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Hagenow Krippenplätze: "Wir fahren am Limit"

Von kahe/nien | 08.11.2012, 07:18 Uhr

Das Land Hagenow kann ab August 2013 den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz gewähren. Schon heute werden 54 Prozent aller unter Dreijährigen betreut. Jedoch müssten Eltern bei ihrer Wunschkita Abstriche machen.

Pichers Bürgermeister Detlef Christ kann sich freuen. Letzte Woche erst hat er persönlich wieder ein Krippenkind in der gemeindeeigenen Kita begrüßt. Im nächsten Jahr werden drei weitere hinzukommen. Und auch danach kann Picher immer noch zwei freie Krippenplätze vorhalten. "Wir sind wirklich froh, dass wir die Kita in all den Jahren nicht aus den Augen verloren haben", sagt er. "Jetzt können wir sogar den Nachbargemeinden aushelfen." Wer einen Platz im Amt Hagenow-Land braucht, der bekommt auch ab August 2013 einen - wenn Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige haben. Da ist sich Amtschef Alfred Matzmohr sicher. 78 Plätze kann er anbieten. 54 sind derzeit belegt.

Längst nicht alle Kommunen können Eltern einen Krippenplatz garantieren. In Bantin zum Beispiel stehen acht Krippenkinder auf der Warteliste, nur eines davon kann im laufenden Schuljahr aufgenommen werden. "Wir sind komplett belegt", sagt Kitaleiterin Katrin Prösch. Wer dringend einen Krippenplatz braucht, dem empfiehlt sie Tagesmütter und Kitas in der Umgebung. Doch auch im benachbarten Kogel wird es eng. "Wir werden definitiv arg zu tun haben", sagt die dortige Kita-Leiterin Anke Fedder. "Ab Februar ist unsere Krippe komplett belegt, die Anfragen reichen aber weit bis in den Sommer hinein. Dass es dann einen Rechtsanspruch geben wird, findet Anke Fedder "super". "Nur frage ich mich, wie umgesetzt werden soll, was sich Politiker da im Stillen ausdenken."

Im Landkreis sieht man den gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz nicht gefährdet. Laut einer aktuellen Studie liegt die Region Ludwigslust-Parchim schon heute bei einer Betreuungsquote von 54 Prozent der unter Dreijährigen und damit sogar über dem Landesdurchschnitt von 53,6 Prozent "Wir sind vorbereitet", sagt Silvia Reiß, Jugendhilfeplanerin. Der Kreis habe vor einem Jahr begonnen, die Situation an den Kitas ausführlich und detailliert zu erfassen. "In Schwerpunktregionen, vorrangig Schulstandorten, fahren wir am Limit", sagt sie. "Aber wir können den Bedarf abdecken."

Grundsätzlich werde versucht, dem Wahlrecht der Eltern zu entsprechen. In jedem Fall könne dem Wunsch nach nur einer Kita aber nicht Rechnung getragen werden. Eltern könnten z.B. ihr Kind auf dem Weg zur Arbeit in einer Kita betreuen lassen, wenn am Wohnort keine Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

Ergänzend zu den Kitas arbeiten im Landkreis 166 Tagesmütter, die allein 714 Betreuungsplätze für unter Dreijährige anbieten. "Ohne die Tagesmütter hätte der Kreis Probleme, den Rechtsanspruch zu sichern", sagt Silvia Reiß. Die Jugendhilfeplanerin trifft sich regelmäßig mit Vertretern der Kommunen, der freien Träger und des Fachbereiches Kita. "Wir suchen gemeinsam nach Lösungen für bedarfsgerechte Betreuungsangebote." Können neue Tagesmütter gewonnen werden? Muss im Einzelfall vielleicht neu gebaut oder die Betriebserlaubnis entsprechend der Nachfrage angepasst werden?

Im Amt Wittenburg, wo fast alle Krippen zu hundert Prozent ausgelastet sind, könnte ein Neubau deutliche Entlastung schaffen. Auch in Hagenow denkt man über den Bau einer Kleinsteinrichtung nach. 99 Plätze, vorrangig für Krippenkinder, könnten dort im kommenden Jahr entstehen. Die Stadt erwägt einen An- oder Neubau in der Möllner Straße. Eine Arbeitsgruppe plant derzeit eine geeignete Variante. Für 354 Kleinkinder habe Hagenow Kapazitäten, so Erik Hofmann, stellvertretender Bürgermeister. 15 Anträge liegen noch auf dem Tisch. Um den Bedarf auch im Hinblick auf das neue Kita-Förderungsgesetz mit neuen Gruppengrößen langfristig decken zu können, seien neue Räume die einzige Möglichkeit. Ein Vorhaben, das Geld kostet. Nach der Planung prüfe man im Rathaus die genaue Finanzierung. Wenn möglich mit Fördermitteln. Trotz solcher Engpässe sieht Landrat Christiansen ab August die Betreuung gesichert. "Wir können auch 2013 jedem einen Platz anbieten", sagte er auf der Baustelle für die neue Kita in Kuhstorf. Denn es gebe immer noch Kommunen, die freie Kapazitäten haben.