Nachrichten über ihren Facebook-Account.  Aber nicht nur Betroffene bedankten sich bei ihr für ihren Mut,  ihre persönlichen Erlebnisse öffentlich zu machen. Auch Prominente  wie Gloria zu Thurn und Taxis, Ingrid Biedenkopf, Manuela Schwesig und sogar Altbundeskanzler Helmut Schmidt drückten ihre Bewunderung dafür aus.

Im November letzten Jahres kam dann die Anfrage von Terre  des Femmes, ob sie sich vorstellen könne,  beim Empfang des Bundespräsidenten anlässlich des Internationalen Frauentages in Berlin als Referentin aufzutreten.  Anna Palinski sagte sofort zu.

Der große Tag im Schloss Bellevue begann mit einem ganz persönlichen Treffen  bei Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Zu diesem Gespräch waren neben Anna Palinski nur noch eine  andere Referentin,  die Geschäftsführerin von Terre des Femmes, Christa Stolle, sowie zwei weitere Mitarbeiterinnen der NGO eingeladen. Der Bundespräsident habe sie als  Landsmännin sehr herzlich begrüßt,  erzählt die Mecklenburgerin. Gauck fand ihre Geschichte sehr bewegend und sei beeindruckt gewesen, dass sie darüber ein Buch geschrieben habe. Dieses Buch gehöre unbedingt in die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen Mut zu machen.  Er wünsche sich, dass das Thema häusliche Gewalt von den Mitmenschen mehr Aufmerksamkeit bekomme und alle genauer hinsehen, wenn es in ihrer Umgebung Anzeichen dafür gibt.

Anna Palinski hatte sich schon vorher überlegt, was sie dem Bundespräsidenten in diesem einzigartigen Moment sagen wollte:  Sie wünschte sich vom deutschen Staatsoberhaupt, er möge sich für eine zentrale, dreistellige Notrufnummer einsetzen, die von den Medien und den betreffenden Institutionen schnell bekannt gemacht werde. Die derzeitige Telefonnummer für Betroffene  08000 - 116 016 würde niemand kennen und sei viel zu lang.

Gauck nahm sich noch Zeit für ein Foto
Im Anschluss an das Gespräch nahm sich Joachim Gauck noch Zeit für ein Foto mit der Neu-Zachunerin, zu dem er auch den jetzigen Ehemann von Anna Palinski hinzu bat, der zum nachfolgenden Symposium ebenfalls eingeladen war.

Ob ihr Mann aufgeregt war? Nein, gesteht Andreas Palinski. Ihn hätten eher praktische Fragen beschäftigt, wie das Finden eines Parkplatzes am Freitagnachmittag in  Berlin oder wo Hundewelpe Cletos  untergebracht werden könnte. Aber auch für ihn sei die Begegnung mit  Gauck ein wichtiges Erlebnis gewesen. Der Bundespräsident habe zu ihm gesagt, dass er es toll fände, wie er seine Frau unterstützt.

Auf dem Symposium am Nachmittag hatte auch der Kurzfilm „Schaust Du hin?“ Premiere, in dem Prominente die Aktion von „Terre des Femmes“ mit filmischen Kommentaren unterstützen. Anna Palinski antwortete dann  auf Fragen zu ihrem Buch.  Das abschließende Fünf-Sterne-Buffet konnten sie und ihr Mann aber nicht mehr genießen. Welpe Cletos musste aus dem Hundekindergarten abgeholt werden.

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