Thema der Woche: Das alte Haus : Am Wall in Boizenburg ist es historisch

von 06. Dezember 2020, 15:00 Uhr

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Eines der ältesten Gebäude Boizenburgs ist das Wohnhaus aus Ziegefachwerk in der Klingbergstraße 39.
Eines der ältesten Gebäude Boizenburgs ist das Wohnhaus aus Ziegefachwerk in der Klingbergstraße 39.

Im Thema der Woche beschäftigen wir uns mit den ältesten Gebäuden der Region. In Boizenburg führt die Spur an den Wall.

Boizenburg | Sie sind Zeugen einer anderen Zeit. Haben viel erlebt, ihre ganz eigene Geschichte. Und sie geben, oftmals kleiner als ihre Nachbarn und etwas windschief, den Innenstädten ein Stück weit einen Charakter. In unserem "Thema der Woche" widmen wir uns deshalb den ältesten Gebäuden der Städte und Gemeinden in der Region und wollen hinter die historischen Fassaden schauen. Dabei ist es mitunter auch nötig, einen Blick auf die Geschichte der gesamten Stadt zu werfen. Unsere Zeitreise beginnt gleich mit einem schwierigen Fall. In Boizenburg ist es jedenfalls kaum möglich, das älteste Haus zu bestimmen, sagt Inga Ragnit, Leiterin des Heimatmuseums der Elbestadt. "Der Wall ist hier das älteste mittelalterliche Zeugnis. Innerhalb ist aber fast alles beim großen Stadtbrand 1709 abgebrannt. Das gilt auch für die Akten und schriftlichen Zeugnisse im alten Rathaus. Wir haben keinerlei Pläne, wie die Stadt vorher ausgesehen hat." Belegt sei dagegen, dass Boizenburg nach dem verheerenden Feuer vom Schweriner Großherzog als Bauprojekt an den Ingenieur-Kapitän Jacob Reutz übergeben wurde. "Man sagt, er hatte zuvor die Schelfstadt in Schwerin entworfen. Sie hat auch eine barocke Kirche und die ist mit einem Platz umgeben. Nach diesem Vorbild sollen die beiden Plätze in der Boizenburger Innenstadt, der Kirchplatz und der Markt, entstanden sein", erklärt Inga Ragnit. Zudem gehe der schachbrettartige Grundriss des Zentrums auf Jacob Reutz zurück. "Es wurde in kleinen Quartieren mit Innenhöfen und geraden Straßen aufgebaut. Das mittelalterliche Bild war eher schief, krumm und ungerade. Die Häuser standen nicht in einer Reihe, sondern waren versetzt. Das diente zwar der besseren Verteidigung gegen Feinde, war auf der anderen Seite aber eng und dreckig. Seuchen konnten sich so schneller ausbreiten", so die Museumsleiterin. Diese Zusammenhänge seien im Barock erkannt und deshalb die Straßen begradigt und die Festungen zum Schutz der Städte ausgebaut worden. Bei der Neubebauung Boizenburgs wurde daneben das Bodenniveau gehoben. Ein typisches Vorgehen beim früheren Wiederaufbau in den Innenstädten. "Die Straßen wurden damals erhöht. Darum erscheint es so, als wären die Eingänge bei manchen Gebäuden etwas klein geraten", erklärt Inga Ragnit. Für Historiker ist das aber wohl ein guter Anhaltspunkt, auf der Suche nach den ältesten Häusern und ursprünglichen Straßenverläufen. Zu erkennen seien diese in Boizenburg auch noch heute, unter anderem in der Klingbergstraße sowie der Großen Wallstraße. "Und da werden auch die ältesten Häuser aus dem 17. Jahrhundert vermutet. Eine dort gefundene Inschrift ist aus dem Jahr 1692. Andere Inschriften sind ohne Datierungen. Genau das älteste Haus zu bestimmen, ist daher sehr schwierig." Festlegen möchte sich offenbar auch sonst niemand. In Übersichten zu den Baudenkmälern Boizenburgs heißt es jedenfalls nur "eines der ältesten Häuser", beispielweise beim Gebäude in der Klingbergstraße 34 mit seiner Inschrift im Türschutzbalken. Auch das Haus in der Klingbergstraße 39 soll noch im 17. Jahrhundert und somit vor der Zeit des Stadtbrandes errichtet worden sein. Und das könnte ebenso unter anderem für die Gebäude in der Großen Wallstraße 14 und 26 gelten. Wobei sich die Historiker einig sind, ist dagegen, dass sich die Funktion der Häuser nicht wesentlich verändert hat. Schon damals seien es Wohn- und Geschäftshäuser gewesen. Und an Charme haben die meisten Gebäude mit ihrem Fachwerk, Giebeln und Ausluchten wohl eher nur dazugewonnen. ...

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