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Parchim als Tagungsort für Ehrenamtler unzumutbar Soll der neue Kreistag künftig in Schwerin tagen?

Von Mayk Pohle | 05.10.2011, 08:24 Uhr

Der neue Kreistag hat sich noch nicht einmal konstituiert, da gibt es schon Streit darüber, wo er denn eigentlich tagen soll. Jenz Prötzig (Freie Wähler) schlägt Schwerin als Tagungsort vor.

Der neue Kreistag hat sich noch nicht einmal konstituiert, da gibt es schon Streit darüber, wo er denn eigentlich tagen soll. Jens Prötzig aus Boizenburg, der über die Freien Wähler in den Kreistag kam, trat jetzt mit einem völlig neuen Vorschlag an die Öffentlichkeit: "Nach meiner Meinung sollte der Kreistag an einem Ort tagen, der für alle im Kreisgebiet in etwa gleich gut erreichbar ist und den man z. B. auch über öffentliche Verkehrsmittel zuverlässig erreichen kann. Und das ist ganz klar nicht Parchim sondern Schwerin, genauer gesagt Schwerin-Süd."

Dort könnte nach Prötzigs Meinung der Kreistag dann entweder im IHK-Bildungszentrum oder in den Räumlichkeiten der Handwerkszentrums tagen. Dann wäre die Last des Ehrenamtes für nahezu alle Bereiche des jetzigen Großkreises in etwa gleich verteilt.

Parchim als dauerhaften Sitz des Kreistages hält der gewählte Kreistagsabgeordnete für völlig abwegig. "Da muss ich mir ja eine Übernachtungsmöglichkeit vor Ort besorgen, wenn der Kreistag tagt. Von der Ausschussarbeit will ich noch nicht einmal reden. Schwerin hat als Landeshauptstadt und frühere Bezirksstadt eine halbwegs zentrale Lage und auch noch die entsprechenden Verkehrsverbindungen", erklärt Prötzig, der in Hamburg arbeitet, seinen Vorstoß.

Bisher ist nur angekündigt worden, dass der neue Kreistag zumindest in den ersten Monaten an verschiedenen Stellen im Kreisgebiet tagen sollte, um zumindest ein Gefühl für den neuen Zusammenhalt zu entwickeln. Landrat Rolf Christiansen hatte das vor den Wahlen zumindest als Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Beschlossen ist in der Sache natürlich noch nichts, weil der neue Kreistag ja erst zusammenkommen muss.

Thomas Heldberg, neuer Fraktionsvorsitzender der FDP und auch schon im alten Ludwigsluster Kreistag einer der prägenden Leute in der Kommunalpolitik, hält Prötzigs Vorschlag zwar für überzogen, kann aber doch Verständnis dafür entwickeln. "Es ist in der Tat ja so, dass derjenige, der auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, eigentlich nicht in der Kreistag kann, weil es für ihn nicht zu schaffen ist. Nun weiß ich nicht, ob man gleich in Schwerin tagen muss, mir wäre Ludwigslust auch lieber. Aber mit diesem Riesenkreis muten wir den Ehrenamtlern eine Menge zu. Wir paar Leute sollen ja auch eine Riesenverwaltung mit gut 1000 Leuten kontrollieren. Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll. Angesichts der Größe der Aufgabe und der lächerlichen Ausstattung der Fraktionen ist das alles kaum zu packen. Meine Prognose ist, dass noch einige ihr Kreistagsmandat zurückgegeben werden, es gibt ja schon einige Fälle. Ob das allerdings der Wähler gewollt hat, wagen ich zu bezweifeln."

Für die konstituierende Sitzung am 13. Oktober ist zunächst erst einmal Parchim als Sitzungsort unvermeidlich. Ob man sich am ersten Tag angesichts der vielen anstehenden Formalien über neue Sitzungsorte einigen wird, ist ziemlich unwahrscheinlich.