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Renate Hille-Steinke aus Neuhof : "Anderer Leute Müll ist meine Kunst"

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Um es gleich mal vorweg zu nehmen: diese Frau ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Renate Hille-Steinke fröhnt einer großen Leidenschaft, nämlich den Dingen um sich herum ein neues Aussehen zu geben.

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erstellt am 10.Dez.2012 | 05:42 Uhr

Neuhof | Um es gleich mal vorweg zu nehmen: diese Frau ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt. Renate Hille-Steinke fröhnt einer großen Leidenschaft, nämlich den Dingen um sich herum ein neues Aussehen zu geben. Und bestenfalls auch einen anderen Gebrauchswert. Nichts bleibt von ihr verschont. Schränke, Tische, Kommoden, Regale, alles vom Sperrmüll oder gebraucht, erhält mit lebensfrohen Farben und pfiffigen Ideen einen Anstrich, der nicht selten verblüfft und oft eigene Weltanschauungen in Frage stellt. Steinbilder zieren die Wohnungswände. Das geräumige Bad ist eine riesige Mosaik-Landschaft. Jede Säule im Haus ist mit Kachelstücken verziert. Einst lieblos bemalte Figuren führen mit deutlichem Mut zur Farbe ein besseres Eigenleben.

"Ich bin mit dieser Vorliebe schon aufgefallen, da konnte ich gerade mal laufen", erzählt die 72-Jährige, die die Bezeichnung Künstlerin so gar nicht gerne hört. "Anderer Leute Müll ist meine Kunst. Weggeworfenes wiederzubeleben und den Dingen eine neue Natur zu geben, das ist ein Drang, dem ich gehorchen muss", gesteht die gebürtige Kolbergerin, die seit einem Jahrzehnt in Neuhof lebt, hier eine neue Heimat gefunden hat, wie sie sagt. "Außer Unterwäsche und Socken ist alles in meinem Haus gebraucht und wurde von mir umgestaltet. Ich muss einfach meine Fantasie abarbeiten", sagt Renate Hille-Steinke. Über das mit dem Abarbeiten können sich seit geraumer Zeit auch die Wittenburger ein Urteil erlauben. Denn am örtlichen Markt hängt ein 11,6 mal 6,5 Meter großer Wandbehang. Auf den rund 66 Quadratmetern sind mit sogenannten Applikationen eine weihnachtliche Geschichte erzählt.

"Ein Rentier fehlt und Kinder können es suchen. Natürlich auch Erwachsene, die sich selbst nicht so ernst nehmen und Kind geblieben sind", erklärt Renate Hille-Steinke weiter, die 21 Tage an dem Stoffbild genäht hat. Es bestehe unter anderem vollkommen aus ausrangierten Pullovern, Bettlaken, Hosen und Gardinen. "Die Leute haben ihre Schränke durchforstet und alles vorbeigebracht, was sie nicht mehr brauchen", erinnert sich Renate Hille-Steinke. Das Material reiche auch noch für weitere Wandbehänge. In der Großen Straße 52 seien ebenfalls bereits zwei ausgestellt, zusammen mit einigen Holz- und Betonskulpturen, Mosaiken, Malereien und Gobelins, also bestickte Wandteppichen.

"Das alles kann noch bis Jahresende dort angesehen werden." Sie, Renate Hille-Steinke, wolle ihre Ideen gern kostenlos an andere Menschen weitergeben. Damit diese sie wiederum benutzten, um Freude zu bereiten. "Ich möchte meine Erfahrungen und Fertigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Weil ich finde, dass in unserer Gesellschaft einfach zu viel weggeworfen wird. Das muss nicht sein, denn vieles hat eine echte Chance auf ein zweites und drittes Leben verdient. Mitten unter uns."

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