Neue Anlagen in Hagenow : Am Automaten ist jeder auf Sendung

<strong>Ein Mitarbeiter</strong> der beauftragten Spezialfirma kontrolliert den richtigen Sitz des  neuen Automaten, wer als Kunde so an dem Gerät herumwerkelt, bekommt sofort Besuch.
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Ein Mitarbeiter der beauftragten Spezialfirma kontrolliert den richtigen Sitz des neuen Automaten, wer als Kunde so an dem Gerät herumwerkelt, bekommt sofort Besuch.

Nur Bares ist Wahres, daran hat sich trotz EC und aller möglichen Karten nur wenig geändert. Satte 450 Millionen Euro in bar haben die Kunden der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin allein 2011 an den 53 Automaten abgehoben.

svz.de von
27. Juli 2012, 06:25 Uhr

Hagenow | Nur Bares ist Wahres, daran hat sich trotz Electronic Cash und aller möglichen Karten seit Jahren nur wenig geändert. Satte 450 Millionen Euro in bar haben die Kunden der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin allein 2011 an den 53 Automaten des Institutes abgehoben. Umgerechnet sind das 145 Euro pro Auszahlung, die durchschnittlich ins Portemonnaie wanderten, immerhin gingen die Sparkassenkunden 3,1 Millionen Mal in nur einem Jahr zum Geldautomaten. Kein Wunder, dass die Sparkasse immer wieder enorm investieren muss, damit die Cash-Maschinerie möglichst nie ins Stocken gerät.

In Hagenow sind in dieser Woche Automaten einer neuen Generation eingebaut worden. Für die vier Automaten sind allein 72 000 Euro fällig geworden, rechnet man noch die nötigen Umbauarbeiten dazu, dann landet man jenseits der 100 000 Euro. Und doch lohnt es sich für das Institut.

Auch Ältere haben weniger Scheu vor den Automaten

Eine auffällig grüne pulsierende halbrunde Taste fällt jedem zuerst auf, der an den neuen Geldautomaten tritt. Doch das ist längst nicht alles: Großer Bildschirm mit Animationsvideos, größere Tasten, eingebauter Sichtschutz für die Eingabe, das sind die äußeren Zeichen der neuen Technikgeneration. Das andere sieht der Kunde nicht, er merkt es nur. Zum Beispiel, dass er sein Geld nun auch schneller bekommt. Die neuen Automaten kommen gerade den Älteren entgegen, bessere Lesbarkeit, leichtere Bedienung - das zählt im Kampf um die Gunst der Kunden.

Aufmerksame Geldabheber werden auch relativ schnell das Kamerafenster in der Front des Automaten entdecken. Das ist gewollt, es gibt jedoch noch rund um die Automaten weitere, unsichtbare Absicherungen. Schließlich geht es ums liebe Geld, da ist kein Aufwand zu hoch.

Das gilt auch für die Geheimhaltung. Bei den Umbauarbeiten im SB-Bereich der Hagenower Filiale ist alles abgedeckt, längst nicht alles darf fotografiert werden, Wachleute sichern den Bereich. Niemand soll auch nur auf die Idee kommen, man könnte sich an den neuen Automaten vergreifen. Schon ein Tritt gegen die Wand (weil das Konto vielleicht leer war) hat Folgen. Zu behaupten, man habe das Geld nicht herausgenommen hat auch keinen Sinn. Per Digitalkamera wird alles sichtbar und unsichtbar gefilmt und jeder Abhebung zugeordnet. Wer seine Karte in der Hektik im Eingabeschlitz vergisst, dem bleiben nun 30 Sekunden, dann wird die Karte aus Sicherheitsgründen eingezogen. Früher war diese Frist deutlich länger.

Wieviel Geld im extra gepanzerten und abgeschirmten Bereich eines solchen Automaten sitzt wird natürlich nicht verraten. Dafür erklärt Bernd Lambrecht, Gruppenleiter Bauorganisation und Logistik bei der Sparkasse, den Begriff der "Haushaltsmischung". Das sind Geldscheine in der Stückelung 5, 10, 20 und 50 Euro. Die Automaten haben nämlich nur vier Fächer, in denen die Geldscheine deponiert werden können. Lambrecht: "Da richten wir uns nach den Kunden, wir haben als Sparkasse eben viele, die auch kleine und Kleinstbeträge abbuchen wollen. Daher geben unsere Automaten in der Regel auch keine Hunderter heraus." Pro Tag kann man bei der Sparkasse maximal 500 Euro abheben, alles andere muss man am Schalter klären.

Aufgefüllt werden die Automaten im Schnitt zweimal die Woche, das kann sich aber auch ändern, wenn Hagenow z. B. Stadtfest feiert oder Weihnachten vor der Tür steht. Da gäbe es langfristig gesicherte Erfahrungen, so dass man das sehr gut planen könne. Und es gibt natürlich die Tage, wo massiv Geld abgehoben wird. Intern wird das der "Ultimo-Tag" genannt, das ist der Tag, wo der Staat das Geld an Bedürftige, z. B. bei Hartz IV überweist und auch die meisten Firmen das Gehalt zahlen.

Wer seine Karte in den Automaten steckt (übrigens muss jetzt der Magnetstreifen wieder unten sein) der muss, wissen, das Karte und Konto gleichermaßen geprüft werden. Erst dann gibt es das Geld. Zu dem System gehört auch eine entsprechende Rechentechnik. Das Ganze ist über eine Notstromversorgung abgesichert. Als in Hagenow vor wenigen Wochen wegen eines Gewittersturmes der Strom ausfiel, hielten die Automaten fast zwei Stunden weiter durch, garantiert sind 45 Minuten.

Neue Automaten können mit Gas nicht gesprengt werden

Manipulierte Tastaturen, Automaten, mit Gas befüllt und dann gesprengt wurden, vor Wut zerschlagene Bildschirme, zugeklebte oder blockierte Kartenleser - es gibt viele Angriffe auf die Geldautomaten. Die Sache mit dem Gas ist mit den neuen Automaten komplett sinnlos geworden, die Geräte sind explosionsgeschützt. Und sie haben auch ein Anti-Skimmingmodul, damit wird das betrügerische Auslesen verhindert.

All das zu installieren, zu pflegen und zu bestücken kostet, die Sparkasse gibt im Jahr allein 120 000 Euro aus, um ihr Automatennetz instand zu halten. Selbst simple Kontoauszugsdrucker kosten zwischen 5000 und 6000 Euro. Doch der Aufwand, der in der Region betrieben wird, ist zugleich auch der Vorteil der Sparkasse. Nur sie und die VR-Banken können den Kunden in ländlichen Gebieten überhaupt ein akzeptables Automatennetz bieten.

Fremdkunden: Sparkasse lässt sich den Aufwand vergüten

Um so bitterer ist es, wenn sich andere Banken des Netzes umsonst bedienen wollen. "Das ist ungefähr so, als wenn sie als Besitzer eines italienischen Sportwagens den soliden Service einer VW-Werkstatt zum Garantie-Niedrigpreis haben wollen und zwar für immer. Das kann natürlich nicht gehen", schimpft Sparkassen-Regionaldirektor Jürgen Mohrdieck und erklärt damit den Kampf um die Gebühren, die Fremdkunden bezahlen müssen. Inzwischen hat man sich auf 5,70 Euro je Vorgang geeinigt. Sparkassenkunden zahlen natürlich nichts. Für das Kreditinstitut geht es bei den Gebühren nicht nur um den Schutz der eigenen Interessen, sondern um Gerechtigkeit.

Das Selbstbewusstsein der Kassenbanker ist in den Krisen der vergangenen Jahre stetig gestiegen. Denn man hat solide gewirtschaftet, die Kunden sind mit ihren Spareinlagen geblieben, die Vormachtstellung im Privatkundenbereich in der Region ist weiterhin ungebrochen.

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