Der Chef mischt mit : „Andere reinzulegen, ist furchtbar“

Packt als Chef auch  selbst mit an: Unternehmer Gerhard Klinckmann aus Picher. Hier an der Karosse eines Oldtimers.
Packt als Chef auch selbst mit an: Unternehmer Gerhard Klinckmann aus Picher. Hier an der Karosse eines Oldtimers.

Unternehmer Gerhard Klinckmann aus Picher rügt im SVZ-Interview die häufige Unseriosität und den ökonomischen Krieg in der Wirtschaft

svz.de von
06. Dezember 2013, 16:59 Uhr

Ruhig und besonnen geht Gerhard Klinckmann die Dinge an. Der Unternehmer aus Picher liebt den Schweriner See, das Angeln und den Wassersport – ein Ausgleich zur Arbeit in der Lackierfirma, die er 1995 übernommen hat. Schon immer werkelt der heute 60 Jahre alte Diplom-Ingenieur und Kfz-Meister gern. Und auch jetzt noch packt der Chef selbst mit an. Ehrenamtlich mischt Gerhard Klinckmann in der Gemeindevertretung, im Unternehmerverband und als Vize-Präsident in der Handwerkskammer mit. Mehr über sich verrät er Franca Niendorf im SVZ-Interview.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Picher?

Mein Lieblingsplatz ist hier, in meiner Firma. Die Arbeit macht mir einfach Spaß.

Was würden Sie als Bürgermeister von Picher sofort ändern?

Als Gemeindevertreter war ich schon immer am Nerv der Gemeinde. Und ich bin zufrieden mit allem, was wir erreicht haben. Wir sind viele Charaktere, die sich einig sind und fürs Wohl der Gemeinde einstehen. Das, was ging, haben wir gemacht.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Schon als Zwölfjähriger hab’ ich an Autos geschraubt und dafür auch Geld bekommen. Da hab’ ich ein Praktikum hier in der Firma gemacht.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Ich habe es in ein Tonbandgerät gesteckt und damit immer samstags die Hitparaden aufgenommen. Von klein auf war ich Musikliebhaber.

Wo findet man Sie am ehesten?

Ich bin häufig in Schwerin bei meiner Partnerin. Dann verbringen wir viel Zeit im Bootshaus. Ich liebe den Schweriner See, Wassersport und Angeln. Das ist ein schöner Ausgleich.

Was würden Sie gerne noch können?

Was mich immer noch interessiert hat, ist ein Flugschein. Aber dafür ist es heute wohl zu spät.

Was stört Sie an anderen?

Wir haben eine gesellschaftliche Entwicklung, in der man durch Egoismus vorankommt. Es entsteht der Eindruck, die Tollsten sind die, die lügen. Dadurch haben wir es in der Wirtschaft häufig mit Unseriosität zu tun. Das ist ein ökonomischer Krieg. Aber andere reinzulegen, ist furchtbar.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich lache eigentlich immer gerne und fühle mich auch in solchen Runden sehr wohl.

Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?

Wenn man unternehmerisch tätig ist, muss man oft auch Risiken auf sich nehmen. Die stellen sich dann mitunter hinterher als unvernünftig heraus. Fehlkäufe zum Beispiel. Aber ohne Risiko kein Erfolg.

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Das ist schwer auszudrücken in einer Person. Ich habe viele Vorbilder und versuche, ihnen nachzueifern. Man entwickelt sich ja ständig.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Meistens Fachbücher oder -zeitschriften. Zur Zeit lese ich viel über Fotografie. Das ist ein Hobby von mir.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich schaue gerne Krimis aller Art und dokumentarische Filme über Tiere. Aber auch Sendungen, die sich mit wissenschaftlichen Dingen beschäftigen.

Wo trifft man Sie eher? Beim Fußball oder Volleyball?

Eher beim Schieß- oder Wassersport.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?

Ich versuche schon, die Ernährung bewusster anzugehen. Deshalb findet man dort immer Wasser, Apfelschorle oder Bio-Marmelade. Und Standardsachen wie Käse, Streichwurst, Gemüse und gelegentlich Fisch.

Was kommt bei Ihnen auf den Tisch, wenn Sie auswärts essen. Griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Ich habe nach der Wende fast alles Neue ausprobiert und auch viel gegessen. Das war interessant und mal was anderes. Mittlerweile bevorzuge ich die deutsche Küche. Ich liebe aber auch das Mediterrane und Meeresfrüchte.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Obama. Den finde ich als Person interessant und er ist mir sympathisch. Außerdem habe ich es nie für möglich gehalten, dass jemand mit afrikanischen Wurzeln Präsident der Staaten wird.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

Mit Satisfaction von den Rolling Stones. Damit verbinde ich schöne Erinnerungen aus der Jugendzeit und an viele Tanzabende.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gern und von wem haben Sie es bekommen?

Emotional gesehen waren meine beiden Kinder das größte Geschenk. Ansonsten hatte mir mein Opa damals eine Schwalbe geschenkt. Das war schon sehr beeindruckend und mit einem hohen Freiheitswert verbunden.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Ich möchte die Dinge in der Firma weiter erfolgreich umsetzen. Es ist ja immer ein Auf und Ab und mitunter nicht leicht als Unternehmer. Nach der Aufbauphase und Stabilisierung soll es jetzt noch ans Perfektionieren gehen. Ich möchte das Gelände und die Gebäude optisch aufwerten.

Was werden Sie als Rentner tun?

Ich setze mir keine Grenze und arbeite solange, wie ich das Gefühl habe, dass da noch was bei rauskommt. Und solange ich positiv wirken kann... Es gibt noch viel zu tun. Aber irgendwann werde ich mir sicher mehr Freizeit gönnen und versuchen, einen vernünftigen Mix zu finden. Ich würde dann sicher viel angeln und schwimmen gehen.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Roland Eilfeld aus Boizenburg oder Bodo Bachmann aus Kirch Jesar.

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