Potenzialanalyse für Schulkinder : Achtklässler testen Stärken

Christoph Klemke, stellvertretener Geschäftsführer mit WG-Spiel
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Christoph Klemke, stellvertretener Geschäftsführer mit WG-Spiel

WG-Spiel als Teil einer dreitägigen Potenzialanalyse/Gefördert wird Programm u. a. durch den Bund

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10. November 2014, 12:16 Uhr

Konzentriert beugen sich fünf Schüler der Klasse 8c der Boizenburger Rudolf-Tarnow-Schule über den Grundriss einer Wohnung. Sie sollen entscheiden, wer von ihnen in einer Wohngemeinschaft das einzige Zimmer mit Balkon beziehen darf, wer das Bad putzt und wo die zwei einzigen Fernseher platziert werden sollen. Schließlich präsentieren sie ihre Ergebnisse den Mitschülern. Diana Rosien, Ausbilderin im Hotel- und Gaststättengewerbe, beobachtet die Gruppe. Sie schätzt ein, wie stark Team- oder Konfliktfähigkeit bei den einzelnen Teilnehmern ausgeprägt sind.

Das WG-Spiel ist Teil einer dreitägigen Potenzialanalyse. Während dieser Zeit versuchen die Schüler herauszufinden, wo ihre Stärken liegen und in welche Richtung sie sich beruflich orientieren könnten.

Angeboten wird dieses Programm vom Jessenitzer Aus- und Weiterbildungsverein. 20 Schulen schicken Jahr für Jahr etwa 750 Achtklässler nach Lübtheen. Das Einzugsgebiet reicht dabei von Lüneburg über Hitzacker bis nach Schlagsdorf und Stralendorf.

„Wir wollen den Schülern ermöglichen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren,“ erklärt Christoph Klemke, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins. „Wir helfen ihnen dabei festzustellen: Wie wirke ich auf Erwachsene?, Worin sieht jemand, der mich nur in einer einzigen Situation erlebt hat, meine Stärken?“ In einem Feedbackgespräch werten Schüler und Betreuer ihre Eindrücke aus. Im Anschluss absolvieren die Schüler ein zehntägiges Praktikum zur Berufsorientierung. Dabei können sie aus acht Berufsrichtungen wählen, etwa Maler, Metallbauer, Tischler, den Bereich Büro oder Küche. „Das spiegelt zwar nur einige Berufsrichtungen wider. Die Schüler sollen einfach einen Arbeitstag kennenlernen. Und sie sollen erfahren, wie anstrengend Arbeit ist, wie es sich anfühlt selbstständig zu arbeiten und was für Anforderungen an Lehrlinge gestellt werden“ führt Christoph Klemke aus. Diese Erfahrung machen es den Jugendlichen leichter, einen zu ihren Interessen passenden Platz für ein Betriebspraktikum zu finden. Dieses wird von fast allen Schulen in der neunten Klasse verlangt.

Gefördert wird das Programm unter anderem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Es ist längst nicht das einzige Angebot des JAW. Zu diesem zählt auch das Projekt Medienkompetenz statt Mediengewalt, das an Schulen angeboten wird. „Wir sind bis 2016 ausgebucht“ , meint Christoph Klemke. Und dann ist leider auch Schluss. Denn schon jetzt ist klar: Eine Anschlussförderung wird es nicht geben. Das sei ein generelles Problem für den Verein, der auf Fördermittel angewiesen sei. Dadurch fehle es an der Nachhaltigkeit. Dennoch gelingt es dem Team, ein breites Angebot für die Region anzubieten.

Jugendliche können im Rahmen der beruflichen Frühorientierung in der vereinseigenen Werkstatt eigene Projekte umsetzen. Auch eine Schweißerausbildung ist im Programm.

Seit einigen Jahren betreibt JAW auch ein Jugendhotel, die Kindertagesstätte Wichtelwelt und die Seniorenresidenz Zur Post in Lübtheen.

Dass der Verein einmal so breit aufgestellt sein würde, hatte 1990 niemand erwartet. Damals wurde er aus einem abgewickelten Kreisbetrieb für Landtechnik heraus gegründet. Sein Ziel: Den Azubis ermöglichen, ihre begonnenen Ausbildungen abzuschließen. Bis vor zwei Jahren konnten Jugendliche in Jessenitz eine überbetriebliche Lehre beenden.

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