Alle unter einem Bahnhofsdach

Vorbesprechung im Gleis am Zarrentiner Bahnhof, das schon lange keinen Zug mehr gesehen hat. Bürgermeister Klaus Draege
Vorbesprechung im Gleis am Zarrentiner Bahnhof, das schon lange keinen Zug mehr gesehen hat. Bürgermeister Klaus Draege

Zarrentin will das Gebäude unbedingt unterhalten und will mit vielen Partnern ein Mehrgenerationenhaus nach Umbau etablieren

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13. März 2018, 16:23 Uhr

Der Bahnsteig ist verwaist, die Kellerluken mit schweren Steinen beschwert, die Wände voll mit minderwertigem Graffiti, die Türen mit Holz verrammelt, Züge sind hier seit Jahren schon nicht mehr gefahren. Keine Frage, Zarrentins Bahnhof ist vom einstigen Mittelpunkt der Stadt längst zu einer halben Bauruine verkommen.

Doch viele in Zarrentin wollen das ändern, allen voran die Stadt mit ihren Vertretern. Ein Mehrgenerationenhaus soll aus dem Ziegelbau einmal entstehen. Das ist inzwischen mehr als eine Vision. Denn die Stadt hat in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendparlament, aber auch der angehenden Architektin Sabrina Mühlau mit ersten Planungen begonnen. Dazu gab es nun auch einmal eine Begehung vor Ort. Dafür wurden die Verriegelungen zum ersten Mal seit Monaten geöffnet.

Ergebnis: Der eiskalte Bahnhof ist aus baulicher Sicht nicht mehr als ein Rohbau, der zudem noch unter Denkmalschutz steht. Doch die meisten Fenster sind intakt, die Folgen eines kleinen Rohrbruches lassen sich beheben. „Das wird sicher nicht billig“, weiß Bürgermeister Klaus Draeger nach der ersten Besichtigung. Er schätzt die Kosten für einen umfangreichen Ausbau auf gut 400 000 Euro, genaueres müssen die Planungen ergeben.

Maxi Semrau, 15 Jahre alt und im Jugendparlament engagiert, kann sich auch in den kahlen Räumen vor Begeisterung kaum halten. Überall finden sich kleine Räume, aus denen man etwas machen könnte, für jüngere und ältere Menschen. Der Bahnhof soll ja kein Jugendclub werden.

Wobei gerade die Jugendlichen in der Stadt keinen Treffpunkt haben. Im Sommer hilft der Badestrand am See, sonst trifft man sich mal an der Bushaltestelle. Doch so etwas wie einen Klub gibt es nicht. „Der Bahnhof liegt in relativer Nähe zur Schule, das wäre für viele Schüler schon nicht schlecht“, weiß Maxi Semrau, die an diesem Tag von Isabell Garber, die sich auch im Parlament engagiert, begleitet wird. Die beiden Jugendlichen können aber auch dem Außengelände am verwaisten Bahnsteig einiges abgewinnen. Hier ließe sich einiges bewegen, zumal es keine Nachbarn gibt, die man stören könnte. In Rufweite liegt der Lidl-Markt, ein weiterer Discounter hat sich auch in dem Bereich angekündigt. Die Wohnhäuser sind weit weg und auf der anderen Seite liegt ein Gewerbegebiet.

Unter diesem Aspekt gewinnt auch der zum Bahnhof gehörende Schuppen an Bedeutung. Aufgrund seiner Größe würde er sich durchaus als Veranstaltungsort eignen, für alle Generationen. Auch hier hat Zarrentin Nachholebedarf. Nicht alles kann und soll im Klostersaal stattfinden. Doch bis aus dem stillgelegten Bahnhof, der einst zur Kaiser-Linie gehört, ein Treff der Generationen werden kann, wird viel Zeit vergehen. Die Stadt hat den Bahnhof zwar vom Betreiber des Businessparks A 24 gekauft, doch der Umbau ist nur mit umfangreichen Förderungen zu stemmen. Über die Möglichkeiten soll bereits in der nächsten Sitzung der Stadtvertretung am kommenden Donnerstag beraten werden.

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