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Buchhandlung Boizenburg „Wir schließen auf keinen Fall!“

Von Jacqueline Worch | 05.12.2017, 08:00 Uhr

Ingrid Hartung und Margitte Wolfgramm stellen klar: Auch wenn sie aufhören, wird die Elbe-Buchhandlung weiter existieren.

„Wann schließen Sie?“ Diese Frage hören Ingrid Hartung und Margitte Wolfgramm beinahe täglich. „Um 18 Uhr“, lautet die Antwort. Denn entgegen dem Gerücht, das sich in letzter Zeit in der Stadt  verbreitet hat, haben die beiden  keinesfalls vor, die Elbe-Buchhandlung zum Ende des Jahres zu schließen. „Wir wissen auch nicht genau, wie dieser Gedanke entstehen konnte“, sagt Margitte Wolfgramm, „doch vermutlich liegt es daran, dass wir mal gesagt haben, dass wir langsam aufhören möchten.“ Doch niemals dachten die beiden daran, die Elbe-Buchhandlung komplett zu schließen und ihr den Rücken zu kehren.

„Wir haben hier in Boizenburg so viele treue Kunden, die wir nicht im Stich lassen oder enttäuschen wollen“, sagt Ingrid Hartung. Viele ihrer Leser haben die beiden Buchhändlerinnen aufwachsen sehen. „Einige sind schon als Kinder zu uns gekommen und kommen heute mit ihren eigenen Kindern“, erzählt die 68-Jährige  mit einem Lächeln.

Seit 1973 sind Ingrid Hartung und Margitte Wolfgramm in der Elbe-Buchhandlung tätig. Am 1. Juli 1991 haben sie die Buchhandlung schließlich übernommen und sind seitdem selbstständig. Dass das gedruckte Wort nicht nur ein Produkt ist, das die beiden in ihrem Geschäft verkaufen, wird sofort deutlich. „Wir lieben unseren Laden“, sagt Ingrid Hartung. „Und ohne ein Buch zu lesen, kann ich abends gar nicht einschlafen“, bestätigt auch ihre 66-jährige Kollegin.

Aus diesem Grund wollen die beiden passionierten Leserinnen zuerst einen würdigen Nachfolger für die Elbe-Buchhandlung finden, bevor sie sich aus dem Geschäft zurückziehen. Interessenten hätte es schon einige gegeben und gebe es immer noch, berichten die 68- und 66-Jährige. Doch man wolle nichts übereilen. Vor allem eines ist den Ingrid Hartung und Margitte Wolfgramm bei ihrer Suche nach einem Nachfolger besonders wichtig: „Er muss ein großes Herz für unsere Kunden haben“, so Hartung. Natürlich sei es auch wichtig, dass sich der neue Besitzer  in der literarischen Welt auskenne, viel lese und auch eine fundierte Kenntnis der geschäftlichen Belange habe. Doch den beiden  Buchhändlerinnen sind vor allem ihre Kunden wichtig und das soll sich auch in Zukunft nicht ändern.

Auch wenn die Suche nach einem geeigneten Nachfolger möglicherweise noch einige Zeit in Anspruch nehmen sollte, wollen die buchbegeisterten Damen ihr Geschäft nicht schließen. „Wenn in drei oder vier Jahren immer noch kein Nachfolger gefunden ist, können wir darüber nochmal sprechen, doch solange haben wir das nicht vor“, betont Margitte Wolfgramm. Schließlich sei die Elbe-Buchhandlung für beide mehr als nur ein Geschäft. „Natürlich gibt es einiges in unserem Leben, das uns wichtig ist – unsere Familie zum Beispiel“, sagt Ingrid Hartung, „doch unsere Buchhandlung ist unser Kind und wir werden erst gehen, wenn wir sie in guten Händen wissen.“