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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 09:01 Uhr

Boizenburg : Alltag für Zirkuskinder

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Unternehmen Hermann Renz in der Stadt: Mercedes, Diego, Jimmy und Megan berichten vom Leben zwischen Schule und Vorstellungen

svz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Jeden Dienstag kommen die beiden achtjährigen Diego und Jimmy neu in eine Schule. Dort lernen sie bis zum Freitag mit ihren unbekannten Mitschülern, dann gibt es Vorstellungen und am Montag ist Reisetag. Diego und Jimmy sind Zirkuskinder, sie gehören zum Circus Hermann Renz, der seit Dienstag in der Stadt ist. Außer ihnen machen bei dem dem elfköpfigen Team noch zwei weitere Kinder mit: die dreizehnjährige Mercedes und die fünfjährige Megan. Ihr Alltag ist so ganz anders als der anderer Kinder.

In den Monaten von Januar bis März sind sie in ihrem Winterquartier in Lübtheen, da ist ihr Leben dem anderer Kinder noch am ähnlichsten. Die schulpflichtigen Kinder gehen mit ihren Altersgefährten zur Schule, am Nachmittag haben sie Freizeit.

Doch sobald es warm wird, ändert sich das. Fast jede Woche ist der Zirkus dann an einem anderen Ort und das heißt für Diego und Jimmy: neue Lehrer, neue Mitschüler, oft auch neuer Stoff. „Da gibt es morgens auch schon mal Tränen“, verrät Ramona Renz, die Mutter von Diego und Megan. „Aber was soll ich machen, sie müssen nach dem Gesetz ja zur Schule gehen.“

Dumm nur, wenn in der einen Schule dann schon Bruchrechnung drankommt, während in der Schule davor noch nicht einmal Multiplikation durchgenommen wurde. „Wenn wir mit den Jungs nicht noch zu Hause Schule machen würden, wären Hopfen und Malz verloren“, erzählt die Zirkusfrau.

Mercedes ist da besser dran. Seit diesem Schuljahr - ihrer 7. Klasse - darf sie die Zirkusschule von Nordrhein-Westfalen besuchen. Das heißt, sie bekommt Aufgaben zugeschickt, die sie nach eigener Zeiteinteilung lösen muss und zurückschickt. Ihr Lehrer schreibt ihr dann per WhatsApp die Beurteilung, so werden gegenseitig auch Fragen beantwortet.

Die kleine blondzöpfige Megan muss sich noch gar nicht mit Schulaufgaben herumschlagen, sondern darf vormittags auf dem Pony reiten und manchmal sogar fernsehen.

Am Nachmittag nach Schulschluss treffen sich alle vier Zirkuskinder in der Manege und üben an ihren Nummern für die Vorstellungen. Sogar Megan macht schon mit einer Hoola-Hoop-Nummer mit.

„Wir suchen uns alle selber aus, was wir machen wollen“, verrät Mercedes. Ihre Nummer am Ring-Trapez hat sie sich selbst beigebracht, vorher nur regelmäßig ihrer Tante Ramona zugesehen. Sie kann sich auch wie eine Gummifrau verbiegen. „Dafür gibt es spezielle Dehnübungen, die man von klein an täglich praktizieren muss“, erklärt sie. Spagat und Handstand, das können selbstverständlich alle.

„Unsere Kinder machen bei den Vorstellungen mit, sobald sie laufen können“, erzählt Ramona Renz. „Die können auch nicht still stehen, sobald sie die Zirkusmusik hören.“ Allerdings gebe es auch immer wieder Kinder, die keine Lust auf die Manege haben. „Die sind dann eben bei den Tieren.“ Bei manchen würde sich das im Laufe der Zeit ändern, bei manchen nicht. Diese würden schließlich ganz normale Berufe lernen.

Megan, Diego, Jimmy und Mercedes jedenfalls können alle Boizenburger am Freitag und Sonnabend um 16 Uhr sowie am Sonntag um 11 Uhr im Zirkuszelt auf der Ziegenwiese bewundern.

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