Facebook-Gruppe „Hilfe für den Brandfall Lübtheen“ : In der Krise zusammenstehen

Spenden für die Einsatzkräfte: Katrin Brüch (l.) richtete in ihren Geschäften in Hagenow und Lübtheen Sammelstellen ein.
Spenden für die Einsatzkräfte: Katrin Brüch (l.) richtete in ihren Geschäften in Hagenow und Lübtheen Sammelstellen ein.

Brand auf dem Truppenübungsplatz Lübtheen: Katharina Lehnert und Katrin Brüch helfen Betroffenen und Einsatzkräften

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04. Juli 2019, 18:45 Uhr

Eine Unterstellmöglichkeit für Pferde wird gesucht, Helfer stellen Wohnungen für Betroffene bereit, Süßigkeiten, Getränke und Hygieneartikel für die Einsatzkräfte werden benötigt. Alles Anfragen, die seit Montag bei Katharina Lehnert eingehen. Nachdem sie die ersten Bilder des verheerenden Waldbrandes auf dem einstigen Truppenübungsplatz bei Lübtheen gesehen hatte, stand für die 22-Jährige aus Schwerin sofort fest, dass sie den Betroffenen helfen will.

Facebook-Gruppe „Hilfe für den Brandfall Lübtheen“

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, gründete sie die Facebook-Gruppe „Hilfe für den Brandfall Lübtheen“. Nach nur zwei Stunden zählte die Gruppe rund 600 Mitglieder, alle wollen helfen. „Damit habe ich nicht gerechnet. Aber es ist toll zu sehen, dass die Hilfsbereitschaft so groß ist.“ Sogar Angebote aus Hannover und Köln erreichten Katharina Lehnert.

Mittlerweile hat die Gruppe über 3000 Mitglieder. Und auch schon einige Erfolgserlebnisse zu verzeichnen. „Vor allem viele Tiere aus dem Gefahrengebiet konnten schon bei anderen Familien untergebracht werden“, erklärt Katharina Lehnert. Doch ein großes Problem hatten die Mitglieder der Gruppe anfangs trotzdem. „So viele Leute wollten Kleidung, Essen, Trinken und vieles mehr spenden. Aber wohin mit den Sachen?“

"Wir sind durchgehend im Geschäft und haben auch Platz für die Spenden“

Aufgrund der guten Vernetzung der Mitglieder der Gruppe konnte auch diese Frage geklärt werden. Eine Kundin von Katrin Brüch, Augenoptikermeisterin aus Hagenow, erklärte ihr das Dilemma. „Die Frau hatte versucht, über die öffentlichen Behörden eine zentrale Sammelstelle zu finden oder organisieren zu können. Doch das klappte nicht“, erklärt Katrin Brüch von „Mien Brill Augenoptik“.

Also fragte die Kundin bei der Optikerin ihres Vertrauens an, ob die Spenden nicht in ihrem Geschäft abgegeben werden könnten. „Ich fand die Idee total cool. Wir sind durchgehend im Geschäft und haben auch Platz für die Spenden“, erklärt Katrin Brüch. Und so wurden die Optikergeschäfte in Hagenow (Lange Straße 55) und in Lübtheen (Grüner Weg 1) kurzerhand zu Annahmestellen für Spenden. In der Zeit von 9 bis 18 Uhr können in beiden Filialen die Spenden abgegeben werden, in Hagenow zusätzlich auch am Sonnabend von 9 bis 12 Uhr.

Hygieneartikel und Nahrungsmittel

Snacks, Süßigkeiten, Kekse, Brot, Würstchen, Kaffee und Kaffeesahne seien zu Beginn für die Helfer benötigt worden, so Katrin Brüch. Außerdem benötigten die Einsatzkräfte, die zum Teil tagelang im Einsatz sind, auch Hygieneartikel wie Feuchttücher oder Toilettenpapier. „Jeden Tag werden Sachen bei uns abgeliefert. Es ist toll zu sehen, wie man in einer Krisensituation zusammensteht und helfen kann – ohne große Organisation.“ Abgeholt werden die Spenden unter anderem von den Freiwilligen Feuerwehren, die auf dem Weg zum Sportplatz nach Lübtheen sind. Aber auch Katrin Brüchs Mann hat schon einige Fahrten übernommen.

Katharina Lehnert ist froh, dass inzwischen auch eine öffentliche Annahmestelle vor Ort gefunden wurde. „Das Problem ist ja, dass wir nicht an die Leute vor Ort rankommen. Zum Glück gibt es dafür nun eine Lösung.“ Auch in der alten Sporthalle in Lübtheen werden Spenden für die Helfer angenommen. Wichtig sei nur, dass keine frischen Lebensmittel abgegeben werden, die Kühlung benötigen.

Ortskundige werden gesucht

Auch am Bürgertelefon (Telefon 038855 / 78744) landen viele Hilfsangebote – pro Tag rund 75, wie Kreissprecher Andreas Bonin mitteilte. Etwa die Hälfte seien allgemeine Hilfsangebote, die andere Hälfte Angebote, Tiere unterzubringen oder zu transportieren. Sie kommen von Privatleuten, aber auch von vielen Firmen. Manch einer möchte am liebsten aktiv helfen. „Aber wegen der besonderen Situation aufgrund der Munitionsbelastung können freiwillige Helfer nur sehr eingeschränkt für die Arbeit in Anspruch genommen werden“, so Andreas Bonin. Vereinzelt würden Ortskundige gesucht, um Einsatzkräfte aus anderen Regionen bei der Navigation zu unterstützen. Insgesamt sei der Zuspruch für die Einsatzkräfte, auch vor Ort, enorm. „Es werden Getränke, Kuchen oder belegte Brötchen vorbeigebracht und Glück gewünscht“, betonte der Pressesprecher. „Das ist wirklich, wirklich riesig und spiegelt den enormen Zusammenhalt wider, den es doch gibt.“ Darauf seien alle mächtig stolz.

Laut Andreas Bonin sind die Einsatzkräfte durch die Hilfsorganisationen derzeit gut versorgt. Sach- oder Geldspenden könnten jedoch im Nachgang an die örtlichen Feuerwehren gerichtet werden, die eine besondere Belastung haben.

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