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Gedenken Quaster Tag soll erhalten bleiben

Von smor | 10.08.2015, 12:00 Uhr

Mit Demonstration halten Bürger die Erinnerung an den einstigen Heimatort auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheen wach.

Der mittlerweile 14. Quaster Gedenktag wich am vergangenen Sonnabend deutlich von seiner bisherigen Tradition ab: Erstmals trafen sich die vielen interessierten Bürger, die an das kleine Dörfchen Quast mitten auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheen erinnern wollten, nicht am gleichen Platz wie in den Jahren zuvor, sondern in der Ortslage Hohenwoos.

„Wir haben gehofft, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern die Hoheit über diesen Platz ausüben wird und uns somit die Gelegenheit, nach Quast zu kommen erleichtert wird“, sagte Vielanks Bürgermeisterin Christel Drewes. Doch leider haben sich die Besitzverhältnisse bis dato nicht verändert. Der Bund ist nach wie vor Eigentümer und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zeichnet für die Flächen verantwortlich. Die Bewirtschaftung erfolgt auch weiterhin durch die Bundesforst.

Quast wäre in diesem Jahr 652 Jahre alt geworden. Existiert hat dieses Dorf allerdings nur 597 Jahre. 1961 war es für den späteren Truppenübungsplatz abgerissen, die letzten dort lebenden Familien wurden zum Teil zwangsausgesiedelt. „In all den Jahren, in denen wir uns in Quast trafen, habe ich versucht, immer wieder etwas Neues aus der Geschichte herauszufinden. In diesem Jahr leider nicht“, sagte eine sichtlich verärgerte und enttäuschte Christel Drewes. Sie kann nach ihren Worten nicht nachvollziehen, warum die Gefahrenklasse für das 6000 Hektar große Gelände urplötzlich und ohne ersichtlichen Grund von Stufe 3 auf die nächsthöhere Stufe angehoben wurde. Daher riet der Munitionsbergungsdienst in diesem Jahr von einem Betreten des Geländes ab und verlangte zudem die alleinige Unterzeichnung einer Haftungsverzichtserklärung durch Vielanks Gemeindeoberhaupt.

„Doch diese nicht zu kalkulierende Verantwortung wollten wir Christel Drewes nicht aufbürden“, erklärte Heiko Bäuch. Letzterer war am Sonnabend gemeinsam mit seinem Gemeindevertretungsmitglied Hans-Heinrich Döscher für die Demonstration zum Erhalt des Quaster Tages zuständig. Die Organisatoren ließen nach eigener Darstellung im Vorfeld nichts unversucht, auch den Vorsitzenden des Umweltausschusses sowie den Fachdienstleiter für Brandschutz des Landkreises Ludwigslust-Parchim einzuladen, doch blieben die Verantwortlichen der Demonstrationsveranstaltung fern.

„Hier vor meinem Wohnhaus in Hohenwoos ist es ohne Zweifel auch sehr schön, doch dieser Platz sollte nur ein einmaliger Ersatz für den Quaster Gedenktag sein“, sagte Irmgard Wolf, die sich nichts mehr wünscht, als dass dieser Tag schon im kommenden Jahr wieder am angestammten Platz stattfinden kann. Für Otto Brandt aus dem benachbarten Tewswoos war Quast bisher immer ein Ort der Ruhe, der Zuflucht und Bescheidenheit.

„Ich habe viele Jahre hier in der Region in der Forst gearbeitet und kenne die Gegend wie meine eigene Westentasche. Daher empfinde ich die jetzige Situation als paradox und völlig übertrieben“, sagte Otto Brandt.

Für Mitorganisator Hans-Heinrich Döscher ist es nicht nur wichtig, auch in Zukunft den Zugang zum ehemaligen Truppenübungsplatz zu erhalten, sondern das gesamte Areal für den Tourismus in der sonst so strukturschwachen Region nutzbar zu machen. Am Sonnabend wurden während der Demonstrationsveranstaltung Unterschriften für den Erhalt des Quaster Tages in seiner ursprünglichen Form gesammelt. Eines war allerdings so wie immer: Für die Bewirtung sorgten in bewährter Manier die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Lübtheen und Alt Jabel. Die Feuerwehr Tewswoos sicherte das Treffen zusätzlich mit ihrem Tanklöschfahrzeug ab.

„Wenn wir alle hier zusammenhalten und Verantwortung zeigen, dann passiert auch etwas und wir können uns im nächsten Jahr wieder am Ort des ehemaligen Dörfchen Quast treffen“, war sich Fritz Döscher vom gleichnamigen Töpferhof am Ende der Demonstration sicher.