Buch über Weihnachtsbräuche : Angst vor dem Schimmelreiter?

Peitschenknaller und Weihnachtsmann als nachgestaltete Figuren der weihnachtlichen Umzüge aus der Gegend um Röbel.
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Peitschenknaller und Weihnachtsmann als nachgestaltete Figuren der weihnachtlichen Umzüge aus der Gegend um Röbel.

Museumsleiter Henry Gawlick gibt zusammen mit der Stiftung Mecklenburg neues Buch über Weihnachtsbräuche heraus

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Angst vor dem Schimmelreiter hat heute wohl keiner mehr. Doch es gab hierzulande Zeiten, in denen das gemeine Volk mächtigen Respekt vor Schimmelreiter, Rugklaas und Kinnjes hatte. Vor allem in der Weihnachtszeit nahmen sich nämlich meistens die Knechte und Mägde im frühen Mecklenburg mehr raus, als ihnen zustand. Sie zogen am heiligen Abend durch die Dörfer und flößten den Bäuerinnen und Bauern durch ihr Aussehen und durch ihre Drohungen zuweilen Angst ein. Wer ihnen allerdings etwas schenken konnte, kaufte sich damit frei von weiteren Drangsalierungen.

Eine abgewandelte ähnliche Tradition allerdings zur Faschingszeit gibt es heute immer noch in Strohkirchen. Der alljährliche Faslamsumzug in Strohkirchen fällt immer auf den letzten Sonnabend im Februar. Seit 1882 pflegen die Strohkirchener Junggesellen diese Tradition, wobei bei ihnen mehr die musikalische Umrahmung des Zuges durch das Dorf im Mittelpunkt steht. Der Hagenower Museumsdirektor Henry Gawlick hat jetzt in seinem neuen Buch „Rugklaas, Kinnjes, Schimmelrieder“ einen lebendigen Weihnachtsbrauch in Mecklenburg und seine Geschichte auf knapp 180 Seiten näher unter die Lupe genommen, in dem es allerdings mehr zur Sache geht. Das Buch, das der Autor in Kooperation mit der Stiftung Mecklenburg erarbeitet hat, liegt jetzt passend zur Weihnachtszeit druckfrisch vor. Henry Gawlick schrieb im Jahr 1998 das erste Buch zur Thematik der Weihnachtsbräuche. „Ein Brauch hat mich damals schon besonders interessiert. Dabei geht es um die Weihnachtsumzüge der Knechte, wenn sie sich verkleiden und als unterschiedliche Figuren von Hof zu Hof ziehen, jeweils eine Show abziehen, und dafür etwas bekommen“, erzählt der Autor, der seine Aufgabe darin sieht, das geschichtlich Wertvolle für die Nachwelt zu erhalten. Denn in vier mecklenburgischen Dörfern, in Buchholz, Zepkow und Wredenhagen südlich von Röbel sowie Tarnow bei Bützow wird diese einst weit verbreitete Weihnachtstradition noch gepflegt. In seinem Buch heißt es dazu, dass ... „Die Akteure und Adressaten damit Bewahrer einer Facette des immateriellen Kulturerbes Mecklenburgs sind“. Das Buch ist das Ergebnis eine knapp 20-jährigen geschichtlichen Aufarbeitung des Themas.

Und worum geht es nun im Detail? Gawlick befasst sich mit den geschichtlichen Hintergründen der Umzugsbräuche. Die Leser erfahren, was es mit den Knieperdacksen in Buchholz, mit den Klappendacksen von Zepkow und Wredenhagen sowie mit dem Schimmelreiter von Tarnow bei Bützow zu tun hat. In einem abschließenden Abschnitt geht es um die moderne Form des Gabenbringers. Das gebundene Buch ist im Handel, in der Hagenow-Information und beim Autor zu bekommen.

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