Hagenow : Alle Vögel sind nicht mehr da

Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Stare, wenn sie im Schwarm fliegen.
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Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Stare, wenn sie im Schwarm fliegen.

Wo ziehen sie hin und wo kommen sie her? Gespräch mit dem Ornithologen Bodo Schömer zur Situation der Zugvögel in der Region

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22. September 2015, 19:30 Uhr

Welche Vögel sind noch da und welche haben sich schon auf den Weg in den Süden gemacht? Antworten auf diese Fragen gibt Bodo Schömer aus Hagenow.

Zu allen Zeiten hat der Vogelzug die Menschen beeindruckt. Viel Volksglaube und noch mehr Tradition ist mit diesem Thema verbunden. Die Beobachtungen waren nach den Worten des Ornithologen aus Hagenow auch schon zu früheren Zeiten sehr genau. Dennoch gab es aufgrund der Unwissenheit mitunter Fehldeutungen. „Die Schwalben sammeln sich im Herbst im Schilf zum Abflug in den Süden. Und eines Morgens waren sie weg. Daraufhin hatte man tatsächlich mit Netzen im Schlamm des Sees gesucht, um die Vögel zu finden“, erzählt der Ornithologe, der auch für den Förderverein für das Biosphärenreservates Schaalsee für Interessierte Führungen vor Ort durchführt. Oder die Menschen haben früher zum Ende des Sommers beobachtet, so Schömer weiter, dass der Kuckuck plötzlich nicht mehr ruft und weg ist. Aber der Sperber sieht ihm ähnlich. Und weil der Sperber im Winterhalbjahr aus dem Norden bei uns einfliegt, glaubten viele aufgrund der Ähnlichkeit, dass sich der Kuckuck im Winter in einen Greifvogel verwandelt. Erst die Beringung und dann jetzt die moderne Technik mit Sendern ermöglicht den Fachleuten einen sehr genauen Einblick in den Vogelzug, der jetzt voll im Gange ist. Er macht darauf aufmerksam, dass sich einerseits die Schwalben sammeln während sie andererseits noch ihre zweite Brut aufziehen. „Besonders imposant sind jetzt die Staren-Schwärme, die sich kurz vor dem Dunkelwerden zu riesigen Gruppen vereinen und Figuren fliegen. Im Gegensatz zu den Schwalben fliegen die Stare nur kurze Strecken bis zum Mittelmeer“, erläutert Schömer weiter. Nicht weit weg ziehen nach seinen Worten die Bachstelze, der Hausrotschwanz oder das Rotkehlchen, die ebenfalls im Mittelmeerraum bleiben. Richtige Weitstrecken-Flieger sind der Pirol, die Grasmücke und der Rohrsänger.

„Sehr interessant finde ich die Mauersegler, die sich schon am 6. August wieder von hier verabschieden. Sie nehmen die Verkürzung der Tageslänge wahr und fliegen weg. Und die Jungen bleiben dann drei Jahre fliegend in der Luft. Und am 1. Mai ist der Mauersegler wieder da“, macht er auf einen besonderen Aspekt aufmerksam.

Es ziehen aber auch Vögel zu uns in die Region hinein. Auffällig sei das bei den Kranichen, die sich jetzt sammeln. Mehr als 1000 dieser majestätischen Vögel fliegen jetzt um diese Zeit beispielsweise am Schaalsee zur Nachtruhe ein. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis sie sich auf den Flug nach Spanien machen.

Auffällig sind auch die Bläss- und Saatgänse, die zu Tausenden auf den Feldern im Winterhalbjahr einfliegen und längere Zeit hier bleiben. Wer sich den Vogelzug etwas genauer ansehen möchte kann sich am Schaalsee davon ein eigenes Bild machen und die Kraniche und Gänse beobachten.

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