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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 06:56 Uhr

Schildfeld : 4000 x Geschichte zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Elke Meyer aus Schildfeld betreibt bei sich zu Hause DDR-Museum, um bis zu 40-jährige Zeitzeugen für die Nachwelt zu bewahren

von
erstellt am 24.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Über ein Vierteljahrhundert nach der politischen Wende sind viele Zeitzeugen aus dem Alltagsleben der einstigen DDR längst in Vergessenheit geraten. Die Nachwende-Kinder sind bereits erwachsen. Ihnen die 40 Jahre Arbeiter- und Bauernstaat dennoch nahe bringen zu wollen, die guten, wie die schlechten Erfahrungen, das hat sich Elke Meyer zur Lebensaufgabe gemacht.

In ihrem kleinen DDR-Museum hat die gelernte Zootechnikerin-Mechanisatorin für Milchproduktion und heutige Verkäuferin über 4000 Exponate zusammengetragen. Es gehe ihr keinesfalls um die Glorifizierung einer Epoche, stellt die Schildfelderin klar. „Mir tat es einfach nur leid, dass so vieles auf dem Müll gelandet ist. Schließlich war das doch einmal unser Leben.“ Wer sich selbst einmal ein Bild von der liebevoll angefüllten Stätte machen möchte, könne das Ostern, Pfingsten, jeden ersten Sonntag im August von 13 bis 18 Uhr tun. Sonst müsse mit Elke Meyer ein Termin über Telefon 038843-21540 vereinbart werden.

SVZ-Redakteur Thorsten Meier beantwortete die 52-Jährige die beliebten Fragen zum Wochenende. Inmitten all der Dinge, die eine Zeitreise möglich machen. Als Geschichte zum Anfassen. Das Besucherbuch ist der Beweis dafür, dass viele Neugierige sich gern erinnern oder informieren lassen. Um sich einen Eindruck zu verschaffen von einer Zeit, die unter anderem von Mangelwirtschaft, Tauschgeschäften, Bückware und kreativen Tüfteleien geprägt war. Aber auch von politischer Gängelei, Stasi-Spitzeleien, Planwirtschaft sowie fehlender Presse-, Meinungs- und Reisefreiheit. Und einer fragwürdigen, leider heute immer noch gern beschworenen Solidargemeinschaft, die jedoch oft nur der Not gehorchend, funktionierte. Um im nicht selten tristen DDR-Alltag nicht völlig zu verzweifeln.


Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ich habe gleich zwei: Leben und leben lassen. Und lebe jeden Tag, als wäre es dein Letzter.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Hinterm Haus, schön unter dem großen Sonnenschirm auf der gemütlichen Hollywood-Schaukel.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Rübenverziehen. Jeder musste mindestens einen Morgen Land davon betreuen. Das war echt eine Scheißarbeit. Ewig dieses Krummlaufen beim Hacken, Verziehen und Grünabstechen. Das war schwer verdientes Geld
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Sechs tiefe und sechs flache Teller mit Kräutermuster. Die habe ich im Konsum in Schildfeld gekauft. Das Stück kostete damals satte 8,75 Mark. Ein stolzer Preis für DDR-Verhältnisse.
Wo findet man Sie am ehesten?
Auf Arbeit im Bäckerladen in Bennin oder Zuhause in Schildfeld.
Was stört Sie an anderen?
Überheblichkeit, Besserwisserei und Unbelehrbarkeit.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Das ist ein sehr großes Wort. Gegenfrage. Sind wir nicht alle Helden? Hat nicht jeder von uns sein Päckchen zu tragen? Anständig durch die Welt zu gehen, ist doch auch schon eine Heldentat.
Was würden Sie gern noch können?
Schlagzeug spielen. Ich habe das schon mal als Kind versucht und war fasziniert. Aber mir fehlt einfach die Zeit dafür.
Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Wenn alle aus der Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte gesund sind.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Ich denke mehr Bauch- als Kopfmensch. Und doch gehört beides untrennbar zusammen.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Zufriedenheit und Glück.
Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Marmelade, Wurst, Käse, Milch, Joghurt und Gemüse.
Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Mecklenburgische Hausmannkost, Schnitzel mit Kartoffeln und Bohnen beispielsweise. Ansonsten mag ich keine Experimente auf dem Teller.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Mehr Zeit zu haben für Familie und Hobbies. Beispielsweise mein DDR-Museum.
Wen würden Sie gern mal treffen?
Unseren Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Der wollte uns hier schon immer mal besuchen kommen. Aber auch die Schlagersängerin Helene Fischer würde ich gern mal treffen. Ich glaub’ das ist eine ganz Bodenständige.
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
Hilfsbereit.
Wo ist für Sie Heimat?
In Schildfeld.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
Das war meine Abschlussfahrt in der zehnten Klasse in den Harz zum Kyffhäuser. Da waren wir für die Einheimischen immer nur die „Fischköppe“.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich komme nicht zum Lesen.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
In Schildfeld zu leben. Hier ist mein Lebenmittelpunkt, hier will ich nicht mehr weg.
Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Meinem Chef, dem Bäckermeister Klaus Grimm aus Bennin, wo ich als Verkäuferin arbeite. Er ist ein sehr guter Chef.

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