Wolf im Amt Neuhaus : „Anderer Artenschutz“ gefordert

Olaf Lies fordert Kehrtwende im Umgang mit dem Wolf.
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Olaf Lies fordert Kehrtwende im Umgang mit dem Wolf.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies: „Wir müssen Wölfen zeigen, dass sie nichts in der Nähe von Menschen zu suchen haben.“

svz.de von
15. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Der Wolf ist in Niedersachsen inzwischen heimisch geworden. Wir müssen jetzt eine neue, eine ehrliche Debatte führen. Wir müssen Wölfen zeigen, dass sie in der Nähe von Menschen nichts zu suchen haben“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies gestern bei der Vorstellung seines Arbeitsschwerpunktes „Wolf“ im Landkreis Cuxhaven, und er forderte damit offenbar eine Kehrtwende im Umgang mit den Raubtieren. „Steigenden Zahlen von Nutztierrissen müssen wir mit praxisorientierten Maßnahmen begegnen. Die rechtlichen Möglichkeiten müssen wir voll ausschöpfen, wir dürfen uns nicht hinter Paragraphen verschanzen. Der Wolf ist ein Raubtier und deshalb muss ein anderer Artenschutz greifen als bei Wiesenvögeln oder Gelbbauchunken.“

Gleichzeitig kündigte Lies an, die Ausweitung der Richtlinie Wolf zu prüfen. Künftig sollten auch Deichverbände, Stiftungen oder Hobby-Tierhalter Fördermittel für Präventionsmaßnahmen erhalten. Bisher können das nur Tierhalter im Haupt- und Nebenerwerb.

Die Überlegungen kann Hauke Hanstedt, Wolfsberater im Amt Neuhaus, nur befürworten. „Wir Berater haben schon länger gesagt, dass es uns nichts nützt, wenn wir nur professionelle Halter unterstützen und deren Tiere dann geschützt sind.“ Die Wölfe würden so lernen an Hobby-Haltungen zu gehen.

Gerade private Halter stellt so ein wolfssicherer Grundschutz vor Probleme. Zwar können sie sich kostenlos von Hauke Hanstedt beraten lassen, die abweisenden Maßnahmen sind aber mit hohen Kosten verbunden, die sich nicht jeder leisten kann. Darüber nachdenken sollten die Züchter aber trotzdem. Denn in den vergangenen Monaten gab es im Amt Neuhaus eine Menge Wolfsrisse.

Hauke Hanstedt sah sich zuletzt sogar veranlasst eine Warnung herauszugeben und riet den Haltern, ihre Tiere nachts einzustallen. Auch wenn er den Wölfen noch keine sogenannte Standorttreue nachweisen konnte. Immerhin sind einige Fälle nun aber offiziell bestätigt. „Ich habe eine E-Mail vom Wolfsbüro bekommen. Für die Risse in Stixe, Privelack und Dellien vom Dezember ist demnach das Individuum GW872s verantwortlich. Eine Wolfs-Fehe“, so Hanstedt. Spuren von ihr seien bisher nur im Landkreis Lüneburg und von ihm selbst aufgenommen worden. Da die Fälle innerhalb von sehr kurzer Zeit aufgetreten sind, könne es aber möglich sein, dass es ein umherziehendes und kein sesshaftes Tier ist. „Im Moment sieht es wieder so aus, als wenn Ruhe herrscht“, meint Hanstedt, „aber das kann sich schnell ändern.“

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