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Boizenburg/Neu Kaliss Und dann kam der Regen

Von SVZ | 04.05.2020, 05:00 Uhr

SVZ-Redakteur Sascha Nitsche berichtet von der mittlerweile siebten Woche im Corona-Modus

Also Prinzipien hat meine große, sechsjährige Tochter. „So lange ich eine Maske tragen muss, gehe ich nirgend einkaufen und nicht mehr zum Bäcker und hole mir dort ein Eis“, platzte es nämlich aus ihr raus, nachdem ich ihr von der Pflicht eines Mund-Nase-Schutzes erzählt habe und dass auch sie davon betroffen sei.

Schon seit Beginn der Krise reagiert sie allergisch auf alles, was nur am Entferntesten an dieses Virus erinnern mag. Immer wieder rief und ruft sie deswegen auch ihre Mama und mich zur Raison, wenn wir uns einmal über dieses Thema unterhalten. Und was soll ich sagen: Letzte Woche gab es noch kein Eis für die Mäuse.

Ich behalte mir jedoch auch noch die Nachricht vor, dass die Maskenpflicht ja eigentlich erst für Kinder nach dem Schuleintritt besteht. Es können ja immer noch schlechtere Zeiten kommen, wo ein Seelentröster mal ganz angebracht ist.

Das gilt übrigens auch für mich. Denn nach sieben Wochen im Spagat zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Arbeit und Kinderbetreuung und zwischen strenger Papa und liebster Spielgefährte wird auch meine Haut langsam dünner und das Nervenkostüm angespannter. Dafür war es dann natürlich auch nicht sonderlich dienlich, dass sich die Sonne – nach sechswöchiger Verwöhnkur – seit Mitte der Woche hinter Wolken versteckt hat. Das, was zuvor auf dem Hof stattfinden konnte, wurde nun nach drinnen verlegt. Und das, was sonst am Abend einfach vom Rasen in den Schuppen geräumt wurde, verteilte sich nun zwischen Couchkissen, Bettdecken oder im Badezimmer. „Aufräumen“, tönte es deswegen häufiger durch unsere Wohnung. Leider fand dieser Appell nur allzu selten Gehör. Denn auch hier hat meine Große offensichtlich ihre Prinzipien. Aufräumen fällt da leider irgendwie nicht darunter. Das wiederum hat uns in dieser Woche häufiger aneinander geraten lassen. Bis wir uns am Ende auf gemeinsame Regeln einigen konnten. Diese müssen zwar immer noch streng kontrolliert werden, ihr Fundament steht aber immer fester.

Das würde ich auch gerne über meine fast dreijährige Tochter sagen. Aber die süße Maus fällt leider immer noch über alles, was auch nur einen Millimeter aus dem Boden ragt. Wenigstens zeigt sie sich bei dieser Misere immer noch hart im Nehmen. Sie steht immer wieder auf und fällt dann halt über den nächsten Stein. „Warum regnet es“, fragte sie mich einmal zum Ende der Woche. Bevor ich antworten konnte, fügte sie noch hinzu: „Ich will lieber Schnee. Wann schneit es endlich wieder?“

Hoffentlich nicht ganz so lange wird es dauern, bis beide endlich wieder mit ihren Freunden in Kita und Krippe spielen können. Dieser Ruf wird immer lauter. Vor allem, weil die Große mitbekommt, dass einige Kinder schon wieder zurück sind in der Einrichtung. Deswegen kam es zu Beginn vergangener Woche auch zu einem Ausspruch, den ich von ihr so noch nie gehört habe. „Ich will auch wieder in den Kindergarten“, schallte es meiner Freundin und mir entgegen. Wir waren sehr überrascht und haben noch etwas an den so genannten „langen Atem“ von unserer Großen appelliert. Diesen hat sie ja offensichtlich, wenn ich mir ihren eisernen Vorsatz in Sachen Maske so anschaue.