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Naturschutz Verdreckte Schaale

Von THME | 05.11.2015, 08:00 Uhr

Grau-weißer Schleim im Fluss: Spaziergänger alarmieren Landkreis. Proben sollen Aufschluss geben.

„Ich konnte nicht mehr auf den Grund der Schaale blicken. Das verhinderte eine milchig-trübe Flüssigkeit“, erinnert sich Edeltraut Kahl. Die 54-Jährige war am Sonntag Nachmittag des 1. Novembers gegen 14 Uhr in Kogels Wald spazieren gegangen, berichtet sie gestern im SVZ-Gespräch. „An der Brücke im Ort waren beide Seiten der Schaale betroffen. Oberhalb des Dorfes bei Pamprin und Kölzin war das Wasser noch klar.“ Deshalb habe sie kurze Zeit später sofort den Landkreis informiert, bemerkt die Lübtheenerin weiter, die außerdem den befreundeten Wolfgang Kniep aus Leisterförde auf diese ungeheuerliche Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht hätte. Auch dem Ordnungsamt in Zarrentin sei von der Umweltverschmutzung in dem seit 1982 als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Schaaletal am Montag, dem 2. November, berichtet worden.

„Edeltraut Kahl und ich beobachten seit Jahren schon den Rückgang einiger wassertypischer Tiere. Die Larven einiger Insekten wie beispielsweise Köcherfliege, Steinfliege und Kleinlibellen benötigen für ihre Entwicklung sauerstoffreiche und klare Bäche. Sie leben oft mehrere Jahre am Grund von Fließgewässern und eignen sich daher besonders als Bioindikatoren für die Gewässerqualität, die bei der Schaale derzeit bei Güteklasse zwei von vier möglichen liegt.

Auch andere Lebewesen wie Strudelwürmer und Neunaugenlarven reagieren sehr empfindlich auf Gewässerverunreinigungen und sind in letzter Zeit stark zurückgegangen oder gar ganz verschwunden“, berichtet Kniep und warnt: dies sei ein deutliches Zeichen für die Verschlechterung der Wasserqualität. „Die Schaale ist in ihrem Gesamtverlauf geschützt. Was auch immer von wem hier in den vergangenen Tagen in den Fluss eingeleitet worden ist, hat Spuren hinterlassen“, betont der Naturfreund und zeigt einen mit grauweißem Schleim bedeckten Stein, mit schwarzer Unterseite. Das zeuge von einem extremen Sauerstoffmangel, ist sich Kniep sicher.

Nachfragen unserer Zeitung beim Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Andreas Bonin, ergaben, dass der zuständige Fachdienst Umwelt und Naturschutz sofort reagiert habe. „Mitarbeiter waren bereits vor Ort, um sich selbst ein Bild vom Ausmaß zu machen. Sie konnten jedoch keine Einleitung feststellen, haben aber Trübungen des Wassers registriert. Deshalb sind Proben genommen worden, die nun von einem Fachlabor untersucht werden. Frühestens Ende nächster Woche erwarten wir die Ergebnisse.“