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Festival der Bauchrednerkunst : 40 Jahre mit „Tutti“ und Co.

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Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vom jüngsten essenden Kunstpfeifer der DDR zum bekannten Berufsbauchredner im Norden: Eddy Steinfatt

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Es gibt Puppen, mit denen kann er einfach nicht. „Ich hab so viele schöne zuhause. Aber mit einigen bin ich nicht auf einer Linie“, sagt Eddy Steinfatt. 40 Jahre steht der Bauchredner aus Malliß jetzt schon auf der Bühne. An den ersten Auftritt erinnert sich der 53-Jährige noch gut. Es ist der Februar 1976, als ihn sein Vater ins Fernsehstudio nach Halle fährt. Vor laufender Kamera der DDR-Sendung „Außenseiter Spitzenreiter“ soll der junge Blonde damals Pudding essen und gleichzeitig pfeifen. Eine Begabung, mit der er die Zuschauer zum Lachen bringt und sich selbst in die Welt der Künstler.

„Ich habs einfach probiert“, antwortet Eddy Steinfatt auf die Frage, wie er sein Talent entdeckt hat. Ohne darüber nachzudenken, ohne es zu hinterfragen. „Ich konnte das einfach und dachte, das wäre normal.“ Pfeifen oder Sprechen mit dem Kehlkopf, dabei die Stimme mit dem Zwergfell stützen, und versuchen, den Mund geschlossen zu halten – So funktioniere es.

Zwei Jahre später, Eddy ist 15, dann das Sprungbrett: als essender Kunstpfeifer des Arbeitervarietees Wittenberge tourt der Schüler an den Wochenenden durch die Region. Möhre, Gurke, Bockwurst gehören zu seinen Utensilien. Doch Eddy will mehr.

Die Ausbildung zum Tischler im Betrieb seines Vaters dauert nur drei Jahre. „Eigentlich sollte ich die Tischlerei mal übernehmen“, sagt Eddy Steinfatt. „Aber das war nicht mein Ding.“ Er sei nie handwerklich begabt gewesen. An der Werkbank denkt der Malisser ständig an die Bühne: Die Geburtsstunde von Vogel „Tutti“ – seiner ersten Puppe. Eddy bastelt einen Schnabel aus Holz und die Figur dazu, mit der er 1980 beim Karneval in Dömitz das erste Mal als Bauchredner vor Publikum tritt. Mit Erfolg.

Mentoren des Varietees fördern ihn bis zum Berufsbauchredner der Klasse A, wie es schließlich 1984 in seinem Berufsausweis steht. Der Künstler bereist die Welt. Mit dem Kreuzfahrtschiff nach Australien und Afrika, Hawaii und Mexiko... Er trifft Prominente wie Tony Marshall oder Roberto Blanko, tritt in vielen Fernsehsendungen auf.

Zeit für Familie bleibt da nicht. „Die Puppen sind meine Kinder“, sagt Eddy. An die 40 stehen in seinem Elternhaus in Malliß, in dem er und seine Mutter wohnen. Vogel „Angie“ hat „Tutti“ mittlerweile als Hauptfigur abgelöst. „Wir haben uns nach 30 Jahren getrennt“, sagt Eddy und lacht. Er sei nun in Rente und komme nur noch mit aufs Schiff. Onkel „Willi“ und Matrose „Karlchen“ gehen dagegen oft mit auf die Bühne. Früher hat er viele Puppen selbst gebaut oder im Spielwarenladen gekauft und aufgehübscht. Mittlerweile stammen seine Show-Partner meist aus Amerika.

Sein größter Auftritt? Vor 5000 Leuten beim Pressefest der DDR in Potsdam. „Aber ich hab auch schon Geburtstage mit zehn Leuten gehabt“, sagt Eddy. Direkt und hautnah, das sei ihm am liebsten.

Um sein Publikum zu überraschen, lässt er sich ständig etwas Neues einfallen. Sprechender Blumentopf, Zeichentafel oder Bauch – „Ich probiere immer mal was aus“, sagt Eddy. Trotzdem – „Angie“, „Willi“ oder „Karlchen“ bleiben seine Liebsten für die Bühne.

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