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Verkehrskonzept Wittenburg zu eng für Wünsche

Von Dieter Hirschmann | 24.08.2015, 13:20 Uhr

Verkehrskonzept soll bestehen bleiben / Anwohner der Wasserstraße haben verkehrsberuhigte Zone vor ihrer Haustür abgelehnt

„Wir wohnen hier in einer kleinen, hübschen, aber leider auch sehr, sehr engen Stadt“, umreißt Bürgervorsteherin Sybill Moß auch ein grundsätzlichen Problem der Motelstadt. Denn immer wieder wenden sich Wittenburger an unsere Redaktion, um ihrer Unzufriedenheit über das jetzige Verkehrskonzept Ausdruck zu verleihen. So wie jüngst Werner Reinschmidt aus der Wasserstraße. „Bei einer Einwohnerversammlung im November 2014 wurden wir über den Sachstand informiert und konnten desweiteren unsere Vorschläge und Ideen für ein verbessertes Verkehrskonzept der Stadt vortragen. Doch seit dem hat sich nichts getan“, kritisiert Reinschmidt, dem die erhöhte Geschwindigkeit einiger Kraftfahrer sowie das Verkehrsaufkommen vor seiner Haustür arge Bauchschmerzen bereiten.

Dass das derzeitige Verkehrskonzept aus dem Jahre 2008 stamme, berichtet Hartwig Kolthoff als Amtsvorsteher, der zugleich für die Verkehrsführung vor Ort zuständig ist. Ziel damaliger Überlegungen sei es gewesen, den Verkehr durch Wittenburg weitestgehend fließen zu lassen. „Zu diesem Schluss war damals die beauftragte Stadt- und Regionalplanung Wismar mit ihrem Konzept gekommen. Aus mehreren Varianten wurde ein Gemeinschaftsbeschluss gefasst.“

Wegen zahlreicher Beschwerden habe die Stadt nach 2008 schließlich einiges ausprobiert, berichtet Enrico Grewe, der im Amt Wittenburg für Ordnungsangelegenheiten zuständig ist. „Das gilt besonders für die Wasserstraße. Hier galt vom 9. April 2013 bis 8. März 2014 vom Bürgermeister-Ahrends-Ring aus ein Durchfahrtsverbot. Im Vorfeld haben wir Messungen durchgeführt. Es passierten täglich etwa 600 Fahrzeuge die Wasserstraße, die nicht schneller als 32 Stundenkilometer fuhren. Während des Durchfahrtsverbotes zählten wir rund 250 Fahrzeuge, die zwischen 32 bis 34 Stundenkilometer schnell waren. Nach Aufhebung der Einbahnstraßenregelung wurden etwa 480 Fahrzeuge pro Tag registriert, die sich im Durchschnitt mit Tempo 33 fortbewegten. Was die Geschwindigkeit betraf, hielten sich alle Kraftfahrer an das Limit. Die Schulstraße verzeichnete während dieser Erprobungsphase ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, was wiederum zu einigem Protest der Anwohner führte“, erinnert sich Grewe. Die Stadt habe damals beschlossen, den Versuch auslaufen zu lassen und keine neuen Experimente mehr durchzuführen. „Es hatte gerade von den Anwohnern der Bleichstraße und der Hinteren Wasserstraße Einwände gegen die Erprobung gegeben, weil diese nun weite Umwege zu fahren hatten“, weiß auch Hartwig Kolthoff zu berichten. Wittenburgs Bürgermeisterin Dr. Margret Seemann wies im gleichen Atemzug eine immer wieder geforderte beidseitige Öffnung der Großen Straße zurück. Damit seien das Chaos und der Unmut der Anwohner vorprogrammiert. „Es kämen ja nicht einmal zwei Busse aneinander vorbei.“

Die Mehrheit der Anwohner und Geschäftsleute in diesem Teil der Stadt habe sich damals für die Einbahnreglung und die Parktaschen inklusiver flacher Bordsteinkanten ausgesprochen. „Für uns besteht also kein Grund, das Verkehrskonzept zu ändern. Eine Neuregelung würde nur für mehr Verwirrung sorgen.“ Die jetzige Regelung bezeichnet Kolthoff als abgewogen, „um die Verkehrsbelastung auf alle Wittenburger gleichmäßig zu verteilen.“

Man hätte den Anwohnern der Wasserstraße auch bereits den Vorschlag gemacht, eine verkehrsberuhigte Zone einzurichten. „Das wollten sie jedoch nicht, weil das nämlich auch bedeutet hätte, dass sie ihre Autos nicht mehr vor den Haustüren parken dürfen.“