Boizenburg: Heizung kaputt, Vermieter aus Munster rührt sich nicht : 13 Grad im Wohnzimmer - seit Wochen

Nur noch mit Decke zu ertragen: Bei Gerda Gruhlich in der Theodor-Körner-Straße zeigt das Thermometer 13 Grad. Beim Nachbarn Günther Zecher 16. Er wohnt in der Mitte. Mit ihnen frieren etwa 30 Mieter seit vier Wochen, weil die Heizung defekt ist. Der Vermieter? Kaum zu erreichen.
Nur noch mit Decke zu ertragen: Bei Gerda Gruhlich in der Theodor-Körner-Straße zeigt das Thermometer 13 Grad. Beim Nachbarn Günther Zecher 16. Er wohnt in der Mitte. Mit ihnen frieren etwa 30 Mieter seit vier Wochen, weil die Heizung defekt ist. Der Vermieter? Kaum zu erreichen.

13 Grad Celsius zeigt das Thermometer von Gerda Gruhlich. Die 83-Jährige gehört zu den mehr als 30 Mietern, die seit vier Wochen mit einer kaputten Heizung leben müssen. Viele von ihnen sind mittlerweile krank.

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23. November 2012, 06:42 Uhr

Boizenburg | 13 Grad Celsius zeigt das Thermometer von Gerda Gruhlich. Im Wohnzimmer. Eingemummelt in einer dicken Wolldecke sitzt sie auf der Couch. Anders halte sie es nicht aus. Die 83 Jahre alte Seniorin gehört zu den mehr als 30 Mietern der Theodor-Körner-Straße 32 bis 36 in Boizenburg, die seit vier Wochen mit einer kaputten Heizung leben müssen. Viele von ihnen sind mittlerweile krank.

Beim Vermieter rührt sich nichts. Die Immobilienverwaltung Treureal in Munster ist schlecht zu erreichen. Der Hausmeister vor Ort kann nichts entscheiden. Dabei verspricht die Firma im Internet: "Unser Qualitätsanspruch setzt seit über 20 Jahren Maßstäbe".

Das empfinden die Mieter anders. Ihre Geduld ist ausgereizt. Die überwiegend älteren Bewohner des Blocks fühlen sich alleine gelassen. Als Mietzahler seien sie gut genug. "Aber wir haben auch Rechte", sagt Günther Zecher. Deshalb stellen sie jetzt einen Antrag auf Mietminderung.

Das Schlimme: "Es spricht keiner mit uns", sagt Günther Zecher, 83 Jahre alt. Er ist der erste Einwohner in der Straße. Seit 1968 wohnt er in dem Block. In den gesamten Jahren mit allen fünf Vermietern hat er so etwas noch nicht erlebt. Selbst in den beiden großen Kälte-Katastrophen, die er in den Jahrzehnten mitgemacht hat, sei man anders mit den Mietern umgegangen. Da sei Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt worden. Es gab Mieterversammlungen. Jetzt kümmere sich niemand mehr. "Es kann ja immer mal etwas kaputt gehen", sagt er. Nur dann müsse man es auch den Mietern sagen und es so schnell wie möglich reparieren lassen.

Stattdessen telefonieren die Anwohner hinterher, fragen, was los ist. "Ich habe tagelang niemanden erreicht", sagt Cäcilie Albrecht, die stattdessen Stunden auf einen Rückruf wartete. Und dabei fror. "Wenn man sich bewegt, geht es ja", sagt sie. Ansonsten hat sie immer das Gefühl, als ob es in ihrer Wohnung zieht. Zeiten, in denen sie sich den alten Kachelofen zurück wünscht. Ohne Stulpen und dicker Weste erträgt sie das nicht.

Zwar ist die Grundversorgung mit Wärme in den Aufgängen 32 bis 36 noch gewährleistet, da nur ein zusätzlicher Erhitzer defekt ist. Doch kaum eine Wohnung erreicht 17 Grad. Zwei Wochen hat sich nach dem Ausfall nichts getan. "Das ging hin und her. Ein viel zu langer bürokratischer Weg", sagt Günther Zecher. Erst vor zwei Wochen wurde dann die Reparatur freigegeben und danach eine Firma beauftragt, die Teile bestellen und sie einbauen soll. "In Kürze geht es los", steht auf dem Aushang vom 20. November. "Nichtssagend", meint Günther Zecher. "Und viel zu spät." Immerhin ist es die erste offizielle Information über den Defekt - von der Heizungsfirma, nicht vom Vermieter.

Treureal hält sich auch unserer Redaktion gegenüber verschlossen. Auf Nachfrage gestern heißt es nur, "wir sagen dazu jetzt nichts". "Das passt", sagt Günther Zecher. Er blickt nun mit Sorge auf die Frostperiode, die kommen soll. Denn selbst jetzt, an den recht warmen Novembertagen, misst sein Thermometer nur 16 Grad. "Dabei habe ich es noch gut." Er wohnt in der Mitte. Gerda Gruhlich im Erdgeschoss. Sie befürchtet einen weiteren Temperatursturz, wenn erst die Minusgrade kommen.

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