Elbverkehr : „Amt Neuhaus“ hat ausgedient

Die „Amt Neuhaus“ im Einsatz auf der Elbe
Die „Amt Neuhaus“ im Einsatz auf der Elbe

Landkreis bereitet sich auf Kauf einer neuen Fähre vor. Wind, Strömung und Technik sorgen immer wieder für Probleme mit altem Schiff

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22. September 2017, 12:00 Uhr

Sie ist eine der wichtigsten Verbindungen über die Elbe. Die Fähre „Amt Neuhaus“ in Bleckede fährt fast täglich von 5 Uhr bis 23 Uhr im Dauerbetrieb. Nun scheinen die Tage des 88 Jahre alten Schiffes allerdings gezählt. Der Landkreis Lüneburg plant den Kauf einer neuen Fähre – bis dahin sind aber noch einige Hürden zu nehmen. „Die Idee einer neuen Fähre gibt es schon länger“, erzählt Jürgen Krumböhner, erster Kreisrat. Grund sei, dass die alte Fähre schon immer Kinderkrankheiten hatte. „Das Schiff läuft nur noch durch hohe Anstrengungen der Betreiber bzw. Glück“, so Krumböhner.

Und das zeigt auch ein Blick in die Vergangenheit: Schon zwei Mal war die „Amt Neuhaus“ unter Wasser. 1945 wurde sie in Bad Honnef geplündert und versenkt, knapp ein Jahr später wieder geborgen. Das zweite Mal ging das Schiff 1990 in der Nordsee unter, als es auf der Überfahrt seiner zwischenzeitlichen Heimat Holland nach Bleckede in einen Sturm geraten war.

Es scheint also wirklich Glück gewesen zu sein, dass es die „Reinhilde“, „God med ons IV“ bzw. „Amt Neuhaus“ bis an ihren heutigen Einsatzort geschafft hat. Das sie jetzt noch fährt, liege an den Betreibern. „Das Ehepaar Wilhelm kennt mittlerweile jede Schraube“, so Krumböhner. Was sie allerdings nicht verhindern könnten: Bei stärkerer Strömung und Wind komme das Schiff schnell an die Belastungsgrenze. Nicht nur deshalb hat der Landkreis nun eine neue Fähre ins Auge gefasst. Es wird offenbar auch befürchtet, dass es künftig zu längeren Ausfallzeiten durch Reparaturen kommen könnte. „Eine Ertüchtigung der „Amt Neuhaus“ ist möglich, wohl aber keine dauerhafte Lösung“, meint Jürgen Krumböhner. Und eine umfassende Sanierung würde sicherlich eine Menge Geld kosten, ebenso wie eine neue Fähre.

Der erste Kreisrat rechnet mit zweieinhalb bis drei Millionen Euro für den Kauf eines neuen Schiffes. Dafür wird es dann aber auch eine speziell auf die Bedürfnisse zugeschnittene Fähre geben. „Die Ingenieure müssen sich die Gegebenheiten vor Ort genau ansehen. Das Ziel ist es, dass auch die neue Fähre von nur einer Person bedient werden kann.“ Daneben müsse sie mit Hoch– und Niedrigwasser zurecht kommen sowie auch schwere Fahrzeuge, wie Busse, tragen können. Denn das ist eine Anforderung des Landes Niedersachsen, wenn der Kauf einer neuen Fähre gefördert werden soll. Der Landkreis alleine könnte sich diesen nur schwerlich leisten. Weitere Ausgaben würden die Anleger in Anspruch nehmen. Sie müssten wahrscheinlich für ein neues Schiff verändert werden.

Bis es soweit ist, dauert es aber noch eine Weile. Auf einen genauen Zeitplan wollte sich Krumböhner nicht festlegen. Sein Ziel sei, die Vorplanungen noch dieses Jahr durch die Politik absegnen zu lassen. Gut möglich also, dass die „Amt Neuhaus“ erst mit 90 Jahren oder mehr in Ruhestand geht.

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