Greven : Nähen für das letzte Christo-Projekt

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Berge sperrigen Stoffes bedecken den Boden in der Halle nahe Greven, hier werden die Bahnen kunstvoll, aber auch sehr genau zusammengenäht. Im kommenden Jahr werden sie Teil der Christo-Verhüllung des Pariser Triumpfbogens sein.
Berge sperrigen Stoffes bedecken den Boden in der Halle nahe Greven, hier werden die Bahnen kunstvoll, aber auch sehr genau zusammengenäht. Im kommenden Jahr werden sie Teil der Christo-Verhüllung des Pariser Triumpfbogens sein.

Nahe Greven arbeitet ein Lübecker Unternehmen an den Stoffbahnen, die später den Pariser Triumphbogen verhüllen sollen.

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10. September 2020, 17:42 Uhr

In einer großen Halle in der Nähe der Bundesstraße 195 wird seit Wochen emsig genäht. An teils riesigen Bahnen aus sperrigem Stoff. Drei Näherinnen sitzen in einem Berg von Material und arbeiten sich mit einer Spezialnähmaschine Zentimeter für Zentimeter vor. Diese Stoffbahnen werden ab dem 18. September 2021 weltberühmt werden. Es geht um die Verhüllung des "Arc de Triomphe" in Paris, das letzte Projekt des legendären Künstlers Christo, der Ende Mai gestorben ist.

Weiterlesen: Künstler Christo ist tot: Das waren seine größten Werke

Felix Dickenberger, Projektmanager, erzählt die ganz besondere Nähgeschichte zum Christo-Projekt nicht zum ersten Mal. Im Lübecker Unternehmen „Geo-Die Luftwerker“ ist man schon stolz, an diesem Vorhaben entscheidend beteiligt zu sein. Dass die Lübecker nun ausgerechnet in Mecklenburg ihre Näharbeiten erledigen lassen, hat einen simplen Grund: Es gab keine passende Halle in Lübeck und Umgebung. Man habe den Suchradius immer mehr erweitert und sei schließlich nahe der Elbe gelandet. Die leerstehende Halle sei mit 110 Meter Länge, 23 Meter Breite und zwei leistungsfähigen Kränen mehr als geeignet für das Vorhaben.

Stoff für den Pariser Triumpfbogen

Eigentlich kümmern sich die Luftwerker um den Bau und die Überprüfung von Ballons und Luftschiffen, sie sind Spezialisten für textile Sonderanfertigungen. Was die Mecklenburger schließlich ins Boot für das letzte Christo-Projekt brachte. Denn trotz des Todes des Reichstagsverhüllers wird das Projekt in Paris fortgesetzt. Allerdings ist es erst vor kurzem um ein Jahr verschoben worden. Dennoch soll der Pariser Triumpfbogen verhüllt werden, für zwei Wochen. Dafür muss akribisch gearbeitet werden. Es geht um 25 000 Quadratmeter Stoff, es geht um lange Bahnen, die nach einem genauen Plan zusammengefügt werden müssen. Bei diesem sperrigen Stoff, der nach der Aktion recycelt wird, ist das nicht einfach. Und die spezialisierten Näherinnen brauchen viel Platz, um die Bahnen auszulegen und neu einzurichten. Die mit Spezialtstichen zusammengenähten Bahnen werden dann zusammengelegt oder aufgerollt. Auch dafür gibt es detaillierte Pläne, schließlich darf der Aufbau beim Verhüllungs-Projekt im kommenden Jahr nicht zu lange dauern. Die in Mecklenburg genähten Stoffe werden nicht direkt am Triumpfbogen, sondern an einem Metallgerüst befestigt, das zuvor eng um das historische Bauwerk gelegt wird.

Prestigeobjekt für Mecklenburg-Vorpommern

Die Wirtschaftsförderung des Landkreises war am Zustandekommen des Hallendeals mit beteiligt und freut sich natürlich über das Prestigeobjekt. Chefin Berit Steinberg sähe es dabei gern, wenn die Lübecker Firma dauerhaft in Mecklenburg bliebe. Doch das ist derzeit nicht abzusehen „Die Halle würden wir natürlich sofort mitnehmen, wenn das ginge“, bleibt Dickenberger freundlich. Ob man in Greven bleiben könne, hänge von weiteren Aufträgen ab.

So oder so bleibt es dabei, dass Westmecklenburg an der weltweit beachteten Verhüllung direkt beteiligt ist.

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