Musikfestival des Lebenshilfewerk Hagenow : Abrocken ohne Berührungsängste

<strong>Das 'Sockentheater' der Pflege- und Fördereinrichtung</strong> des Lebenhilfewerkes Hagenow begeisterte mit flotten Gesängen.
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Das "Sockentheater" der Pflege- und Fördereinrichtung des Lebenhilfewerkes Hagenow begeisterte mit flotten Gesängen.

Zum vierten Musikfestival hatte das Lebenshilfewerk Hagenow am Sonnabend ins Stock-Gymnasium eingeladen und etwa 140 Nichtbehinderte und Behinderte kamen.

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18. März 2013, 10:33 Uhr

Hagenow | Musik verbindet - und so erlebten am Sonnabend im Robert-Stock-Gymnasium in der Möllner Straße Nichtbehinderte und Behinderte über drei Stunden lang eine gemeinsame und kurzweilige Zeit. Im Rahmen des mittlerweile vierten Musikfestivals, das alle zwei Jahre von der Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow gGmbH veranstaltet wird, feierten Menschen mit sowie ohne Handicap miteinander und lebten den Gedanken der Inklusion.

Die etwa 50 Akteure begaben sich ohne Berührungsängste auf die Bühne und legten eine gelungene Show hin, vor der sich viele andere Amateurbands wahrscheinlich verstecken müssen. Die Bands und ihre Auftritte haben dabei eine Doppelfunktion.

Ängste und Vorbehalte abbauen, das ist das Ziel

Nach außen geht es immer auch darum, Ängste und Vorbehalte gegenüber Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung abzubauen. Bei den Musikern andererseits haben sich Selbstbewusstsein und Souveränität stark verbessert, seit sie sich in die Welt der Klänge begaben und immer wieder öffentliche Anerkennung erfahren. Schließlich hat Musik als Kommunikationsmittel und die Lust am Musizieren einen großen Stellenwert im Leben der Akteure dieses künstlerischen Spektakels.

"Wir wollen Möglichkeiten der Begegnung schaffen zwischen Nichtbehinderten und Behinderten", formulierte Angela Prause das Anliegen des Musikfestivals. Musik erleichtere für beide Seiten die Kontaktaufnahme, ist sich die junge Frau sicher. Sie ist als Gruppenleiterin im Förderbereich seit 2002 tätig, hat 1997 in der Frühförderung des Lebenshilfewerkes begonnen. "Berührungsängste gibt es immer noch, das erleben wir oft bei unseren Spaziergängen", berichtet die gebürtige Hagenowerin weiter. Sie resultierten oftmals aus Unsicherheit und Hilflosigkeit, weniger aus Desinteresse, so die Heilerziehungspflegerin, die zusammen mit Werkstattleiter Detlef Postler den Nachmittag gekonnt wie souverän moderierte.

Souverän und fast schon ein bisschen professionell gaben sich auch die vier Schülerbandmitglieder von "Freigeist". Erst vor drei Wochen gegründet, rockten die Robert-Stock-Gymnasiasten regelrecht die Bühne und wurden mit viel Applaus bedacht. Sängerin Zoe Sprenger (13), Schlagzeuger Tim Kondritz (11), Bassistin Janet Lehmann (16) und Gitarrist Tom Güldner (14) ließen sich nicht von dem fast mit 140 Sitzplätzen gefüllten Saal im Atrium des Stock-Gymnasiums einschüchtern.

"Ich spiele seit der zweiten Klasse Gitarre, das ist also seit etwa sechs Jahren", verriet der gebürtige Hagenower Tom. Das sei seine große Leidenschaft, zumal man das Instrument überall spielen könne. Sein Repertoire bewege sich zwischen Rock, Pop und Metall, erzählte der Jung-Musiker weiter.

Aber auch die anderen Akteure des unterhaltsamen Nachmittages verstanden es, ihr Publikum zu begeistern. Die Jugendband "next One" aus Hagenow, das "Gitarrenensemble" der Musikschule des Landkreises Ludwigslust-Parchim, "Johann Mathias Sperger", sowie die Band der Hagenower Werkstätten des Lebenshilfewerkes Hagenow "Step by step" verdienten für ihre Darbietungen allerhöchste Anerkennung.

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