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Hagenow Streit um Feuerwehr-Ausbildung geht weiter

Von MAYK | 16.12.2016, 05:00 Uhr

Kreiswehrführer Uwe Pulss weist Kritik der Wittenburger Wehr an der Feuerwehrschule Hagenow als übertrieben zurück

Der SVZ-Bericht über die Ausbildung von Wittenburger Kameraden im Kreis Herzogtum Lauenburg (SVZ vom 13. 12.2016) hat gerade unter Feuerwehrleuten im Kreis für erhebliches Aufsehen und viele Diskussionen gesorgt. Geht es doch im Kern um die Kritik an der Terminvergabe an der Kreisfeuerwehrschule in Hagenow.

Kreisbrandmeister Uwe Pulss hat gestern in einer erneuten Stellungnahme die Kritik der Wittenburger als völlig überzogen zurückgewiesen. „Natürlich brauchen Dinge Zeit, aber wir haben im Kreis seit September endlich einheitliche Maßstäbe, was die Ausbildung betrifft. Und, verglichen mit früheren Zeiten, ist die Situation an der Schule deutlich besser geworden.“ Die 48 kreiseigenen Ausbilder würden eine hervorragende Arbeit leisten, das sei auch außerhalb des Kreises anerkannt.

 Pulss sieht in dem aktuellen  Streitthema vor allem ein Kommunikationsproblem. Es hätte aus seiner Sicht auch Lösungen für die Wittenburger gegeben, wenn die sich denn gemeldet hätten. Mit der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung sei es eben nun  möglich, z. B. die Truppmannausbildung über die Ämter vor Ort zu beantragen und durchzuführen. Nur die Prüfung selbst habe dann an der Feuerwehrschule direkt zu erfolgen.

Wittenburg hatte moniert, dass einige seiner Leute zum Teil jahrelang auf entsprechende Termine warten mussten, obwohl sie die vorgeschriebenen 30 Stunden Grundausbildung hatten. Angeblich seien auch Anmeldetermine verschlampt worden. Das konnte Kreiswehrführer Uwe Pulss gestern nicht nachvollziehen. Angesichts des Ausbildungsbedarfes sei natürlich auch Geduld bei den Terminen nötig. Überhaupt nicht stehen lassen wollte die Kreiswehrführung die unterschwellige Kritik, dass die Ausrüstung an der Schule nicht stimme. „Sie ist auf dem Stand der Technik, und sie wird weiter verbessert. Im Januar wird in Hagenow eine neue Atemschutzstrecke eingebaut, die bisherige ist ja 20 Jahre alt.“ Pulss führte auch den angeblichen „Bollerwagen“ vor, der für die Grundausbildung genutzt wird. Das Gefährt erfülle seinen Zweck, sicher wäre ein Fahrzeug besser. „Doch das müssten wir über die Brandschutzsteuer finanzieren. Ich kann aber den Wehren im Kreis nicht vermitteln, warum sie dann keine Zuschüsse mehr für die Anschaffung vieler dringend benötigter Einsatzfahrzeuge bekommen können. Und das alles für ein Fahrzeug, das hier nur aus der Halle rein- und rausfährt.“

Nicht richtig, so Pulss, sei auch die Kritik, die Ausbildung im Brandübungscontainer in der Landesschule in Malchow sei nur etwas für Führungskräfte. „Für Malchow kann sich jede Feuerwehr mit ihren Atemgeräteträgern anmelden, ganz normal.“

Die Diskussionswellen nach dem Bericht über das Wittenburger „Fremdgehen“ hat auch die dortige Wehr sehr schnell erreicht, wie Zugführer Axel Körner gestern bestätigte. „Wir haben aber einige Anrufe von Wehren, z. B. aus dem Bereich Hagenow-Land, gehabt, die jetzt auch gern unser Modell für ihre Truppmannausbildung übernehmen würden, weil ihnen das bei uns im Kreis zu lange dauert.“ Allerdings hatten die Wittenburger bei ihrem Bildungsausflug nach Schleswig-Holstein durch ihre sehr enge Partnerschaft mit der Möllner Wehr quasi Heimvorteil. Sie brauchten für die Ausbildung und Prüfung nichts bezahlen, nur die Verpflegungskosten seien vom Amt übernommen worden.

Mit so viel Nachbarschaftsliebe könnten andere Wehren wohl nicht rechnen, denn eigentlich sind die Kosten nur gedeckt, wenn sich die Ausbildung im eigenen Landkreis abspielt.

Unabhängig vom Streit um die Ausbildung stehen die beiden Feuerwehrschulen in Hagenow und Dargelütz (bei Parchim) derzeit sowieso auf dem Prüfstand der Kreispolitik. Zu beiden Standorten gab es umfangreiche Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit und zumindest in Dargelütz besteht erheblicher Investitionsbedarf. Eine Entscheidung wird in wenigen Monaten erwartet.

Derweil will Kreiswehrführer Uwe Pulss das direkte Gespräch mit den Wittenburgern suchen.