Schmitz Cargobull : Alles auf Anfang in Toddin?

<p>Beschäftigte von Schmitz Cargobull bei der Warnstreik-Aktion in Schwerin.</p>
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Beschäftigte von Schmitz Cargobull bei der Warnstreik-Aktion in Schwerin.

Gericht stoppt vorerst Pläne zur Standortschließung

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29. Mai 2017, 21:00 Uhr

„Wir haben auf ganzer Linie gewonnen“, erzählt Jens Kruszona heute Nachmittag glücklich. Der Betriebsratsvorsitzende von Schmitz Cargobull in Toddin kommt gerade aus der Beschlussverhandlung am Schweriner Arbeitsgericht. „Der Richter hat unserer Unterlassungsklage stattgegeben. Der Arbeitgeber darf vorerst keine weiteren Maßnahmen unternehmen, den Standort zu schließen.“ Leite der Konzern jetzt weitere Schritte ein, drohe eine Strafe von 250  000 Euro. Ganz vom Tisch sei die Schließung des Werkes in Toddin damit aber nicht. „Wir haben einige Wochen gewonnen“, so Jens Kruszona.

Das meint auch Hans-Georg Frericks von der IG Metall. „Wir wollten dem Arbeitgeber klarmachen, dass er nicht rechtens handelt.“ Das habe man geschafft. Wolle er den Standort immer noch schließen, müsse der Vorstand von Schmitz Cargobull von vorne beginnen und dem Betriebsrat in Toddin alle wirtschaftlichen Daten vorlegen, die eine Rolle für die Entscheidung spielen. Aus diesen müsse dann auch hervorgehen, dass sich Toddin nicht trägt. Das gleiche gelte für das Vorhaben, die Produktion nach Litauen zu verlegen. Auch dafür sollte der Konzern gute Gründe vorlegen. Und genau dieses Szenario hat es offenbar bisher nicht gegeben, auch deshalb sei eine Unterlassungsklage eingereicht worden. „Außerdem hat der Richter angemerkt, dass offenbar Entwicklungen laufen, die darauf abzielen, den Standort möglichst schnell zu schließen“, so Kruszona.

Da drängt sich die Frage auf, wie einem Konzern wie Schmitz Cargobull solche Fehler unterlaufen können. Hat der Vorstand möglicherweise voreilig gehandelt oder hat er darauf gehofft, die Arbeiter in Toddin würden das Ganze schweigend über sich ergehen lassen? Klar ist, dass der Betriebsrat und die Gewerkschaft nun im Aufwind sind und sich bestätigt sehen. Auch die Belegschaft jubelt. Eine bessere Nachricht konnte es wohl kaum geben am Ende ihres ersten Warnstreik-Tages .

Dieser hatte schon überraschend begonnen: Am Morgen wandte sich Steffen Johannes Griesbach, der Geschäftsführer von Schmitz Cargobull in Toddin, an die Belegschaft. „Er hat uns informiert, dass am Donnerstag ein Investor im Haus ist, der offenbar Interesse an uns hat“, erzählt Kruszona. „Bei uns gibt es wirklich täglich neue Nachrichten.“ Den Warnstreik selbst konnte Griesbach damit natürlich nicht verhindern. Um 10.30 Uhr versammelte sich knapp die Hälfte der Mitarbeiter auf dem Parkplatz. Die IG Metall verteilte rote Fahnen und leuchtende Streik-Westen. Es sollte offensichtlich ein unübersehbares Zeichen gesetzt werden. Eigentlich war dann geplant, in einem Autokorso nach Schwerin zum Arbeitsgericht zu fahren. „Es wurden aber nicht alle Auflagen erfüllt“, hieß es vom Ordnungsamt Schwerin. Daher untersagte die Polizei einen Autokorso, ließ die Streikenden aber doch fahren – laut Ordnungsamt mit der Aufforderung, einen lockeren Abstand zwischen den Fahrzeugen zu halten. Das klappte.

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