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Schornstein in Hagenow : Abschied von einem Wahrzeichen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Aufwändiger Abriss des 72-Meter hohen Schornstein des Ölheizkraftwerkes der Kartoffelveredlung in Hagenow. Eine Sprengung des Ziegelriesen wäre viel zu gefährlich gewesen.

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erstellt am 14.Nov.2017 | 21:00 Uhr

Mit seiner stolzen Höhe von 72 Metern war er für ein paar Jahre mal das höchste  Bauwerk Hagenows. Jetzt ist der doppelt gemauerte Schornstein des Ölheizkraftwerkes des Kartoffelwerkes Geschichte. Abgerissen, ganz langsam, Stück für Stück. Ein paar Reste standen noch ein paar Tage herum,

Als er gebaut wurde, in den 1970-er Jahren, da war er so etwas wie ein Zeichen des Fortschritts, wie das ganze Werk, vom Volk liebevoll „Knödelbude“ genannt. Und er war auch ein Symbol der fortschrittlichen Technologie, Öl war schließlich schon damals ein wertvoller Rohstoff. Genau das wurde dem Schornstein aber schon zu DDR-Zeiten zum Verhängnis. Die Braunkohle-Ära begann. Und da die DDR von der „feuchten Blumenerde“ genug hatte, wurde alles an Feuerungen Anfang der 1980-er Jahre auf Braunkohle umgestellt. So auch Hagenow, ein neues Kraftwerk kam, mit einem noch höheren Schornstein. Der ist 96 stolze Meter hoch und gehört heute zur Firma „Biotherm“. Mit Eröffnung des neuen Kraftwerkes im Jahre 1983 verlor der alte Ölschlot seinen Höhenrekord und seine Funktion. Er wurde nicht mehr gebraucht. Das war die Folge der so genannten ETU-Maßnahmen, der Energieträger-Umstellung.

„Eigentlich ist dieser Schornstein nur wenige Jahre wirklich gebraucht worden. Ohne die ganze Braunkohlesache wäre er wohl deutlich länger gelaufen und mehrfach modernisiert worden“, erzählte Alois Hersel, der  langjährige technische  Direktor des Werkes.

Auch ohne Nutzung wurde der Schornstein durch seine Lage zu benachbarten  Gewerbegrundstücken zu einem Problem. Bei bestimmten Wetterlagen platzten schon einmal Teile des Putzes oder von Steinen ab und landeten beispielsweise bei der Kunststofftechnik Müller.

Nicht zuletzt durch den Eigentümerwechsel, das Werke gehört ja jetzt zur Emsland Group, reifte die Entscheidung für den Abbruch. Eine Sprengung, so versicherte es der neue   Werkleiter, Christian  Heinrich, sei nie in Betracht gezogen worden. Viel zu gefährlich.

So blieb nur der stückweise Abbruch. Der Auftrag ging an die Spezialfirma Mende aus Lastrup. Die baute zunächst auf Spitze ein Gerüst, das immer tiefer  gesetzt wurde. Meter für Meter wurde der Schlot per Hand abgebaut, bis auf eine Höhe von etwa 40 Metern. Erst dann wurde auf die Krone ein ferngesteuerte Abrissbagger eingesetzt, der dann sich dann bis auf eine Höhe von 12 Metern herunterarbeitete. Nach und nach verschwand damit ein früherer Wahrzeichen der Stadt. Die Kosten für die Aktion belaufen sich auf etwa 100 000 Euro, die alten Steine sollen ordnungsgemäß entsorgt werden. Längst bestimmen das frühere Braunkohlekraftwerk und das viel modernere Heizwerk für Müll das Bild in dem Gebiet. Doch das neue Kraftwerk hat Kostenprobleme, weil thermisch verwertbarer Müll schwerer und damit teurer zu bekommen ist.

 

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