Alpincenter: Notbremse fürs Solargeld

Großbaustelle Hallendach, Montagetrupps für die Untergestelle der Solaranlage auf der größten Skihalle Europas. Die Dimensionen des Geplanten sind gewaltig. Foto: Pohle
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Großbaustelle Hallendach, Montagetrupps für die Untergestelle der Solaranlage auf der größten Skihalle Europas. Die Dimensionen des Geplanten sind gewaltig. Foto: Pohle

svz.de von
25. Juni 2012, 06:11 Uhr

Wittenburg | Aus Angst, Hunderttausende Euro an Einspeisevergütung für Solarstrom zu verlieren, hat das Alpincenter in Wittenburg gestern seine Pforten vorläufig geschlossen. Nun können bis zu 20 000 Solarmodule auf dem bereits seit Wochen vorbereiteten Dach montiert werden. Bis zum 30. Juni müssen die Arbeiter damit fertig sein, um noch den zur Zeit geltenden hohen Satz an staatlich garantierter Vergütung zu bekommen. Grund für die Notaktion, die die Verantwortlichen gestern schweren Herzens beschlossen, ist die immer noch fehlende Baugenehmigung des Landkreises für den Aufbau der Solarzellen.

"Wir sind mit dem Kreis seit Wochen in Gesprächen, und immer wieder gibt es Änderungen, neue Auflagen. Jetzt geraten wir aber in Zeitnot und müssen handeln, wenn wir 30. Juni fertig sein wollen. Und das müssen wir, wenn wir nicht Jahr für Jahr Hunderttausende Euro verlieren wollen", erklärte der verantwortliche Manager Bob van den Nieuwenhuijzen gestern der SVZ. Und da der Landkreis nur Auflagen machen kann, wenn die Halle geöffnet ist, macht man eben solange zu, bis die Solarmodule montiert und angeschlossen sind. Das ist auf jeden Fall das kleinere Übel, derzeit hält sich die Zahl der Besucher sehr in Grenzen. Die aktuell gut 150 Mitarbeiter können Überstunden abbummeln oder werden in den Urlaub geschickt.

Die Solaranlage auf dem Dach der Skihalle wird mit einer Spitzenleistung von bis zur vier Megawatt eine der größten in Westmecklenburg. Mit der zu erwartenden Stromausbeute will das Alpincenter bis zu 40 Prozent seines Bedarfes aus dem eigenen Kraftwerk vom Hallendach decken.

Der Landkreis sieht sich mit seinem Bauordnungsamt zum Unrecht an den Pranger gestellt: "Dass, was uns bisher vorgelegt wurden, reicht nicht aus, um einen sicheren Betrieb mit Gästen zu gewährleisten. Ein Thema ist die Zulassung der Dachplatten, in die ja durch die Unterkonstruktion viele Löcher gebohrt wurden. Wir wollen da eine Stellungsnahme des Herstellers über die Sicherheit. Aus unserer Sicht ist auch der Nachweis, dass die Halle im Falle einer Havarie nicht unter Strom gesetzt werden kann, sehr wichtig. Wir haben aber dem Center eine schnellstmögliche Bearbeitung zugesagt. Daran halten wird uns auch. Nur Sicherheit geht eben vor Geldverdienen", sagte Andreas Wißuwa, der beim Kreis zuständige Fachdienstleiter.

Beschleunigt wurde der aktuelle Streit hinter den Kulissen auch durch die Hamburger Firma, die mit gut 40 Mann in den letzten Tagen die Unterkonstruktion befestigt hat und die gestern nach der Schließung die ersten Module montierte. Die Truppe jetzt zum Aufbau der Module einzusetzen, ist ökonomisch sinnvoll. Beim Alpincenter geht man davon aus, mit der Vorlage neuer Unterlagen das Problem der Zulassung schnell aus dem Weg räumen zu können. Manager Nieuwenhuijzen ist sich sicher, dass sein Alpincenter nur wenige Tage geschlossen bleiben wird. Bis dahin werden Tausende von Solarmodulen über zwei Fahrstühle auf das Dach gebracht, auf die Gestelle montiert und verkabelt.

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