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Boizenburg Langfinger scharf auf teures Werkzeug

Von Thorsten Meier | 27.11.2012, 10:11 Uhr

Sie kommen nachts, im Schutze der Dunkelheit - Die Langfinger. Die Boizenburger Polizei registriert zunehmend Firmen-Transporter-Aufbrüche. Die Schäden bewegen sich zwischen 1500 und 3000 Euro.

Sie kommen nachts, im Schutze der Dunkelheit. Vornehmlich in den ländlichen Raum, dort, wo aus Sparzwängen oft die Straßenbeleuchtung noch vor Mitternacht abgeschaltet wird. Sie, das sind die Langfinger, die seit geraumer Zeit die mit teurem Werkzeug und hochwertigen Maschinen aufgerüsteten Firmentransporter im Visier haben.

"Wir haben allein bis zum 20. November fünf Aufbrüche angezeigt bekommen. Die Schäden bewegen sich jeweils zwischen 1500 und 3000 Euro", berichtet Egon Gruhlich, der Leiter des Polizeireviers in Boizenburg gegenüber der SVZ. Weitläufige private Grundstücke, unbeleuchtet und dennoch von der Straße für die Täter gut einsehbar, das seien die Orte, auf denen die Firmentransporter meist abgestellt worden seien, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar weiter. "Aber auch direkt an der Fahrbahn geparkte Fahrzeuge wurden heimgesucht und aufgebrochen."

Polizei in Strausberg schnappte möglichen Täter

Für Polizeihauptkommissarin Anke Dahlenburg ist die Sache längst klar: "Nachdem es vor Jahren das Phänomen gab, dass immer wieder gern in Firmen direkt eingebrochen wurde, um sie auszurauben, sind jetzt die Transporter dran. Denn viele Handwerker nehmen sie nach der Arbeit mit nach Hause, um sie dort abzustellen. Weil sie meist am nächsten Morgen wieder früh raus müssen. Teures Werkzeug und hochwertige Maschinen sind derzeit ein beliebtes Diebesgut." Die Polizei im brandenburgischen Strausberg habe beispielsweise in ihrer Region am 20. November einen Mann festgenommen, der im dringenden Verdacht steht, gestohlenes wie möglicherweise auch gekennzeichnetes Werkzeug aus dem Boizenburger Raum bei sich gehabt zu haben, erzählt die Mitarbeiterin der Boizenburger Außenstelle des Kriminalkommissariats außerdem. "Derzeit laufen noch die Ermittlungen dazu. Ich habe aber die Hoffnung auf eine Trefferquote."

Anke Dahlenburg rät allen Firmenchefs ihr Eigentum codieren, gravieren oder anderweitig fälschungssicher zu machen, um die Möglichkeit zu erschweren, sie als Hehlerware zu veräußern. "Denn die Folgekosten, um sie nach einem Diebstahl wieder zu beschaffen, sind nicht unerheblich." Von den nervigen Querelen mit der Versicherung mal ganz zu schweigen.

Die Polizeihauptkommissarin möchte in diesem Zusammenhang jedoch auch noch auf etwas anderes verweisen und führt einen Tageseinbruch vom 19. November in Greven ins Feld. Hier seien die Einbrecher in das Haus eingedrungen, als niemand zu Hause gewesen ist. Sie hätten anschließend unter anderem Computer, Monitor, DVD-Player und einen kleineren Flachbildschirmfernseher als Beute mitgenommen. Bei einem größeren Fernseher sei es beim Versuch geblieben. Ihn hätten die Einbrecher offensichtlich nicht so schnell aus der Wandverankerung reißen können.

Haben Bettler die Lage ausgekundschaftet?

"Merkwürdigerweise hatte die später geschädigte Frau zuvor am 31. Oktober Besuch von Bettlern. Auch andere Bewohner des Ortes und aus der Region riefen später bei der Polizei an. Wir vermuten, dass sie ähnlich wie ein Spähtrupps, schon mal ausgekundschaftet haben, wo es wann etwas für die Täter zu holen gibt", so Anke Dahlenburg. Die Polizistin rät den Einwohnern von Dörfern wie Städten gleichermaßen zu erhöhter Wachsamkeit. "Insbesondere sollte man immer auf Fremde im Ort achten, sich notfalls Kennzeichen und Auffälligkeiten notieren sowie generell keine Wertgegenstände in Fahrzeugen zurück lassen." Oder die Autos so sicher abstellen, dass eben kein Fremder herankomme. Selbst die Bettlermasche, sollte es nicht zu Hauseinbrüchen kommen, hält die junge Kriminalistin für gefährlich. "Es geht letztendlich immer darum, an Geld zu kommen. So manchem Gutwilligen, der fünf Euro aus seiner Geldbörse gegeben hat, fehlte anschließend viel mehr Bares, weil erfolgreiche Ablenkmanöver eingesetzt worden waren."