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Hagenower Kreisblatt

19. September 2017 | 17:26 Uhr

Bundeswehr : Amerikaner unter Hagenower Befehl

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hiesige Grenadiere übten in Bergen gemeinsam mit den US-Soldaten das Gefecht gegen einen überlegenen Gegner unter realistischen Bedingungen

von
erstellt am 18.Mai.2017 | 21:00 Uhr

Im Auslöser sieht man zunächst nur den Qualm aus dem 120-Millimeter Rohr des amerikanischen Panzers schießen, dann ist der Schall auch schon da, der Luftdruck lässt den Aufsichtswagen schwanken. Ohne Hörschutz wäre man hier schon fast taub. Dann schießt schon der nächste „M1 Abrams“ auf ein Ziel, das der deutsche Oberstleutnant Jan-Friedrich Tilmann vorgegeben hat. Dann peitschen MG-Garben, rückt ein deutscher Schützenpanzer Marder vor. Schließlich ziehen sich die ersten langsam zurück, hinter ihnen schließen Pioniereinheiten die vorbereitete Minengasse.

Mit der Rückkehr der meisten Soldaten geht heute eine harte Übungsphase beider in Hagenow stationierter Bataillone zu Ende. Die Grenadiere haben dabei besonders Spannendes zu berichten, haben sie doch im niedersächsischen Bergen zusammen mit amerikanischen Kampftruppen den Ernstfall im scharfen Schuss geprobt. Das Besondere dabei: Deutsche Grenadiere und Pioniere wurden mit einem amerikanischen Panzerzug zu einem Verband vereint. Und das Kommando hatten dieses Mal die Deutschen, gesprochen und befohlen wurde allerdings nur in englischer Sprache.

Willkommen bei den Hagenower Grenadieren. Das, was sie hier vor den Augen der SVZ-Kamera mit scharfer Munition im Gelände üben, nennt sich Verzögerung. Mann könnte es auch „geordneter Rückzug“ nennen. Denn in dieser Lage der Übung nimmt man an, dass überlegene gegnerische Kräfte angreifen. Von gut 30 „BMP“ und einer Kompanie „T 80“ ist da die Rede. Das ist deutlich, man hätte genausogut auch von der russischen Armee sprechen können.

Die Amerikaner, die mit den Deutschen im Rahmen der Übung eine Einheit bilden, können mit den Russen einiges anfangen. Schließlich kommen sie gerade vom Einsatz aus dem Baltikum. Normalerweise ist die „1.BTL 68 Amort Regiment“ in Fort Carson im Bundesstaat Colorado stationiert, doch für neun Monate sind die Berufssoldaten in Europa unterwegs. Der Trip nach Bergen gehört dazu, wie Captain Kyle Penelli, der Chef der 34 Mann, im Gespräch bestätigt. Mit ihrer Unterstellung unter das Kommando des deutschen Bataillonskommandeurs Tilmann haben die Amerikaner gar kein Problem. Sie sind Profis und die Deutschen haben bei ihnen auch als Soldaten einen guten Ruf.

Jan-Friedrich Tilmann ist nur nur Chef des Hagenower Bataillons, er ist vor allem Grenadier mit Leib und Seele. Und er fühlt sich wohl auf dem Platz, fordert seine Leute, will Ergebnisse sehen. Das Zusammenspiel mit den Amis macht ihm Spaß. Schließlich war er auch schon in Norfolk mal stationiert, sein englisch ist flüssig und fast akzentfrei. Doch bevor es losgehen kann, wird die Geduld aller auf die Probe gestellt. Bei den Aufklärern ist eine Drohne abgestürzt, die muss nun gesucht werden, Schießen ist da nicht erlaubt. Nicht nur wegen des Wüstenanstrichs sind die amerikanischen Panzersoldaten die Attraktion auf dem Riesenplatz. Wann bekommt man schon als Deutscher eine „Abrams“ in Aktion zu sehen. Die Amipanzer sind wegen ihrer Gasturbine viel leiser als die deutschen Leoparden, müssen dafür aber laufend zum Tanken fahren. So ein Szenario wie es auf dieser Großübung „Haffschild“ nachgestellt wird, ist im übrigen nicht unrealistisch. Schon jetzt ist es üblich, aus mehrer Einheiten verschiedener Nationen Verbände zu formen und zusammen zu üben. Bei Kampfpanzern sieht es in Deutschland derzeit nicht gut aus, die Bundeswehr hat insgesamt etwas mehr als 220 in ihrem Bestand.

Schon deswegen ist die Übung mit den Amerikanern auch für die erfahrenen deutschen Grenadiere schon ein Höhepunkt. Soldaten der 1., 3. und 4. Kompanie mit Stab, insgesamt 265 Mann, waren vom Bataillon 401 dabei. Die Erleichterung, nicht im Standort zu sein, war angesichts der politischen Großwetterlage spürbar. „Schreiben Sie das ruhig auf, was wir hier wirklich machen“, wird dem SVZ-Reporter immer wieder gesagt. Von den Verdächtigungen in Sachen Rechtssein halten hier alle nichts. Die meisten fühlen sich zu Unrecht von „den Medien“ in die Ecke gedrängt. Offiziell mag das natürlich niemand sagen, keiner will zusätzlichen Ärger.

Mit den Kameraden des anderen in Hagenow stationierten Bataillons hatten die Panzergrenadiere im übrigen täglich zu tun. Denn der Patenverband der Stadt Ludwigslust hatte die tägliche Versorgung der Brigade zu stemmen.

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