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Lübtheen/Hagenow Truppenübungsplatz wird aufgelöst

Von Mayk Pohle | 26.10.2011, 07:44 Uhr

"Ich bin wirklich tief enttäuscht, der jahrelange Kampf um den Erhalt unseres Übungsplatzes war umsonst.

Das ist kein guter Tag für die Region, weil wir schon den Wegfall weniger Stellen uns nicht leisten könnten", hielt Lübtheens Bürgermeister Ute Lindenau schon gestern früh mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg.

Zuvor war das, was alle schon befürchtet hatten, am Vormittag eingetreten. Standortaufgabe hieß es da auf Seite 79 des Papiers des Bundesverteidigungsministeriums. Gemeint war der Truppenübungsplatz Lübtheen, der zur Streitkräftebasis gehört. Damit gehen auch langfristig 60 Dienstposten verloren. Besonders bitter ist, dass es sich meist um Zivilbeschäftigte handelt, derzeit sind nur 9 Soldaten in Lübtheen stationiert. Die Schließung in Lübtheen hat auch unmittelbare Folgen für die Region, mit der Schließung wird auch die Platzfeuerwehr dicht machen.

Wie schnell das alles gehen soll, in welcher Reihenfolge was passiert, war gestern natürlich noch nicht klar. Insider gingen gestern noch davon aus, dass die für kommendes Jahr geplante Großübung noch stattfinden wird. Trost im Unglück, neben Lübtheen wird auch der wesentlich besser ausgestattete Truppenübungsplatz Jägerbrück geschlossen. Somit wird es in ganz Mecklenburg-Vorpommern keinen einzigen Truppenübungsplatz mehr geben.

Die politisch Verantwortlichen in der Region wird das wenig trösten. Nahezu alle Zivilbeschäftigten, die bisher auf dem Übungsplatz Lübtheen beschäftigt sind, haben ihren Lebensmittelpunkt in der Region. "Diese Arbeitsplätze können wir nicht ersetzen", weiß Bürgermeisterin Ute Lindenau, die sich von der Politik in ihrem Kampf in einer strukturschwachen Region im Stich gelassen fühlt. Nur Hans-Joachim Hacker und Till Backhaus von ihrer Partei nimmt sie da ausdrücklich aus, die anderen hätten aus ihrer Sicht nichts für Lübtheen getan.

Mit der bevorstehenden Schließung des 6000 Hektar großen Geländes stellt sich die Frage nach dessen weiterer Nutzung. Nicht ausgeschlossen ist, dass nun die Frage nach einer Förderung der unter dem Platz liegenden speziellen Braunkohle wieder hoch kommt. Offiziell wird das jedoch schwierig, weil mit 1400 Hektar faktisch alle Freiflächen und ein Teil der Wälder unter FFH-Schutz stehen. Zudem werden die Flächen des Truppenübungsplatzes ja weiter im Besitz des Bundes bleiben. Insofern kann es Jahre dauern, bis es überhaupt zu einer Veräußerung oder Nutzung des riesigen Geländes kommt.

Des Einen Leid ist des Anderen Freud, bei den Hagenower Grenadieren gab es gestern trotz eines harten Übungstages zufriedene Gesichter. Hagenows Kaserne bleibt erhalten und verliert nur sehr wenige Dienstposten (40 weniger als bisher). Die militärische Führung des Verbandes wurde gestern bereits um 10 Uhr vom Stand der Dinge durch die Brigadeführung informiert, eine halbe Stunde später ging die Information an die Truppe raus. Die Nachricht dürfte neben den vielen Zivilbeschäftigten vor allem die Familien der Längerdienenden (von denen gibt es in Hagenow besonders viele) gefallen haben, weil sie Planungssicherheit schafft. In Hagenow selbst stieß die Nachricht vom Fortbestand des Standortes auf viel Freude. Bürgermeisterin Gisela Schwarz hatte in dieser Woche bekannt, dass sie bei positiver Nachricht laut vor Glück schreien werde, das sei für Hagenow mit Sicherheit ein guter Tag.