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Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 17:06 Uhr

Helm : Alptraum: Drei Tage ohne Strom

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

In Helm bei Wittenburg lebten die Menschen jetzt wie zu vergangenen Zeiten. Gestärkte Gemeinschaft durch Hilfe.

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Es waren wohl die unangenehmsten Tage der vergangenen Jahre in Helm. Quasi drei Tage ohne Strom, weil Sturmtief Xavier von Donnerstag bis Sonnabend alles lahmgelegt hatte. Rein rechnerisch waren es zwar nur knapp 48 Stunden, aber den Menschen in Helm kam es vor wie eine Ewigkeit. „Wir fühlen uns hier schon ein bisschen allein gelassen“, sagt Volker Siering am Sonnabendmittag, als es in Helm noch immer zappenduster ist. Der dritte Tag ohne Strom, ohne warmes Wasser, ohne Heizungssystem. Das zerrt an den Nerven. Die Helmer sprechen von schlechtem Krisenmanagement der Wemag. Doch der Anbieter reagiert auf SVZ-Nachfrage so: „In der Spitze waren bis zu 35.000 Kunden nicht mit Strom versorgt. Im gesamten Netzgebiet wurde sich bei der Störungsbeseitigung zunächst auf die Hauptleitungen konzentriert, an denen die meisten Kunden angeschlossen sind. Auch im Bereich Wittenburg wurden zunächst die Leitungen vom Umspannwerk Wittenburg zum Umspannwerk Hagenow repariert und in Betrieb genommen. Damit wurde sichergestellt, dass etwa 400 Kunden wieder versorgt werden konnten. Leider war dies für Helm und für Klein Wolde nicht möglich.“

Den Bewohnern von Helm waren warme Worte in dieser Situation weniger wichtig. Sie freuten sich, als am Sonnabend-Nachmittag dann endlich wieder Energie floss. Denn die Notbehelfe mit dem gekochten Kaffee auf dem Dreibein oder das geteilte Notstromaggregat in der Nachbarschaft sollten ja kein Dauerzustand bleiben. „Eine Nachbarin ist leider schwer krank und muss ihre Medikamente im Kühlschrank lagern. Wir halfen ihr, die Präparate in einen Nachbarort zu bringen“, sagt Volker Siering. In einem Dilemma steckte auch die Familie Kiencke. Die Jägersleute, die auf ihrem Hof auch Wild zubereiten, hatten nicht nur die Kühlzelle voll, sondern auch ganze Gefrierschränke. „Einen Teil mussten wir abtransportieren. Ein paar Truhen konnten wir mit Notstrom kühl halten“, sagt Willi Kiencke, der trotz der Zustände wie beinahe vor 150 Jahren den Humor nicht verlor. „Wenn der Strom wieder da ist, setze ich mir erstmal einen Kaffee auf“, sagt der Helmer.

Eines jedoch hatten die Einwohner nicht verstanden. Warum meldete sich die Wemag nicht einmal persönlich im kleinen Ort. Dazu hieß es vom Netzbetreiber: „Der Krisenstab hat die Freiwillige Feuerwehr in Perdöhl am 7. Oktober um 19.25 Uhr erreicht. Ein Kamerad bot an, einer Verwandten und weiteren Bekannten in Helm mitzuteilen, dass die Stromversorgung über Nacht nicht gelingt und die Reparaturarbeiten mit Tageslicht am Folgetag aufgenommen würden.“

Service hätten sich die Helmer, die sich etwas vergessen gefühlt hatten, anders gewünscht. „Irgendwie persönlicher.“




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