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Gläubige aus Region dem Heiligen Vater ganz nah "Heute treffen wir den Papst"

Von Benjamin Piel | 21.09.2011, 07:18 Uhr

Adrians Augen suchen Halt an den Wänden der katholischen Kirche von Hagenow. „Ein Vorbild, der Papst ist ein Vorbild für mich.“ Nachdenkliche Worte eines Elfjährigen, der heute dem Heiligen Vater ganz nah sein darf.

"Kardinal Ratzinger ist mir mal im Vatikan über den Weg gelaufen", sagt Pfarrer Ludger Hölscher. Der Priester ist niemand, der schnell in Jubelstürme ausbricht. Aber wenn das Thema sich um Papst Benedikt XVI. dreht, dann gehen doch etwas die Pferde mit dem Priester durch. "Er ist ein Genie, ein Intellektueller", sagt Hölscher und zieht die blonden Augenbrauen hinter den Brillengläsern nach oben.

An das Treffen mit dem Papst, der damals noch unbehelligt als Joseph Kardinal Ratzinger durch den Vatikan spazieren konnte, erinnert sich Hölscher noch gut. Er war damals mit einer Besuchergruppe unterwegs, als Ratzinger vorbeilief, anhielt und sich kurz mit der Gruppe unterhielt. "Ich werde nie vergessen, wir er uns mit Baskenmütze und schwarzer Aktentasche entgegenlief - völlig bescheiden und unauffällig", sagt Hölscher und schließt die Augen, als riefe er sich die Bilder der Vergangenheit vor das geistige Auge.

Auch vorher schon ist der heutige Ludwigsluster Pfarrer dem späteren Papst Benedikt begegnet. Als junger Diakon assistierte er ihm im Jahr 1984 bei einer Messe am Altar einer Kirche in Rom. Hier genoss Hölscher als angehender Priester Teile seiner Ausbildung. Heute sehen sich Priester und Papst im Berliner Olympiastadion wieder, wenn auch nur aus der Ferne.

Angehender Priester fährt mit nach Berlin

Angehender Priester ist auch der Kieler Georg Taubitz. Er besucht das Priesterseminar St. Georgen in Frankfurt am Main. In Ludwigslust absolviert er aktuell ein Praktikum. Dass er nun zusammen mit 56 anderen Katholiken aus der Region zur Papstmesse nach Berlin reist, darüber freut sich der 20-Jährige ganz besonders. "Für mich ist es großartig, die Weltkirche in Deutschland zu erleben", so der Priester in spe.

Über die große Resonanz auf das Reiseangebot freut sich Ludger Hölscher sehr. "Dass es so viele werden, hätte ich nicht gedacht", zeigt sich der Priester erstaunt. Die Mitfahrer sind zwischen neun und 80 Jahren alt. Aller Unterschiede zum Trotz haben sie doch eines gemeinsam: Sie sind vor der großen Fahrt ganz schön aufgeregt und voller Vorfreude. Vormittags fährt der Bus vom Marstall aus in Richtung Berlin ab, gegen 16 Uhr spricht der Papst vor dem Bundestag, um etwa 18 Uhr trifft Benedikt der XVI. im Olympiastadion ein.

Hagenower Messdiener kommen Papst besonders nah

Für sieben Messdiener aus Hagenow wird es ein ganz besonderer Tag: Sie werden bei der Messe im Olympiastadion ganz dicht am Altar stehen. "Ein einmaliges Erlebnis", sagt der Hagenower Pfarrer Heribert Kirchhoff.

Doch auch solche, die den Papst nur aus der Ferne sehen werden, sind gespannt. So auch Sabine Vogel. Ihr Mann war bereits 1988 von der DDR aus nach Rom zu Papst Johannes Paul II. gefahren. Damals ein ungeheuerliches Ereignis. "Acht Passbilder musste er zur Sicherheit abgeben", erinnert sich Vogel. Für die DDR-Katholiken gab es eine Privatmesse beim Papst und eine Reise durch Italien. Alle glaubten, dass es eine einmalige Reise sein würde. Einmal Italien und für immer zurück. Die Geschichte wollte es anders. "Und dazu hat Papst Johannes Paul II. einiges beigetragen", so Hölscher. Dass heute eine Messe in Berlin stattfinde, zu der auch aus der ehemaligen DDR alle Menschen reisen könnten, das sei für ihn ein echtes Wunder.