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Pendler : An diesem Tropf hängt Westmecklenburg

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Überschuss in Richtung alte Länder ungebrochen / Die meisten pendeln nach Schleswig-Holstein, erst dann folgt Hamburg / Schwerin behauptet weiter seine Bedeutung als Oberzentrum

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Die meisten Pendler Westmecklenburgs verdienen ihr Geld nicht in Hamburg sondern in Schleswig Holstein. Erst dann folgt die Hansestadt, gefolgt von Niedersachsen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Stichtagsanalyse der Schweriner Bundesagentur für Arbeit, die jetzt exklusiv mit der Schweriner Volkszeitung ausgewertet wurde.

Im Ergebnis sind die Zahlen des Pendlermarktes beeindruckend: In Westmecklenburg (Landkreise Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Schwerin) gab es zum Stichtag 42 729 Auspendler, das ist eine Quote von 24,2 Prozent. Dem gegenüber stehen die so genannten Einpendler, das waren 17 699 Menschen. In der Analyse werden die jeweils gemeldeten Wohn- und Arbeitsorte verglichen.

Die massiven Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt finden nach der Analyse aber längst nicht mehr nur in Richtung alte Bundesländer, sondern auch innerhalb der Region sowie in Richtung Norden und Osten statt. Verglichen mit der ersten umfassenden Betrachtung dieser Art hat sich die Lage auf dem Pendlermarkt so gut wie nicht verändert. „Die Zahl der Auspendler hat sich innerhalb eines Jahres gerade einmal um 337 verringert. Das ist statistisches Grundrauschen und in den meisten Fällen wohl auf das Alter der Betroffenen zurückzuführen“, erklärte Dirk Heyden, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwerin. Es sei bisher eben nicht gelungen, Pendler in Größenordnungen für den Arbeitsmarkt in Westmecklenburg zu gewinnen. Heyden: „Diese Zahlen zeigen, wie groß das Potential noch immer ist, das es zu heben gilt.“

Schleswig Holstein und Hamburg bleiben die Gewinner, bei den Regionen fällt vor allem die sehr hohe Zahl der Pendler im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf.

Von den 84 449 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis arbeiteten immerhin 35 127 außerhalb der Kreisgrenzen, das sind 41,6 Prozent. In Schwerin sind nur 30,6 Prozent Auspendler. Die Landeshauptstadt ist als Oberzentrum in der Region auch der Gewinner bei den Einpendlern. Von den 47 197 Beschäftigten in Schwerin wohnen 24 376 nicht in der Stadt. Ein Phänomen, das sich nicht nur mit dem Speckgürtel erklären lässt.

Verglichen mit dem Hamburger Umland, wo es Einpendlerquoten von 40 Prozent und mehr gibt, ist der Pendlermarkt in Westmecklenburg formal gar nicht so groß. Rechnet man jedoch die betroffene Fläche und die täglich anfallenden Arbeitswege hinzu, ist der Aderlass in Richtung alte Länder schon extrem. Zumal in der Statistik der Agentur Selbständige, Beamte oder Studenten gar nicht erfasst sind. Zieht man folglich die Lage bei den Handwerkern in Betracht, von denen sehr viele im Hamburger Raum ihr Geld verdienen, ist die tatsächliche Lage noch eindeutiger.

Hauptgrund für die seit Jahren stabile Lage auf dem Pendlermarkt sind die immer noch existierenden Gehaltsunterschiede. Auch hier bietet die Analyse neue Zahlen. So liegen die durchschnittlichen Gehälter in Hamburg noch immer 25 bis 30 Prozent über denen in Westmecklenburg. Laut Agentur lag das mittlere Monatseinkommen in Hamburg zuletzt bei 3300 Euro Brutto. In dieser Summe ist alles dabei, von Teilzeit über Zuschläge bis zum Weihnachtsgeld. In Schwerin wurde ein Wert von 2514 Euro im Schnitt ermittelt. In Ludwigslust-Parchim kamen die Statistiker dagegen auf 1966 Euro. Lohnend ist auch ein Blick auf die Berufe der Pendler. „Da dominieren die Weiße-Kragen-Jobs, also die Büroberufe, die wir in Mecklenburg in der Menge und in der Bezahlung gar nicht haben“, so Agenturchef Heyden. Allerdings pendeln auch sehr viele Techniker, Elektriker, Kraftfahrer oder Schlosser, die man gern auch in Mecklenburg beschäftigen würde. Doch offenbar lohnt sich das Arbeiten vor Ort für viele nicht, auch 423 Lehrer gehören zu den Auspendlern. Laut Statistik ziehen es 124 Ärzte und Apotheker vor, nicht am Wohnort zu arbeiten. Die Aussichten, dass sich an der Lage in den kommenden Jahren etwas grundsätzlich ändert, sind gering. Denn die 45- bis 55Jährigen stellen die größte Gruppe bei den Auspendlern, 46,8 Prozent sind gar älter als 45. Diese Menschen, die seit vielen Jahren pendeln, zum Wechsel in die Heimat zu bewegen, ist Aufgabe der kommenden Jahre.

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