Sensation in Hagenow : 2000 Jahre alte germanische Urnen gefunden

<strong>Grabungsleiter Rolf Schulze</strong> (M.)  und Archäologe Christian Schmidt vom Landesamt sowie Volkmar Menck (l.)  von der Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte legen gestern Nachmittag die gut erhaltene Urne frei, um sie dann zu bergen. <fotos>Dieter Hirschmann</fotos>
Grabungsleiter Rolf Schulze (M.) und Archäologe Christian Schmidt vom Landesamt sowie Volkmar Menck (l.) von der Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte legen gestern Nachmittag die gut erhaltene Urne frei, um sie dann zu bergen. Dieter Hirschmann

Der gestrige Fund von Urnengräbern in Hagenow kann schon als kleine Sensation bezeichnet werden. Der Ursprung der beiden Urnenbestattungen wird in der Römischen Kaiserzeit vermutet.

svz.de von
18. Januar 2013, 07:33 Uhr

Hagenow | Der gestrige Fund von Urnengräbern in Hagenow kann schon als kleine Sensation bezeichnet werden. "Wir haben hier auf der Baustelle zur Erweiterung der Raiffeisenbank zwei Urnenbestattungen gefunden, die in die Römische Kaiserzeit datiert werden können. Es handelt sich dabei um germanische Urnen. Die Germanen haben zu jener Zeit in engem Austausch mit den Römern gestanden, man handelte miteinander, und die germanischen Fürsten haben meist römisch gelebt", sagt Grabungsleiter Rolf Schulze im Gespräch mit SVZ. Die römische Kaiserzeit geht nach seinen Worten zurück auf den historischen Abschnitt zwischen Christi Geburt bis etwa 350 n. Ch., und die Urnen stammen nach ersten Schätzungen aus der mittleren Kaiserzeit.

Die aktuellen Funde stehen im engen Zusammenhang mit dem bereits entdeckten so genannten Fürstengrab von Hagenow, das Mitte der 90er-Jahre beim Bau des ersten Gebäudes der Raiffeisenbank freigelegt wurde. Bei den Tiefbauarbeiten kamen bekanntlich mehrere weitere Funde zu Tage. Aus heutiger Sicht bestätigen die Urnen die Tatsache, dass es auf diesem Areal gleich neben dem Hagenower Friedhof vor 2000 Jahren ein Gräberfeld gab, auf dem sozial höher gestellte Personen ebenso bestattet wurden, wie "normale" Menschen.

"Wir haben damit gerechnet, dass es hier auf diesem Gräberfeld weitere Bestattungen gibt. Und der aktuelle Urnenfund ergänzt unser bisheriges Wissen und macht deutlich, dass es sich hier um ein recht großes Feld handelt. Das erste Hagenower Fürstengrab wurde übrigens schon 1913 gefunden. Die Urnen zeigen weiterhin, dass in unmittelbarer Nähe eine Siedlung gewesen sein muss. Wir können davon ausgehen, dass sich hier ein wichtiger Ort in der Zeit der römischen Kaiserzeit befunden haben muss", erläutert der Grabungsleiter weiter. Grabungsleiter Rolf Schulze, Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege und ehrenamtliche Helfer der Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte bargen gestern die Urnen und dokumentierten die Fundstellen.

Eine Urne wurde aufgrund ihres guten Zustandes im Block aufgenommen. Das muss besonders vorsichtig geschehen, damit die brüchige Keramik nicht beschädigt wird. Zwischen den Archäologen und den Bauleuten von Westa-Bau gibt es vor Ort eine gute Zusammenarbeit. So hatte gestern Baggerfahrer Jürgen Bender mit allen Hebeln seiner Maschine gut zu tun. Er trug den Boden nur millimeterweise ab, für den Fall, dass noch weitere Funde in der Erde stecken.

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