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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 10:46 Uhr

Boizenburg : Amt Boizenburg: Böttcher hört auf

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der Mann vom Sachgebiet Bau des Amtes Boizenburg Land geht in Rente / Seit der Amtsgründung 1992 mit dabei

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:38 Uhr

Er gehört zu den nur noch drei Mitarbeitern des Amtes Boizenburg Land, die bei dessen Gründung 1992 mit dabei waren. Am nächsten Montag hat Detlef Böttcher vom Bauamt seinen letzten Arbeitstag, dann geht er in Rente. Alle Bauprojekte der elf Gemeinden des Amtes gingen in diesen vergangenen 23 Jahren über seinen Schreibtisch. „Das waren mindestens hundert. Ich saß hier sozusagen auf dem Kutschbock und hab’ die Zügel in der Hand gehalten“, sagt der Fastrentner im Gespräch mit unserer Redaktion. Viele Millionen Euro sind durch seine Hände gegangen.

Verwaltung hat Detlef Böttcher aber eigentlich nicht gelernt, er kam 1992 aus der technologischen Planungsabteilung des Fliesenwerkes an den Schreibtisch im Bauamt. „Aber hier gibt es ja auch Ergebnisse, die man sehen kann. Ich kann zeigen, was ich mitgebaut habe“, blickt er nicht ohne Stolz zurück. „Das sind dann schon kleine Erfolgserlebnisse. Auch wenn dann abgerechnet wurde und es gab keine Beanstandungen vom Zuwendungsgeber. Und die gab es nie“, erzählt Detlef Böttcher. „Die Sachverständigen wussten immer, dass meine Unterlagen richtig und vollständig sind.“ Das habe zur Folge gehabt, dass dann auch gern bei ihm angerufen wurde, wenn mal irgendwo Geld übrig war. Denn die Geldverteiler wussten, dass Böttcher es ihnen einfach machen wird.

Die Gemeinden kamen zu Detlef Böttcher, wenn sie ein Dorfgemeinschaftshaus, ein Feuerwehrhaus oder eine neue Straße wollten. „Aber die Gemeinden haben meistens kein Geld, um das zu bezahlen. Dann fing ich an, nach Fördermitteln zu recherchieren.“ Außerdem handelte er mit den Fördermittelgebern die Bedingungen aus, wie der Antrag gestellt werden muss, damit er förderfähig ist. „Das ist ein enormer Verwaltungsaufwand“, findet Böttcher. „Die Verwaltungskosten für einen Euro Fördermittel betragen drei Euro.“ Der ganze Prozess sei in den letzten Jahren sehr bürokratisch geworden. Hätte früher ein Förderantrag drei Seiten gehabt, seien es heute mit der seit Juni 2015 geltenden neuen Richtlinie zwölf. Das liege natürlich auch daran, dass oft EU-Gelder eine Rolle spielten. Und gerade seit der Sache mit Griechenland werde natürlich darauf geachtet, dass mit den Fördermitteln kein Unsinn getrieben wird. „Früher gab es ja auch hier bei den Bürgermeistern die Denke, da gibt’s Fördermittel, also bauen wir das.“ Jetzt hätten die Gemeinden an den Unterhaltungskosten von beispielsweise mehreren Dorfgemeinschaftshäusern zu tragen. Gerade seit Einführung der doppelten Buchführung müssten ja auch die Kosten für die Abschreibungen nachgewiesen werden.

Als das Projekt, was ihn am meisten beschäftigt hat, hat der Großvater von zwei Enkelinnen den Anschluss von Neu Gülze an die zentrale Abwasserbeseitigung in Erinnerung. „Da war der Widerstand aus der Bevölkerung sehr groß. Aber jetzt sind alle wegen des hohen Grundwasserstandes sehr froh darüber.“

Böttcher macht froh, dass er zum Schluss noch ein Projekt zu einem guten Ende bringen kann, dass schon seit 15 Jahren ansteht. Ab 2017 wird es nun doch Fördergelder für den Ausbau der Straße „Friewei“ in Neu Gülze geben.

Aber dann wird er selbst sich bereits in Gallin um seine 60 Bonsais kümmern und daran erfreuen, dass er nun endlich mehr Zeit für seine Familie und vor allem die zwei Enkeltöchter in Hamburg hat.

Böttchers Schlusswort: „Ich hab’s gern gemacht, weil für die Menschen in den Dörfern was Sichtbares heraus gekommen ist.“

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